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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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689 fern wurden sämmtliche Fensterscheiben zerschlagen. Erst der Gendarmerie gelang es, die Ordnung wiederherzustellen. Italien. Rom, 3. Mai- In vatikanischen Kreisen, so wird der „Neuen Fr. Pr." telegraphirt, erzählt man, daß ein Kirchenfürst aus Oesterreich-Ungarn, der kürzlich hier weilte, in einer Audienz beim Papste den Wunsch aussprach, daß an höchster kirchlicher Stelle ein Machtwort gegen die Antisemiten gesprochen werde, da das Treiben derselben nicht nur die christliche Moral in ihren Grundsätzen erschüttere, sondern auch das Volk einer furchtbaren seelischen Verrohung preisgebe. Der Papst fand diesen Wunsch an sich begreiflich; es sei oft versucht worden, dem Rassenhaß eine Art kirchlicher Weihe zu geben; der heilige Stuhl habe ein solches Ansinnen stets abgelehnt und niemals verhehlt, daß die wüste Bewegung auf seine Sympathien nicht rechnen dürfe; gleichwohl hieße es, derselben zu viel Ehre erweisen, wenn sie ihrer Gemetngefährlichkeit wegen vom Papste verdammt würde; soweit seien die Dinge noch nicht gediehen, hingegen sei es an den Bischöfen, das Umsichgreifen dieser sozialen Pest mit allen Mitteln zu verhindern und insbesondere zu sehen, daß die Seminarien vor ihr behütet werden, damit diese nicht der Tummelplatz roher Leidenschaften werden; die Priester sollten nie vergessen, daß alle Menschen Geschöpfe Gottes seien und daß ein gehässiges Wort von ihren Lippen dreifach strenge Sühne erfordere. Diese Antwort soll den erwähnten Kirchenfürsten nicht ganz befriedigt haben. Rußland. Moskau, 2. Mai. lieber einen scheußlichen Mord berichtet der „Standard". Ein Jude, Namens Monosohn, welcher mit Geld und Werthpapieren imMetrage von etwa 8000 Mark sein Haus verlassen hatte, kehrte dahin nicht zurück und als man nachforschte, stellte sich heraus, daß der Mann zuletzt im Laden eines Lederhändlers, den Monosohn^zu^besuchen pflegte, gesehen worden war. Die Polizei veranstaltete darauf bei dem Lederhändler eine ^Haussuchung und da fand man denn auch Gunter ^der Diele die Leiche des ermordeten Juden. EineZlhr und eine Diamantnadel hatte man ihm ^gelassen,'^das Geld war verschwunden. Dasselbe wurde.später bei einem Verwandten des Lederhändlers gefunden, welcher Letztere selbst geflüchtet ist. > Vermischtes. < Berlin, 20. April. Das Eomitö der „Feriencolonien für jüdische Kinder" hat, wie wir seinem Berichte entnehmen, 99 Kinder in Vollcolonien, 96 in Freistellen, 33 in einer Halbcolonie, zusammen 228 Kinder an 2857 Tagen mit einem .Kostenaufwand von 4773 M. 25 Pf. verpflegt. Sehr erfreulich ist die Mittheilung von einem llebereinkommen mit dem großen Berliner Comit« für Ferienkolonien, wonach das „Comitö für die jüdischen Kinder" seine Arbeit in Zukunft als Lokalcomit^ jenes großen Comitös ausführen wird. Laupheinr. Die schon vor einigen Wochen — allerdings etwas verfrüht — von Ihnen gemeldete Ernennung des Herrn Rabbiner Kahn von hier als Bezirksrabbiner nach Heilbronn ist am 2. Tag Peßach eingetroffen und hat in der hiesigen Gemeinde, welcher derselbe nun schon über 16 Jahre vorsteht, insofern das größte Bedauern hervorgerufen, als sie in Herrn Kahn nicht nur den Mann der trefflichsten Worte, sondern auch der besten Thaten verliert. Labes, (Pommern), 10. April. Der Kaufmann L. Leyser ist von dem hiesigen Kriegerverein bei seiner kürzlich erfolgten Uebersiedelung von hier nach Charlottenburg zum Ehrenmitglied ernannt worden. Außer dem Genannten wurden von dem betreffenden Kriegerverein während seines zwanzigjährigen Bestehens nur noch der Rittergutsbesitzer v. Borcke und der Sanitäsrath Dr. Porchnow zu Ehrenmitgliedern gewählt. Herr Leyser war der einzige Jude, welcher dem betreffenden Kriegervercin zur Zeit angehört hat. Eisenach. Ein wegen Verleitung zum Meineide zu einem Jahre Zuchthaus verurtheilter Mühlenbesitzer aus Kaltennordheim hatte die Person, welche er zu der falschen Zeugenaussage verleiten wollte, hauptsächlich damit zu überreden gesucht, daß man Juden gegenüber es nicht so genau zu nehmen brauche. Aus Württemberg, 2. Mai. Die Gesammtbevölkerung Württembergs beträgt nach der neuesten Zählung 2,036,522, der Zuwachs seit 1. Dezember 1885 beträgt 41,337 Köpfe (2,07 Procent.) Dem Religionsbekenntnisse nach gibt es 1,406,448 Evangelische (28,822 mehr), 509,594 Katholiken (11,392 mehr), 7451 sonstige Christen (1602 mehr), 12,693 Israeliten (532 weniger.) Die „sonstigen Ehristen" (Sekten) weisen also die stärkste Vermehrung auf (gegen 20 Prozent) die Evangelischen und Katholiken etwa 2 Prozent, während dieJsräeliten sich um 2 Prozent vermindert haben. Ulm, 1. Mai. Gutem Vernehmen nach ist die von der Staatsanwaltschaft beantragte Loruntersuchnng gegen die „Ulmer Schnellpost" nunmehr abgeschlossen und der Redacteur des Antisemitenblattes wegen Verfehlung gegen § 166 des Strafgesetzbuches (wer öffentlich eine der christlichen Kirchen oder eine andere mit Korporationsrechten innerhalb des Bundesgebietes bestehende Religionsgesellschaft beschimpft . . . wird bis zu 3 Jahren bestraft) vor das nächste Schwurgericht verwiesen worden, das im Monat Juni beginnen wird. Karlsruhe (in Baden.) Wieder war es mir, wie schon oft, durch den Besuch meiner Verwandten vergönnt, der öffentlichen Prüfung der Religionsschule der isr. Religionsgesellschaft anwohnen zu können, ein Umstand, der meine Festesfreude stets bedeutend erhöht. Denn die Wahrnehmung, wie bemüht Lehrer und Eltern sind, den Samen echt-jüdischen Schriftthums in der

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