Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1892)
- Date
- 1892-05-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448254--34131-2482055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 1× ep/1044017
OCR text
695 ten und oft auch heimathslosen Glaubensgenossen an dem Peßachfeste eine Stätte zu schaffen, wo sie in Frieden und in Gemüthlichkeit die Sederabende verleben konnten. Mehr als 50 Personen beiderlei Geschlechts haben sich hiezu eingefunden und in hochherziger Weise wurden ihnen auf schön gedeckten Tischen bei herrlicher Beleuchtung der hiezu verwandten Räume die Speisen und Weine verabreicht. Daß die Stimmung eine fröhliche und innige war, bedarf wohl nicht erst der Erwähnung und trennten sich die Leute mit dem berechtigten Bewußtsein, daß in hiesiger Stadt die Menschenliebe eine wahre Stätte gefunden und diese nach allen Richtungen hin bethätigt wird. I. Sch. Königsberg Nur., i. Mai. Im hiesigen königl. Gymnasium hatte ein jüdischer Schüler bereits alle unteren Klassen durchgemacht und war stets vom Schreiben am Sabbat auf Wunsch seiner Eltern dispensirt. Jetzt ist dieser Knabe nach Obertertia versetzt worden und weigerte sich auch hier am ersten Sonnabend nach seinem Eintritt in die neue Klasse, zu schreiben. Da hielt der Ordinarius, ein Herr Dr. B., eine erregte Ansprache an den Knaben vor versammelter Klasse, in welcher er heftige Ausfälle auf die Juden machte. Essei, so behauptete er, purer Trotz und Eigensinn, wenn ein jüdischer Schüler sich auf sein Gesetz berufe, am Sonnabend nicht zu schreiben. Dieses Gesetz sei der „berüchtigte" (?) Talmud, der den Juden nur einen Zaun um das Gesetz vorstelle, welcher ihnen die wahre Moral und Religion verschließe. Im Gesetze selbst, d. h. in der Bibel, sei das Schreiben am Sabbat nirgends verboten. Aber der Talmud verderbe die Begriffe der Juden von Gesetz und Moral, indem er ihnen sogar erlaube, Christen zu ermorden! Breslau. In unserer materialistischen Zeit geistige Interessen gefördert und gewürdigt zu sehen, ist eine erfreuliche Thatsache und so war es auch ein erhebendes Bewußtsein für jeden aufrichtigen 'wr>', die Würdigung eines Vertreters dieser geistigen Interessen zu constatiren. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, der sich während seiner kaum 5jährtgen Breslauer Wirksamkeit durch seine in jeder Beziehung emiment erfolgreiche Thätigkeit die Zuneigung aller Gemeindemitglieder in reichstem Maaße erworben, feierte am 23. Nissan sein 25jähriges Amtsjubiläum. Diesen Anlaß benutzten seine vielen Freunde und Verehrer, sowie die Corporationen und Vereinsvorstände, um dem Jubilar ihre Verehrung durch Wort und Schrift zu bezeugen. Während am Jubiläumstage zahlreiche Deputationen, auch aus seinem früheren Wirkungskreise, denen der Gefeierte in seiner bekannt schlagfertigen Weise geistreich antwortete, den Jubilar beglückwünschten, veranstaltete ein aus der Mitte der Gemeindemitglieder gebildetes Comltö, dem sich später der Gemeindevorstand anschloß, in den prächtigen Räumen der „Gesellschaft der Freunde" ein solennes Festessen, welches einen klangvollen Verlauf nahm. Auch bei dieser Gelegenheit wurden die Verdienste des Jubilars in jeder Hinsicht durch treffliche Reden eingehend gewürdigt. Möge das Wirken dieses herrlichen Mannes ferner segensreich zum Heile der Gemeinde und des Gesammtjudenthums Gottes Beistand finden. Strassbnrg i. E., 3. Mai. Wir erhalten folgende Zuschrift: In der Nr. 33 Ihrer Zeitschrift vom 25. April lese ich eine Correspondenz aus Manchester vom 18. April, betreffend die Anlegung von jüdischen Kolonien im Ostjordanland.*) Gestatten Sie mir dazu einige wenige Bemerkungen. Das fragliche Gebiet im Ostjordanland war im Alterthum sehr bevölkert und bebaut, und wäre gewiß noch heutigen Tages vermöge Lage und Klima für landwirthschaftltche Ansiedlung sehr geeignet. Ich möchte aber doch die Unternehmer darauf aufmerksam machen, daß jene Länderstriche nur ganz nominell unter türkischer Oberhoheit stehen und daß die tatsächlichen Herren des Landes Beduinen sind, von den Stämmen der Adwan und Suf. Dieselben werden die Ansiedlung fremder Gäste keineswegs gleichgültig mitansehen, im Anfang zwar vielleicht gar keine Schwierigkeiten bereiten, wenn aber einmal Aecker und Wiesen durch die Eindringlinge bestellt sind, bei Gelegenheit ihre Pferde und ganze Heerden ungenirt in den Saaten weiden lassen. Die Colonisten isrerseits wollen das doch auch nicht ruhig geschehen lassen und damit ist der Anfang der sich immer mehr steigernden Feindseligkeiten gegeben. Schutz der angeblichen türkischen Behörden gibts nicht, woher aber sollte gar unmittelbare Obhut der englischen Juden kommend Ein Schutz gegen Beduinen reicht nur soweit als der Schuß einer Flinte. Die Türken haben nur ein paar wenige Castelle an der Pilgerstraße mit je 5 bis 10 Mann Besatzung, die englischen Juden aber wohl gar keine. Es bleibt also nur Selbsthilfe der Coloniften. Wohin das führt, sieht man am besten an den tscherkessischen Kolonien im Ostjordanland zu Amman, Dfcherasch u. s. f. Ohne Blutvergießen geht es unter solchen Umständen nicht ab, und das heilige Institut der Blutrache wird schon dafür sorgen, daß es nicht eher Ruhe gibt, als bis sämmt- *) Dieser Plan ging, wie mitgetheilt, von den „Freunder: Zions" ans, dessen Borsitzender (?. H. D'Avigdor und dessen Schatzmeister Samuel Montague ist. Red.