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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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692 Schlafsopha, einige kleine Tischchen und mehrere Stühle, mit sehr vielen Schriftstücken, Photographien und Büchern bedeckt. Das war dazumal Alles, was der kaiserliche Privatwohnraum enthielt. Der Kaiser warf die Thüre in's Schloß und wendete sich schnell an Iwan. „Berichte! Was war e8?" rief er kurz und hastig. „Eine große Menge von Dynamitpatronen hat man vorgefunden, die den Stempel der kaiserlichen Fabriken trugen; der Fürst Michail Gutesow wurde in dem Augenblick überrascht, als er noch einmal den genauen Plan des Winterpalastes revidtrte." Der Kaiser faßte sich mühsam, er hatte seine Ruhe wieder gewonnen. „Du hättest Zeit gehabt, mir dieses amtlich mitzutheilen!" warf er ein. „Auf dem bei den Nihilisten Vorgefundenen Plane findet sich eine Mine, die im Wtnterpalast angelegt wurde, verzeichnet. Es sind offenbar Hochbedienstete, Eurer Majestät nahestehende Männer, die bei der Verschwörung betheiligt sind. Ich habe es gewagt, Eure Majestät noch heute Abend zu beunruhigen und zugleich die Bitte auszusprechen, in dieser Nacht, die zur Ausführung des Attentats bestimmt war, die Wache im Palast halten zu dürfen. Die politische Polizei vermochte nicht, die gefährlichste aller Verschwörungen zu entdecken. Nur die heilige Schaar Eurer Majestät wurde zum Retter des Vaterlandes. So mögen Majestät auch uns in diesem wichtigen Augenblick die Sorge für deren allerhöchstes Wohl anvertrauen." „Es sei!" entgegnete der Kaiser mit matter Stimme, „Ihr möget gemeinsam mit den Organen der offiziellen Polizei diese Nacht die Wache halten. Mein Gott, dem ich vertraue, welch' ein Leben ist dies?! Verschwörungen und nichts als Verschwörungen: ■MB»" '■ — .. ■■ " - Der „3*r«eUt* erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Prett de« Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mork, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Durch den Buchhandel p» drsiehr« det E. $. Kteiuarkrr« Leipzig, Doßptatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Statim. — Oesterreichifche Danknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichr-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (.Hanptblatt): Leitender Artikel: Altjüdische Ethik und Pädagogik. Eine Betrachtung über die Symbolik des Omer-Opsers. Von Rabb. Alexander Fischer in Karlsburg, Siebenbürgen (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Windecken. Breslau. Leipzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Lemberg. —> Italien: Rom. — Rußland: Moskau. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Auf der semitischen Wetterwarte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Königsberg Nm. Breslau. Straßburg i. E. — Osterr.-Ungar. Monarchie:7Wien. — Frankreich: Paris. — Rußland: Aus Odessa. — England: London. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaciion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«. kann ich denn keine Stunde in Ruhe lebend Ich habe Muth, ich weiß, ich habe Muth, und bin gezwungen, mich verborgen zu halten, wie ein Feigling. Und selbst in der Verborgenheit muß ich jeden Augenblick zittern für mein Leben, wie für das Leben meines Weibes und meiner Kinder. Führwahr, kein Mensch ist bedauernswerther als ich, die Freude an meinem Dasein ist mir von Grund aus vergällt!" Der Kaiser preßte die Hand auf seine hohe, breite Stirn und fuhr sich langsam über die Augen. Diese Worte, ein Spiegelbild seines Innern, waren von ihm hervorgeftoßen worden, ohne daß er es wollte. Solche Stimmung pflegte er stets verborgen zu halten, und um dies zu vermögen, hielt er sich von jedem Verkehre zurück. „Vergiß', was ich gesprochen, Iwan Alexandrowitsch!" fuhr er fort, „ich weiß, Du bist mein Freund, oder ich gebe mich doch wenigstens der Hoffnung hin, daß Du es bist, wenn ich auch fast zu hoffen verlernte." Iwan legte die Hand auf's Herz und blickte treuherzig zu seinem Kaiser empor. „Du hast viel geleistet," fuhr der Monarch fort, „als der verschmitzte und schlaue Leiter der heiligen Schaar, Du hast sogar meine erfahrensten und gewiegtesten Polizeibeamte an Raffinement übertroffen, während ich Dich doch einst für einfach, ehrlich, gerade und offen hielt; ich muß Dir gestehen, daß mir der frühere Iwan Alexandrowitsch weit lieber war; ich hätte Dir solche Verstellungskünste und wohlberechnetes Pläneschmieden, wie Du es bet der Entdeckung der Nihilistenbande bekundet, niemals zugetraut", fuhr der Kaiser fort, während ein Zug von auffteigendem Mißtrauen gegen seinen früheren Günstling sich in seinem Antlitze ausprägte. (Fortsetzung folgt.)

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