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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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687 beim Verdacht böswilliger Brandstiftungen den Thäter zu ermitteln und hierzu die Hilfe eines bewährten Kriminalbeamten aus Berlin erbäten. Der Vertheidiger erklärte nunmehr, den Beweis der Wahrheit antreten und hierzu eine Menge Anträge stellen zu müssen. Zunächst beantrage er, einen Theil der Belastungszeugen, welche im Falle Buschoff aufgetreten seien, hier in Berlin zu vernehinen. Es würde sich dann Herausstellen, daß außerordentlich schweres Belastungsmaterial gegen Buschoff zusammengetragen, aber nicht genügend gewürdigt worden sei. Der Präsident erwiederte, daß man doch unmöglich dem Gerichtshöfe zumuthen könne, hier gewissermaßen den Fall Buschoff aufzuklären. Als der Vertheidiger noch weitere Anträge stellte, uud auch hervorhob, daß die Anklage gegen Buschoff im Juni wiederum zur Verhandlung gelangen würde, beschloß der Gerichtshof die Sache zu vertagen, das Ergebniß der Verhandlung gegen Buschoff abzuwarten und sich eventuell die Akten senden zu lassen. Windecken, 4. Mai. Das heute Vormittag 1t Uhr verkündete Urtheil des hiesigen Schöffengerichts in der Anklage gegen Emmel und Genossen wegen Ruhestörung, Hausfriedensbruch, Bedrohung, Beleidigung und groben Unfugs gelegentlich der Antisemktenversammlung am 8. März l. I. lautet gegen Volbrecht wegen Bedrohung auf 14 Tage Gefängniß. Die übrigen elf Angeklagten wurden frei gesprochen. Breslau. Die vierzehnte ordentliche General- Versammlung der ordentlichen und der Ehrenmitglieder der Unterftützungskasse des Vereins der isr. Lehrer in Schlesien und Posen findet Montag den 6. Juni 1892, Vormittags 10 Uhr dahier im Hotel zum weißen Storch (Wallstraße 13) statt. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Rechnungslegung der Kassenverwaltung. 3. Neuwahl des Vorstandes. — Die vierzehnte ordentliche Generalversammlung des Verein israel. Lehrer in Schlesien und Posen findet am Sonntag den 5. Juni und Montag den 6. Juni 1892 dahier im kleinen Saale der neuen Börse (Graupenstraße 11) statt. 1. Versammlung: Sonntag, den 5. Juni, Abends 7^2 Uhr. Tagesordnung: 1. Berichterstattung. 2. Rechnungslegung der Kassenverwaltung. 3. Neuwahl des Vorstandes und der Vertrauensmänner. 4. Diskussion über: Die Nothwendigkeit jüd. Fortbildungsschulen. (Herr Elbogen-Schildberg, der das Referat übernommen hatte, ist unerwartet verschieden; die Mitglieder werden deßhalb ersucht, selbst Referate bei der Versammlung anzumelden.) 2. Versammlung: Montag, den 6. Juni, Vormittags 11 Uhr. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Tintner-Vunzlau: Ein Blick in das Erziehungswesen der älteren Kulturvölker. 2. Vortrag des Herrn Dr. L. Neustadt-Breslau: Ueber Jugendgottesdtenst. Den Theilnehmern an der General-Versammlung steht von Seiten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes auch in diesem Jahre ein Zuschuß zu den Reisekosten in Aussicht. Auch diejenigen Kollegen uud Kolleginnen, welche dem Verein nicht angehören, sowie die verehrt. Gemeinde- und Schulvorstände sind zur Theilnahme an der General-Versammlung freundlichst eingeladen. Leipzig, 6. Mai. Die hier erscheinende „Christliche Welt" bringt in ihrer Nummer vom 28. April einen Aufsatz unter dem Titel: „Unsre Judenmisfionspflicht", der folgende bemerkenswerthe Sätze enthält: „Die antisemitische Bewegung, die seit dreizehn Jahren in allen Ländern zu beobachten ist, wo Juden in größerer Anzahl wohnen, ist — auf die Mehrzahl ihrer Leiter und Träger gesehen — dem der Kirche obliegenden Werke der Eoangelisirung Israels nicht günstig. Wenn auch die Aufforderung des Herausgebers der Deutsch-sozialen Blätter, die Juden lieber zu ersäufen als zu taufen, als ein Witzwort gemeint war, über das wir hier kein Urtheil fällen wollen, so kennzeichnet es doch die Stimmung vieler antisemitischen Kreise, die den Juden gegenüber bloße Repressivmaßregeln als die einzig wirksame Waffe betrachten. Es versteht sich von selbst, daß die evangelische Christenheit Deutschlands diesen Standpunkt zu dem ihren nicht machen kann. Es gäbe ja keine deutlichere Bankerotterklärung des Christenthums, als wenn wir es auf diese Weise offen aussprechen wollten, daß wir außer Stande sind, durch den Einfluß des Evangeliums, das wir durch Wort und Werk zu verkünden haben, auf die in unserer Mitte lebende verhältnißmäßig kleine Zahl von Juden noch einen positiven fördernden Einfluß auszuüben. Die von vielen Seilen geforderte Selbstabsperrung gegen die Juden ist ein Zeichen der Schwäche, die denen schlecht ansteht, die überzeugt sind, in ihrem Glauben eine weltüberwindende Macht zu besitzen." „Wer freilich, wie antisemitische Wortführer, das Christenthum selbst nur als semitischen Sauerteig ansieht, der sobald als möglich aus dem deutschen Vaterlande ausgesetzt werden muß, wenn das germanische Wesen in seiner ursprünglichen Reinheit wieder hergestellt werden soll, der mag ja Recht haben, wenn er in der Anwendung von Gewalt im Interesse des Selbstschutzes die einzige Rettung sieht." Es wird dann in längerer Auseinandersetzung darüber Klage geführt, daß das Werk dieser Mission mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte,

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