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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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696 liche tscherkcffische Ansiedlungen wieder ansgerottet sind. Die erst allmählich gewonnene Einsicht in derartige Verhältnisse wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum die jüdischen Colonten in Midian, wie sie Herr Friedmann einrichten wollte, wieder aufgegeben worden sind. Ich fürchte, oder besser hoffe von vornherein, daß es dem Plan für das Ostjordanland ähnlich ergehen werde. Ehe unnützes Geld hinausgeworfen wird, verlohnt es sich, die Sache gründlich an Ort und Stelle zu prüfen. Mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung Prof. Dr. I. E u t i n g. Herr Professor E u t i n g kennt, wie wenige Europäer, Land und Leute des transjordanischen Gebietes. Er hat wiederholt diese Gegenden bereist und ist sogar in das Innere von Arabien eingedrungen. Bevor man mit Projekten, wie das oben erwähnte. an die Oeffentlichkeit tritt, sollte mau doch die einschlägigen Verhältnisse durch berufene Männer genauer prüfen. Manche schmerzlichen Mißerfolge wären auf diese Weise verhütet worden. Red. d. Js. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 29. April. Der Kaiser hat mit Entschließung vom 14. d. M. die Neu-Auflage der organischen Bestimmungen für die Militär-Seelsorge angeordnet. Nach Art. 1 dieser Bestimmungen ist die Militär-Geistlichkeit zur Ausübung derMilirär-Seelsorge und der militär-geistlichen Jurisdiction über sämmtliche in der aktiven Dienstleistung b.findlichen Personen des k. und k. Heeres, deren Frauen und unter väterlicher Obsorge stehenden Kinder — insofern die beiden letzteren nicht der civilgeistlichen Jurisdiction angehören — berufen. Zu diesem Zwecke ist das Gebiet der österreichisch-ungarischen Monarchie in 15 Militär Seelsorgebezirke crngetheilt, welche räumlich mit den Militär-Territorialbezirken zusammenfallen. Das Occupations-Gebiet bildet für sich einen eigenen Militär-Seelsorgebezirk. In den Militär-Erziehullgs- und Bildungsanstalten werden auch Personen der Militär-Geistlichkeit als geistliche Professoren mit der Seelsorge der Anstalt betraut und gleichzeitig im Lehrfache verwendet. Der Personalstand der Militär-Geistlichkeit theilt sich in den Aktiv- und den Reservebeftand. Für die zur militär-geistlichen Jurisdiction gehörigen israelitischen Glaubensgenossen sind im Frieden keine eigenen Militär-Geistlichen angestelll, sondern es wird die Seelsorge bei denselben durch die betreffenden Ortsrabbiner ausgeübt. Der Reservestand bildet sich aus jenen wehrpflichtigen Priestern, beziehungsweise Seelsorgern, welche, wenn sie den vorgeschrievenen Bedingungen entsprechen, auf ihre Bitte zu Militär- Kaplänen , beziehungsweise evangelischen Militär-Seelsorgern oder Feldrabbinern zweiter Klasse in der Reserve ernannt werden; ferner aus jenen Berufs-Militär-Geistlichen, welche beim Uebertritt in die Civilseelsorge ihre zehnjährige Heeresdienstpflicht nicht ganz erfüllt haben. Frankreich. Paris, im Mai. Unter dem Titel „Pariser Allgem. Jüd. Volkszeitung" erscheint seit einigen Wochen dahier ein Blatt in polnisch-jüdisch-deutschem Jargon in hebräischen Lettern, das, wie es in seinem ersten Artikel angiebt, durch sein Erscheinen einem „allgemein empfundenen Bedürfnisse abhelfen will." Rußland. Aus Odessa und allen Städten des südlichen Rußlands findet, wie der Odessaer Korrespondent der „Daily News" mittheilt, jetzt eine lebhafte Auswanderung von Juden statt, da am 4. Mai die zwölfmonatliche Frist, innerhalb welcher die sogenannten „ausländischen" Juden ihre Heimath verlassen müssen, ablief. Es finden sich noch immer 5000 solcher Juden in Odessa, die, obwohl dort lange Zeit ansässig, innerhalb der nächsten 14 Tage ohne Rücksicht auf Kosten und Schaden', welche ihnen dadurch verursacht werden, die Stadt verlassen müssen. Als dieser Tage ein russischer Dampfer, welcher mehr als 400 solcher Ausgewiesenen an Bord hatte, aus Odessa nach der Levante abfuhr, hatten sich auf dem Quai ca. 600 Juden eingefunden, um ihren Glaubensgenossen Lebewohl zu sagen. Bei diesen alle 14 Tage stattfindenden Abschiedsszenen tritt die russische Polizei gewöhnlich mit großer Brutalität auf. Unter dem Vorwände, einen freien Zugang zur Schiffsbrücke zu schaffen, schlagen die Polizisten mit der Knute auf die Leute ein und jagen sie nach allen Richtungen auseinander. Warschau, 7. Mai. „Dnewnik" veröffentlicht eine amtliche Mittheilung, die besagt: Ungeachtet der aufreizenden Proklamationen ist der i.Mai in Lodz ruhig verlaufen. Am Montag und Donnerstag fanden Arbeitseinstellungen statt. Die Zahl der Strikenden wird auf 30,000 geschätzt. Die Ermahnungen des Gouverneurs von Petrokow blieben wirkungslos. Arbeiterschaaren streiften umher und überfielen die Juden. Dreizehn Compagnien Infanterie und Kavallerie wurden herangezogen. Gestern Abend war die Ordnung hergestellt. England. London, 6. Mai. (Unterhaus.) Balfour erklärte, er kenne den von vielen Seiten im Laude kundgegcbenen Wunsch nach einer Methode zur Behandlung der Frage der Einwanderung von

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