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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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691 er alle Schmähreden der rohen Gendarme und des zornigen Officiers; anch Alexei vermochte Nichts anders zu denken, als daß nun sowohl seine Kinder, wie auch er selbst unrettbar verloren wären. Schweigend ließen sie sich hinunterbringen in den verschlossenen Wagen, der vor dem Thore ihrer wartete, schweigend betraten sie die dumpfen, unterirdischen Zellen der Peter-Pauls-Fcstung, neben deren kleinen, vergitterten Fenstern die Newa vorüberrauscht. So hatten die Gegner des Czarengünstlings Alles verloren, die Schlauheit und Verschlagenheit Jwan's trug wieder einen glänzenden Sieg davon. Halb acht Uhr war es, als Oststone durch die Meldung des Gendarmerie-Osficiers den glücklichen Verlaus seines teuflischen Planes erfuhr. Der junge Mann befand sich bereits in glänzender Gescllschaftstoilette, als er den Bericht des Polizeioffiziers anhörte. Kaum war Jener gegangen, so eilte Iwan die Treppe hinunter und bestieg seinen Wagen, er fuhr direct zum Kaiser. Der Monarch befand sich soeben im engen Kreise seiner Familie, wo er nach der Einnahme der Hauptmahlzeit dazumal gern verweilte. Die Kaiserin hatte gerade heute einen sehr schlechten Tag gehabt, in Folge neuer Unruhen, von denen der Chef der politischen Polizei berichtet hatte. Der Herrscher Rußlands war vergebens bemüht, die schweren Wolken auf der Stirne seiner Gattin zu verscheuchen, und da ihm dies nicht gelang, so war der in ihm selbst ruhende Aerger und Unwille sehr bald zum Vorschein gekommen. Litt doch der Herr, der seiner Anlage nach heft-g und heißblütig ist, damals so sehr an plötzlichen, rücksichtslosen Zornesausbrüchen, daß sich selbst seine nächste Umgebung vor ihm zurückzog. Die Miene des Kaisers zeigte einen tiefen Unwillen, als nun plötzlich unvorhergesehener Weise ein Diener eintrat und meldete, daß Iwan Alexandrowitsch Oststone in einer hochwichtigen Angelegenheit den Czaren zu sprechen wünsche. „Welch' unerhörtes Benehmen!" rief der Kaiser, „um diese Stunde sich bei mir melden zu lassen, er glaubt wohl noch, daß das Verhältniß unserer früheren Bekanntschaft fortdauere, daß der Kaiser für ihn kein Anderer sei, als es der Großfürst gewesen. Ja, das wäre möglich, wenn Iwan Alexandrowitsch derselbe geblieben wäre; aber aus dem Menschen, der sich den Schein der Wahrheit und Offenheit gab, ist ein ränkelustiger Polizeispion geworden. Und recht viel Verabscheuenswerthes über ihn ist mir bereits zu Ohren gekommen, ich will diesem Herrn nicht mehr vertrauen, ich will keinem Menschen mehr vertrauen!" Der Diener wollte sich entfernen. „Halt!" rief ihm der Kaiser nach, „der junge Mann soll mir schriftlich einreichen, was er will und jetzt soll er gehen." Aergerlich nahm der Kaiser wieder Platz und er war eben im Begriffe eines seiner jüngeren Kinder auf den Schooß zu nehmen, „eine Russin, die noch 'treu zu ihrem Czaren hält", wie er in bittrem Schmerze zn sagen pflegte, als die Thüre des Zimmers sich hastig öffnete. Iwan Alexandrowitsch stürzte herein und fiel seinem Kaiser zu Füßen. Der Monarch sprang auf, die Zornesader auf seiner Stirne schwoll mächtig an. „Was wagst Du?" schrie er den Eindringling an. „Gnade, Majestät!" sprach Iwan, indem er mit vollem Antlitz zu dem Kaiser emporblickte, „nie hätte ich es unternommen, der bewährten Liebenswürdigkeit und Güte meines Herrn vorzugreifen, wenn nicht —" „Wenn nicht —?" unterbrach ihn der Kaiser ingrimmig. „Wenn es nicht gelte, eine Todesgefahr von dem allerhöchsten Haupte unseres Herrn abzuwenden." Iwan betonte das Wort Todesgefahr. Der Kaiser erbleichte. „Sprich'!" befahl er. „Die heilige Schaar hat jene Verschwörung in Kiew unter meiner persönlichen Leitung entdeckt, wir haben den Fürsten Michail Wasiljewitsch Gutesow und seine fluchwürdigen Spießgesellen auf frischer That ertappt und verhaftet." Der Kaiser sprang auf, warf einen ängstlichen Blick auf seine Gemahlin, die in furchtbarer Erregung die Nachricht Jwan's mitanhörte. „Nicht hier, komm' mit!" sprach der Kaiser hastig. In schnellem Schritte verließ der Monarch den Saal. Iwan folgte ihm. Sie begaben sich in das dem Familienzimmer nahegelegene, kleine Privatwohnzimmer des Kaisers, wohl der einfachste Raum des sonst von blendendem Neichthum und Glanz strahlenden Winterpalastes. In dem gewölbten Kabinet sind die Wände mit einfarbiger, dunkler Tapete bekleidet, ein einfacher, glatter Teppich von grüner Farbe bedeckte damals den Fußboden. An den Wänden hingen, außer Heiligenbildern, die Portraits der Kaiserin und der kaiserlichen Kinder; sonst Nichts. Die Einrichtung bestand nur aus den nothwendigsten Gebrauchsgegenständen. Vor dem großen Bogenfenster ein niedriger Schrank und durch einen kleinen Zwischenraum von diesem getrennt, der Schreibtisch, daneben an der Wand ein von grünem Safianleder überzogenes Sopha mit einem kleinen Tisch, zwischen diesem und dem Kamin das mit einer dunkelbraunen Decke bedeckte Feldbett, ein

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