Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 36 (5.5.1892)
- Date
- 1892-05-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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676 meinen herzlichen Dank für die an mich gerichteten Worte. St. BedS's College, Manchester, 25. April 1892. (Gez.) Herbert, erwählter Erzbischof von Westminster". „Jewish Chronicle" bemerkt dazu: „Es wäre sehnlichst zu wünschen, daß die andere katholische Kirche — die griechische oder russische Küche — diese merkwürige Manifestation lesen, merken und innerlich verdauen möchte! Es ist klar, daß der neuerwählte Bischof die ihm bei seinem hochwürdigen Vorgänger, Cardinal Mann in g hinterlassenen Traditionen treulich und pünktlich ausüben wird. — Das Gedächtniß an den letzteren wird stets liebevoll und dankbar bewahrt werden von jenem Volke, dessen Ruf nach Gerechtigkeit er so treu und unverdrossen unterstützte." Welch eine Lehre für die Antisemiten! Ich erlaube mir ferner zu berichten, daß der Herr Oberrabbiner Dr. H. Adler ein neues Buch für den hebräischen und religiösen Unterricht in den jüdischen Schulen des britischen Reiches herausgegeben und an die Gemeinden versendet hat. Dasselbe legt einen besondereu Ton auf das ethische Element des Judenthums. Es umfaßt sieben stufenweise aufsteigende Abtheilungen und legt Zeugniß von den großen pädagogischen und praktischen Schulerfahrungen des Verfassers ab. Afrika. Tunis. Ein Dekret des Herrschers unseres kleinen Landes, Bey Ali Bey, ernannte, wie Sie bereits berichteten, die zwei hiesigen Rabbiner, David Uzan und David Haim Guez zu Beisitzern unseres Beth-Dins. Ersterer entstammt einer berühmten, aus Fez (Marokko) hier eingewanderten Gelehrtenfamilie, die unserer Gemeinde schon viele Rabbiner und auch Lehrer gegeben hat, während dessen College einer schon seit mehreren Jahrhunderten in Tunis ansässigen Familie — dieselbe soll direkt aus Spanien nach der Vertreibung der Juden von dort 1493 hierher gekommen sein — angehört. Damals, als nämlich die Austreibung der Juden aus Spanien (tisd pnu) stattfand, war Tunis noch ein selbstständiger mohamedanischer Staat, dessen Fürsten zwar noch die Piraterie betrieben, die aber nichtsdestoweniger die Thore ihres Landes den von den Spaniern vertriebenen Juden gastfreundlich öffneten. Eine jüdisch-arabische Gemeinde hat übrigens schon früher in Tunis bestanden, mit der sich nun die Reueingewanderten, die zum größten Theil die Kenntniß der arabischen Sprache aus Spanien mit hierherbrachten, leicht verschmolzen. Heute ist Tunis die größte jüdische Gemeinde Nordafrikas, die nicht nur durch ihren Handel, sondern auch durch ihre Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmt ist. > vermischtes. < Aus Corbach wird uns geschrieben, daß es in der 26 Mitglieder zählenden Gemeinde am Sabbat oft an fehlt. Obgleich die Mittel zum Neubau einer Synagoge zur Hälfte beisammen sind und die Gemeinde meist aus wohlhabenden Mitgliedern besteht, werden keine Veranstaltüngen getroffen, den Bau auszuführen; das bisherige Betlokal entspreche nicht seinem Zwecke. Aus Pose«. Kürzlich starb in Breslau im 53. Lebensjahre Herr Ellbogen der lange Jahre als miD ’JD in Schildberg segensreich gewirkt hat. — Derselbe, ein Schwager des jüngst verstorbenen Prof. Levy, verließ erst vor fünf Wochen seinen früheren Wirkungskreis Schildberg, um einen ehrenhaften Posten in Breslau zu übernehmen. Kaum dort angelangt aber, überfiel ihn eine heftige Krankheit, der er nach Gottes unerforschl. Rathschluß bald erlegen ist. An seiner Bahre sprach Herr Rabb. Dr. Rosenthal tief gefühlte Worte des Schmerzes über den Verlust, den die Familie des Verblichenen sowohl, als aus das Judenthum durch den Hintritt dieses frommen aun ‘TD'pn erlitten hat. — Möge der Hinterbliebenen Wittwe und ihren Kindern ein Tröster und Helfer im Unglücke sein. S. Wien. Der Vorstand der Wiener öffentlichen israelititischen Vereius-Volks-Schule „Talmud-Thora" konnte, wie der Jahresbericht constatirt, im vorigen Jahre endlich an die theilweise Verwirklichung eines lang angestrebten Zieles, nämlich die materielle Lage der Lehrer zu verbessern, schreiten. Die Möglichkeit hiezu wurde dadurch geboten, daß der Vorstand der israel. Cultusgemeinde in munificenter Weise die Subvention von 1300 auf 2000 fl. erhöhte. Der Rechnungsabschluß für bas abgelaufene Jahr weist wiederum einen Ueberschuß von 874 fl. aus. Von außerordentlichen Einnahmen ist noch hervorzuheben das Legat des seligen Herrn Anton Schey mit 5000 fl. Das Erscheinen eines in dem politisch bewegten Leben der ganzen Gegenwart überaus zeitgemäßen Buches wird von der bekannten Verlagshandlung Levy u. Müller in Stuttgart angekündigt. Es ist dies ein „Politisches Konversations-Lexikon". Ein Hand- und Nachschlagebuch für jeden Zeitungsleser, Politiker, Beamten, Journalisten, Kaufmann und Gewerbetreibenden, zur Kenntniß der allgemeinen Staatslehre und des Staatslebens aller Länder, mit besonderer Berücksichtigung von Handel und Börse, Justiz-, Kirchen-, Heer-, Ordens- und Münzwesen von Dr. H. Norman n. In der Thal ein wirklich zeitgemäßes Werk, das nicht allein dem Politiker von Beruf, sondern auch den Zeitungslesern aller Stände willkommen sein muß, weil es eine rasche Orientirung und Beurtheilung der Zeitereignisse ermöglicht. Da der Verfafier zudem sich fernhält von jeder Stellungnahme zu irgend einer politischen Partei, so zweifeln wir nicht daran, daß dieses wirklich empfehlenswerthe Buch sich rasch in den weitesten Kreisen einbürgern und überall Käufer finden wird, umsomehr, als es bei einem Umfange von über 340 Seiten in eleg. Leinwandband gebunden nur Mk. 2— kosten soll. Neu eingegangene Bücher. Gesammelte Schriften von Ludwig Philippson. Herausgegeben von Dr. M. Philippson. Lieferung 13 bis 16.) Breslau, Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlags-Anstalt, vorm. S. Schot tla end er.)