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Der Israelit · 1892-05-05 · Heft 36 (5.5.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 36 (5.5.1892)
Date
1892-05-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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675 und nur unter Mithilfe größerer Kreise möglich sein dürfte, ist selbstverständlich. Die unterfertigte Verwaltung hat daher den Beschluß gefaßt, in diesem Betreffe an größere israelitische Gemeinden und Korporationen sich zu wenden mit der Bitte: Es wolle zur Gründung und Erhaltung eines isr. Kurhospizes dahier ein jährlicher Beitrag in Aussicht gestellt werden. Sobald wir das Unternehmen durch entsprechende Betheiligung von Seiten der Gemeinden 2C. gesichert sehen, werden wir mit der Realisirung desselben beginnen und öffentlich darüber berichten. Der wohlthätige Zweck, dem unser Aufruf gilt, spricht für sich, jede weitere Empfehlung desselben überflüssig machend, so daß wir wohlwollender Betheiligung und gefälliger Mittheilung darüber bald entgegensehen zu dürfen glauben. Wir erlauben uns schließlich noch unseren Rechenschaftsbericht pro 189 l anruhend mitzutheilen. Es wurden für Medikamente, Drucksachen re. 218 M. 63 Pfg., auf den Vereinszweck 1302 M., auf Mehrung des Fonds 402 M. 80 Pfg. zusammen 1923 M. 43 Pfg. verausgabt. Die Einnahmen betrugen 1984 M. 24 Pfg. Die Verwaltungs Kommission der israel. Bade-Armenkasse: Distrikts - Rabbiner M. L. B a m b e r g e r, als Vorsitzender Hofantiquar Simon Rosenau. Kaufmann M. Gold st ein. Dr. Julius Rosenthal, prakt. Arzt und Badearzt. (Wir schließen uns der Bitte der verehrlichen Verwaltung mit ganzem Herzen an. Red. des Isr.) Hamburg, 4. Mai. Bezüglich des Herald- Juterwiews Stöckers schreiben die „Hamb. Nachr." die angebliche Aeußerung Stöckers über das Verhalten des Fürsten Bismarck zu der Antiscmitenbewegung beruhe auf einem unbegreiflichen Jrrthum. Die Agitation Stöckers und seiner Partei sei durch Bismarck niemals gehindert worden, vielmehr habe derselbe ihre Wahlerfolge stets mit Freuden gesehen Die „Nachrichten" erklären dies für natürlich, da die Stöcker-Partei den Sozialisten feindlich gegenübergetreten sei. Wir fragen aber, wie verträgt sich dies mit der von Bismarck, Herrn Berend gegenüber s. Z. gethanen Aeußerung, daß er den Antisemitismus durchaus mißbillige?! Rußland. Petersburg, 4. Mai. Der Vorschlag des Barons Hirsch über die Judenemigration fand, wie verlautet, in der gestrigen Sitzung des Ministercomitös prinzipielle Zustimmung. Die definitive Entscheidung wurde wegen der nothwendtgen redaktionellen Abänderungen des Projektes verschoben. England. W. 8. Portsea. Bei Gelegenheit der jüngst erfolgten Ernennung des katholischen Bischofs von Salford bei Manchester in England, Dr. V an ghan, zum Erzbischof von Westminfter (London), richtete Herr Dr. B. S a l o m o n, Prediger der jüdischen Gemeinde in Manchester, in seinem so wie im Namen der letzteren, ein Beglückwünschungsschretben an diesen, von Humanität und Toleranz beseelten hohen Kirchenfürsten, welcher dasselbe ungefähr folgendermaßen beantwortete: „Ich habe Ihre herzlichen Glückwünsche mit vielem Vergnügen erhalten. Während ich vollends anerkenne die tiefen Unterschiede und weiten Grenzen, die die jüdische Religion von der katholischen trennen, so können wir Katholiken dennoch nur mit Interesse und Hochachtung auf die Bekenner der alten Religion blicken, die die katholische Kirche als Vorläufer ihrer eigenen anerkennt. — Als das Papstthum auf dem Gipfel seiner politischen Macht in Europa stand, verthetdigte Papst Jnnocent III. angesichts der ganzen Christenheit das Recht des jüdischen Volkes auf christlichen Schutz und erinnerte alle Katholiken an ihre Pflicht, Sie als die „lebendigen Zeugen" ihres eigenen Glaubens zu achten und zu schätzen. Es war derselbe Papst, welcher zu einer der trübsten Zeiten in Ihren Annalen das Beispiel seiner Vorgänger: Calixtus, Eugenius, Alexander, Clement und Cölestin anführen konnte, als er erklärte, daß er das jüdische Volk unter dem Schilde seines Schutzes nehmend allen Mitgliedern der Kirche streng einschärfte, ihre Personen nicht zu belästigen, ihre Güter nicht zu confisziren, gegen sie keinen Zwang in Sachen der Religion auszuüben, und ihre Freiheit in der Ausübung ihres Glaubens und der Feier ihrer Gebräuche in keiner Weise zu verletzen. Die Bullen des Privilegiums und des Schutzes ergingen ebenfalls von Papst Honorius III. im dreizehnten, und von Pius IV. und Sixtus V. im 16. Jahrhundert; sie bezeugen, daß diese Haltung des Papstthums nicht ein bloßer Akt von zufälliger oder in momentaner Aufwallung begriffener Menschenfreundlichkeit (Philantropy) war, sondern eine fortgesetzte praktische und traditionelle Politik, die ihre Hauptquelle in den unveränderlichen Grundsätzen christlicher Gerechtigkeit habe, wovon der päpstliche Stuhl der oberste Hüter und Dolmetscher für uns ist. Ich habe diese Thatsachen erwähnt, damit meine Worte Ihnen eine Gewährleistung geben, die höher steht, als die von einem individuellen Gefühle oder von meiner eigenen Meinung eingegebene, woraus wir ersehen mögen, wie fest und dauernd die Grundlagen sind, auf denen jene Beziehungen ruhen, die stets die Handlungsweise der katholischen Kirche gegen das jüdische Volk letten und bestimmen müssen. Empfangen Sie für sich und Ihre Gemeinde

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