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Der Israelit · 1892-05-05 · Heft 36 (5.5.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 36 (5.5.1892)
Date
1892-05-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX11I. Jahrgang. Erste Lkilage M M 36 des „Israelis. . Leitender Artikel. Das Centrum und die Iudenhetze. (Schluß.) Doch selbst den Fall angenommen, fährt Herr Pfarrer und Landtags - Abgeordneter Dr. Friedrich Frank in seiner Broschüre fort, daß die Antisemiten ihr Ziel erreichen, und daß den Juden in Deutschland das Bürgerrecht wieder genommen wird, haben sie damit auch die verderbliche Thätigkeit der beschnittenen Schwindler und Betrüger unmöglich gemacht? Keineswegs; nach den Erfahrungen. die uns aus den früheren Jahrhunderten zu Gebote stehen, können die Wucherer auch ohne Bürgerrecht ihr schändliches Gewerbe flott betreiben. An den Dummen, die sich von ihnen bewuchern lassen, wird es niemals fehlen. Giebt es doch, leider Gottes, noch Bauern genug, die lieber heimlich zu einem beschnittenen oder unbeschnittenen Wucherer gehen, als daß sie einem Darlehenskassenverein als Mitglieder beitreten und sich von diesem ein Darlehen geben lassen. Man wird also, wenn man den letzten Zweck der Antisemiten erreichen will, die Juden aus Deutschland vertreiben müssen, und was wird die Folge ihrer Vertreibung sein? Sie werden wieder zu uns zurückkehren, wie die Erfahrungen der Vergangenheit ebenfalls beweisen. Die Juden sind aus England vertrieben worden, und sind wieder dahin zurückgekehrt; die Juden sind aus Frankreich, Spanien, Portugal, aus dem Königreich Neapel vertrieben worden, und sind wieder dorthin zurückgekehrt; sie sind aus Frankfurt a. M., Worms, Wien und anderen Städten vertrieben worden, und sind wieder dorthin zurückgekehrt; sie sind in früheren Zeiten auch aus Rußland schon vertrieben worden, wie sie gegenwärtig wieder aus Rußland ausgewiesen sind; und wie sie früher nach Rußland wieder zurückgekehrt sind, werden sie auch nach dieser Ausweisung wieder nach Rußland zurückkehren, ja, man hört bereits jetzt schon, wo sie eigentlich schon unterwegs sind, wieder Stimmen, welche ihre Zurückberufung wünschen. Nach einem Kiewer Berichte des „Czas" beschlossen die christlichen Fabrikanten des Moskauer Bezirkes an die Regierung eine Eingabe, welche die Nothwendigkeit betont, im Centrum des Handels und der Gewerbe den Juden als den unentbehrlichen Vermittlern des dortigen Handels mit den westlichen Gouvernements den ferneren Aufenthalt zu gestatten. Es kann ja dies auch nicht anders sein, so lange Gottes Wort nicht aufgehoben wird, daß die Juden unter allen Völkern zerstreut sein müssen. Aber könnten denn die Juden nicht nach Palästina zurückkehren und ihren alten jüdischen Staat wieder aufrichten? So haben schon viele Antisemiten gemeint, und auch andere Leure haben das gewünscht. Auch Professor Dr. Rohling meint: „Es würde sich für Juden der Mühe lohnen, was Julian der Apostat versuchte, noch einmal zu versuchen. Juda hat Macht, hat Geld, es regiert die Fürsten; auf also, bauet den Tempel und wenn das Werk gelingt, so ist die Weissagung des Nazareners ausgehoben, seine Gottheit eitler Wahn, und wir alle wollen Juden werden." Doch Dr. Rohling weiß ebensogut oder noch besser als wir, daß die Juden durch den Talmud gehindert sind, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Wir haben ja schon gehört, wie der Talmud sagt, daß Israel geduldig ausharren soll, bis Gott selbst es wieder zurückrufen wird. Bei dieser Gelegenheit hat sich auch wieder einmal der Zusammenhalt der Juden, den die Antisemiten ihnen zum Vorwurf machen, aber freilich in einer ganz lobenswerthen Weise kundgegeben. Die reichen Juden haben Millionen zur Unterstützung ihrer armen Glaubenbrüder willig zum Opfer gebracht, und uns Katholiken dadurch zum Nachdenken aufgefordert. Wie oft schon hat man auch Schauerberichte von Verfolgungen, Mißhandlungen, Abschlachtungen von Katholiken in Rußland gelesen! Wie oft sind Schmerzenschreie von Priestern und katholischen Familienvätern aus Sibirien gedrungen, und wie erfreulich wäre es gewesen und wie ehrenvoll für uns Katholiken, wenn auch bei uns wohlhabende Leute sich an die Spitze gestellt und Vereine ins Leben gerufen hätten, um die armen, verfolgten, verbannten, in größtem Elend schmachtenden Glaubensbrüder zu trösten, ihre schwere Lage ihnen zu erleichtern! Zwar hat der heilige Vater von Zeit zu Zeit seine Stimme für sie erhoben, aber die katholischen Fürsten haben geschwiegen, die Reichen waren still, nur einzelne Herausgeber katholischer Zeitschriften haben einige hundert Mark für unsere in Rußland mißhandelten Glaubensbrüder gesammelt, und damit war es aus und die Sache wieder von der Tagesordnung abgesetzt. „O gewiß! Wir Christen sollten den Juden die Bruderliebe nicht zum Vorwurf machen, sondern uns alle Mühe geben, gerade in der Bruderliebe die Juden noch zu übertreffen! Seht, wie sie einander lieb haben! So hat man einst von den ersten

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