Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-05-05 · Heft 36 (5.5.1892) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 36 (5.5.1892)
Date
1892-05-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448253--34109-2482032
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

674 Christen gesagt; seht, wie sie einander lieb haben, kann man jetzt mit größerem Rechte von den Juden als von den Christen in der Gegenwart sagen, und diesen Vorwurf sollten wir Christen uns nicht länger gefallen lassen. Wenn ich nun zu all dem bereits Gesagten noch beifüge, daß einzelne Bischöfe der Kirche, denen Gelegenheit gegeben war, über den Antisemitismus sich auszusprechen, sich gegen denselben ausgesprochen haben; wenn ich beifüge, daß insbesondere die österreichischen Bischöfe vor dem Zusammengehen mit den Antisemiten gewarnt haben, dann werde ich wohl damit schließen dürfen, daß ich die oben gestellte Frage noch einmal wiederhole und zugleich auf dieselbe auch die richtige Antwort beifüge: „Kann ein katholischer Priester, überhaupt ein gläubiger Katholik Antisemit sein?" „Nein!" Wir haben diesen beredten, trefflichen Worten nur den innigen Wunsch hinzuzufügen, daß sie bet allen denen volle Beherzigung finden möge, an deren Adresse sie gerichtet sind. Den Dank aber, den, wie der Verfasser rühmend hervorhebt, wir Juden allezeit unseren Beschützern und Vertheidigern bewahrt und bewährt haben, schulden wir in hohem Grade Herrn Dr. Fri edri ch Frank, der mit den Waffen des Rechts und der Wahrheit in so wackerer Weise unser Recht in dieser ernsten Zeit vertritt. Zeitrrugsrrachrichtert und Correspondenzeu. Deutschland. Usch, (Prov. Posen), l. Mai. Die Königliche Regierung wird unfern bisherigen Lehrer Herrn Simon vom l. Juli d. I. an, seines leidenden Zustandes wegen mit Pension in den Ruhestand setzen. Derselbe wirkte seit beinahe 13 Jahren hier als öffentlicher Elementar- und Reltgionslehrer zur größten Zufriedenheit und wird sein Scheiden von der ganzen Gemeinde und Stadt tief empfunden. Viele Jahre verwaltete Herr Simon sein Amt als Lehrer, Cantor und Prediger in Illingen, Regbz. Trier und wird sein damaliges Wirken heute noch gebührend erkannt. Der Scheidende genießt den Ruf eines tüchtigen Kanzelredners und wirkte derselbe von den Jahren 1884—1889 an den hohen Herbstfesttagen in Berlin bei einer Gemeinde als Festredner mit großem Erfolge. Die hiesige Gemeinde, einst eine zahlreiche und wohlhabende, im Besitze eines schönen Gottes- und Schulhauses, zählt von den 12 Familien nur noch 6 zahlungsfähige Gemeindeglieder und bleiben nur noch 7 schulpflichtige Kinder zu unterrichten. Der Fortbestand der Gemeinde ist nur noch eine Frage der Zeit. Hr. Simon wird seinen künftigen Aufenthalt in Posen nehmen. Möge demselben noch ein langer sorgenfreier Lebensabend beschieden sein. Rastatt, 2. Mai. Aus Anlaß des 40jährigen Regierungsjubiläums Sr. König!. Hoh. des Großherzogs Friedrich von Baden fand am Samstag den 30. April in der hiesigen festlich geschmückten Synagoge ein Fest-Gottesdienst statt. Nach dem ceremoniellen Eingänge hielt Hr. Kantor E. Mayersohn eine ergreifende Festrede, in welcher er die Bedeutung der Feier in begeisternden Worten zu würdigen verstand und besonders die tolerante Gesinnung unseres Landesfursten hervorhob, dessen Herzen die Unterthanen jeder Konfession gleich nahe stehen. Vom Synagogenrath wurde folgendes Telegramm abgesandt: Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog Friedrich von Baden! In tiefster Ehrfurcht bringt unterthänigst die israelitische Gemeinde ihrem vielgeliebten und allergnädigsten Landesherrn anläßlich höchstdeffen Regierungs'Jubiläum die innigsten Glückwünsche dar. Der Synagogenrath: Simon Altschul. Nachstehendes Telegramm ging hierauf dem Vorsteher Simon Altschul von dem Geh. Kabinet zu: Hrn. Simon Altschnl in Rastatt! Se. Königl. Hoheit der Großherzog läßt für die Glückwünsche des Synagogenraths freundlichst danken. Im höchsten Auftrag: S t e r n b e r g. Bad Kissingen, im Mai. Die Verwaltung der isr. Bade-Armen-Kasse dahier versendet eben an bie großen isr. Gemeinden das nachfolgende Circular. Dasselbe lautet: Die unterfertigte Verwaltung erlaubt sich ganz ergebenst die nachfolgende Vorstellung und Bitte: Seit einer Reihe von Jahren besteht am hiesigen Platze ein Fond — circa 6000 bis 7000 Mark — aus dessen Zinsen alljährlich armen Israeliten, welchen der Kurgcbrauch dahier verordnet ist, Unterstützung gewährt wird. Wenn nun auch außerdem von den verehrl. israelitischen Badegästen Beiträge für diesen Zweck bewilligt und von uns nach Maßgabe bestehender Statuten mitverwallet werden, so stehen dennoch die verfügbaren Mitteln in keinem Verhältnisse zu den diesbezüglichen Ansprüchen. Abgesehen hiervon ist die Art und Weise der zu gewährenden Unterstützung höchst mangelhaft, indem die Unterstützten oft nur mit Mühe geeignete Wohnung 2c. erlangen können. Vielfach wurde daher schon die Absicht gehegt, am hiesigen Platze - wie an anderen vielbesuchten Badeplätzen — ein israelitisches Kurhospiz zu errichten. Daß die Beschaffung eines solchen, wenn auch nur gering begonnen, bedeutende Mittel erfordert

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.