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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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690 Kleinen Brust auszuftreueu, daß er zur blühenden Saat emporkeime, die der Mit- und Nachwelt ihre Glaubensheroen liefere, ist für den idealen Menschen- und Glaubensfreund einen Himmelsgenuß. Es that mir daher leid, daß mir, als Fremder, der Zutritt zu den Prüfungen der Neligionsschule der Hauptgemeinde nicht gestattet war, da es in der Bekanntgebung derselben ausdrücklich hieß, daß nur Mitgliedern der Hauptgemeinde der Besuch der Prüfungen gestattet sei. Einen Grund für diese beschränkende Bestimmung kann ich nicht finden, und ist meines Erachtens jedem Jugend- und Schulfreund aller Orten dem Beiwohnen öffentlicher Prüfungen überhaupt, Religionsprüfuugen insbesondere noch nie ein Hinderniß in den Weg gelegt worden. Es soll hier aber, wie mir mitgetheilt worden, noch jedes Jahr seit der Gemeindetrennung in der öffentlichen Prüfungsanzeige diese Klausel gestanden sein. Die Resultate der Religionsschule der Religiousgesellschaft entschädigten mich und befriedigten mich in vollem Maße. Die Schüler der höheren Klassen, deren Prüfung schon am 2. Peßachtage nach dem iiMQ-Gottesdienste vor zahlreichem Publikum stattfaud, trugen mit Verständniß und Gefühlswärme t£/Din und ny njttfD rrojü-o vor und bewiesen, daß ihnen diese Unterrichtszweige Freude machten. Tags darauf war die Prüfung der übrigen Schulklassen in bibl. und nachbiblifcher Geschichte seitens des Direktors der Schule, des Rabb. Dr. Schiffer, der darin wie auch in den prophetischen Büchern unterrichtet und in und rpsn verbunden mit hebr. Grammatik seitens der 2 übrigen Lehrer der Anstalt. Auch hier fand ich zu meiner größten Freude, daß in der ganzen Schule eine Begeisterung für unfern angestammten Glauben herrscht und Director und beide Lehrer nach bestem Wissen und mit ganzer Kraft ihre Pflicht erfüllen. Zuletzt wurde die unterste Klasse geprüft, wo Schüler und Schülerinnen nach einjährigem Schulbesuche richtig und ziemlich geläufig lasen, yoty und n:n^ no gut übersetzten und die Bibel bis Abraham kannten. Dauach trugen die besten Schüler und Schülerinnen entsprechende, den jüdischen Geist athmende, von Herrn Dr. Schiffer mit großer Umsicht ausgewählte und einstudirte Gedichte vor. — Eine warme Anrede seitens desselben an Schüler und Eltern bildete den Schluß, wonach die Vertheilnng der halbjährigen Zeugnisse stattfand. — u Karlsruhe (Baden.) Gelegentlich der 40jährigen Jubelfeier Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurden folgende Glaubensgenossen dekorirt resp. befördert. Die goldene Kette zum innehabenden Großkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen Finanzminister Dr. Moritz Ellstädter; das Ritterkreuz 2. Klasse, der Kammersänger Hermann Rosenberg in Karlsruhe, das Kommendeurkreuz 2. Klasse, der Geh.-Rath Professor Dr. Leo Königsberg er an der Universität Heidelberg das Ritterkreuz 1. Klasse, der Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Moritz Steckelmacher in Mannheim, das Ritterkreuz 2. Klasse, das Mitglied des Kreisausschusses Mannheim, Privatmann Michael Kaufmann in Mannheim. Die Stadträthe Bernhard Herschel, Fritz Hirschhorn und Bernhard Kahn in Mannheim, der Kaufmann Rudolf Herm a n n, Stellvertreter des Präsidenten der Handelskammer in Karlsruhe, der Kaufmann Simon Bensheim in Mannheim, Vorstand des Tabakbauvereins; das Verdienstkreuz des Zähringer Löwen die Bezirksältesten und Synagogenvorsteher S i e g m u n d Netter in Heidelberg und D av id Dreifuß in Offenburg. Die kleine goldene Verdienstmedaille Religionslehrer und Vorsänger Elkan Schreiber in Weinheim Zu Oberamtsrichtern wurden ernannt: Die Amtsrichter Dr. Robert Reis in Pforzheim, Dr. Otto Fürst in Karlsruhe. Der praktische Arzt Dr. Isidor Lindmann in Mannheim wurde zum Medizinalrath ernannt. München. Wegen der Handelskammerwahlen ist ein heftiger Kampf wischen Antisemiten und Judenfreunden entbrannt. Nach den „Neuesten Nachrichten" haben die Antisemiten es sich zum Grundsätze gemacht: „Der Jude Maison, sei er so rüchtig und integer als er wolle, muß aus der Kammer hinaus." Wien. Der Justizminister ernannte den Gerichtsadjunkten Dr. Heinrich Katz in Linz zum Rathssekretär beim Landesgericht in Linz; den Gerichtsadjuncten Dr. Mich. Spitz köpf in Wiener-Neustadt zum Rathssekretär beim Kriegsgericht Wiener-Neustadt. Wien, 12. April. Wie heute verlautbar wird, hat Herr Baron Albert Rothschild aus dem Nachlasse seiner verstorbenen Gattin Bettina Freiin v. Rothschild einer Reihe von Wohlthätigkeits-Jnstituten einen Gesammtbetrag von 100,000 fl. zukommen lassen. Von dieser Summe sind 00,000 fl. für Institute allgemeinen Charakters und 00,000 fl. für isr. Anstalten gewidmet worden. Zumeist wird die Spende an sosche Institute zur Vertheilnng gelangen, bei welchen die verstorbene Baronin Bettina Rothschild als Vorstandsdame wirkte oder denen sie als beitragendes Mitglied angehört hat. In erster Linie wurden die Spitäler der Residenz berücksichtigt, und sowohl das Rudolphinerhaus in Döbling als auch die Poliklinik sind mit größeren Summen bedacht worden. Rom. Der König und die Königin von Italien haben an die Familie des Senators I. P. Maurogonato Beileidschreiben gerichtet. Ebenso haben die Minister, die höchsten Behörden in Venedig, Senatoren und Deputirte condolirt. Feuilleton. Der Hünjlting des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (39. Fortsetzung.) In diesem Augenblick fühlte Michail die vollständige Unmöglichkeit, ans den dichten Maschen des schlau angelegten Netzes zu entkommen, er war sich vollständig bewußt, daß Alles vorbei, daß Alles verloren sei, wenn nicht Gott ein Wunder zur Errettung der Unschuldigen thue. Vollständig gebrochen, ohne auch nur ein Wort zu seiner Verteidigung anzuführen, ertrug

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