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Der Israelit · 1892-05-05 · Heft 36 (5.5.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 36 (5.5.1892)
Date
1892-05-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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670 rakteristischen Vorfälle mögen davon Zengniß geben: In Mariafeld, einem Dorfe im „Wolost“ Koiro (taurisches Gouvernement) wohnte seit langem ein jüdischer Schneider und Krämer, Elias Berigot, welcher einen Neffen, Hyam Berigot, dessen Eltern gleichfalls vor langer Zeit in dem Dorfe gewohnt, in seine Familie ausgenommen hatte. Hyam verlieb nun s. Z. Mariafeld, um seine fünf Jahre Militär- Dienst zu machen, welchen Umstand die Behörde dazu benützte, sein Niederlassungsrecht in Mariafeld, wegen mehrjähriger Unterbrechung als dahingefallen zu erklären. Als Hyam unmittelbar nach Beendigung seiner Dienstpflicht dorthin zurückkehrte, wurde ihm bedeutet, daß er als nicht Ansässiger sich anderswo niederlassen müsse. Hyam Berigot ließ sich in dem benachbarten Kochowka nieder, wo er seinen Unterhalt durch den Verkauf von Maaren bestritt, die ihm sein Onkel lieferte. Gelegentlich wagte er es seinem Onkel in Mariafeld einen flüchtigen Besuch abzustatten; allein der Polizei-Inspektor des Orts war ihm bald auf den Fersen unv befahl ihm, das Dorf unverzüglich zu verlassen. Als Hyam sich trotzdem nach der Wohnung seines Onkels begeben wollte, packte ihn der Inspektor und schlug mit seinem Knüppel auf ihn ein, bis er blutete, worauf er ihn fortjagte. Hyam Berigot erhob Klage vor Gericht, aber der Inspektor wurde freigesprochen, und zwar weil die Polizei Befehl habe, alle Juden, die das Gesetz übertreten, körperlich zu züchtigen, um sie davon abzuschrecken, die Dörfer von neuem zu besiedeln. — Im gleichen Monat trug sich im Dorfe Lepatutscha (ebenfalls im taurischen Gouvernement) folgende Begebenheit zu: Gegen den Juden Linowitz war ein Auslassnngs-Befehl erlassen. Als der Prtstaw in das Haus Linowitzs kam, traf er den Besitzer nicht an; allein der Inspektor vertrieb „pflichtschuldigst" Linowitzs Frau und seine Kinder, schloß die Thüre ab und steckte den Schlüssel zu sich. Der Uriaduik (Dorspolizist) hatte vordem von Linowitz 100 Rubel erhalten und sein Unterbeamter, der Priftaw, sich durch eine Summe von gleichem Betrag bestechen lassen, so daß Linowitz lange unbehelligt in Lepatutscha gewohnt hatte. Als aber ein neuer Priftaw eingesetzt wurde, waren Linowitz' Mittel erschöpft und er daher außer Stande, sich den Aufenthalt von neuem zu erkaufen. Linowitz wandte sich nun an den Districts-Gouverneur, um von demselben eine Aufenthaltsbewilligung zu erbitten. Zu derselben Stunde trug sich aber der erzählte Vorfall zu und so blieb Linowitz nichts übrig, als mit Weib und Kind auSzuwandern. — Dob Glückmann, ein Bewohner des Dorfes Zawadowka in Laurien starb vor ungefähr drei Jahren. Er hinterließ eine Wittwe Schosche mit acht kleinen Kindern, von denen das älteste ein Knabe von 12 Jahren war. Dob Glückmann war in Schawel (im Gouvernement Kowno) heimathberechtigt gewesen, und sein Bruder war nach Amerika ausgewandert, als ersterer noch ein Knabe war. Als Glückmann von Schawel nach Zawadowka gezogen war, dachte er nicht daran, daß sein in Amerika lebender Bruder noch in der Stammrolle eingetragen und somit militärdienstpflichtig war. Als nun dieser Bruder aufgefordert wurde, sich zur Stellung einzufinden nnd nicht erschien, verurtheilte man seine Familie zu einer Geldstrafe von 300 Rubeln. Die Polizei machte sich unverzüglich daran, die Verwandten des Deserteurs ausfindig zu machen. Nach lan- Suchen entdeckte sie die Wittwe Dob Glückmanns und verlangte nun von ihr die Entrichtung jener Summe. Schosche und ihre acht Kinder waren die letzten drei Jahre durch einige wohlthätige Leute in Zawadowka unterstützt worden, somit anscheinend vor jeder Vergewaltigung geschützt. Die traurige Lage der Wittwe hält aber jetzt die Polizei nicht ab, Versuche anzustellen, um von ihr Geld zu erpressen. Dieselbe verfügt sich von Zeit zu Zeit in die Wohnung der Unglücklichen und greift mangels Bezahlung jeweils das vorhandene Mobiliar auf, das sie allmählich wegschleppt, um so die Schuld des Verstorbenen nach und nach einzutreiben. Feuilleton. Per Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehman«, vr. MI. (38. Fortsetzung.) Michail war hocherfreut, den Vater seines geliebten Freundes wiederzusehen. Herzlich schüttelte er ihm die Hand und lud ihn zum Sitzen ein. Schnell hatten die Beiden ihre Gedanken ausgetauscht und sich' darüber verständigt, daß sie nicht Rache an dem Günstling des Czaren nehmen, sondern nur einzig und allein die Befreiung des Eingekerkerten erlangen wollten. Alexet mußte zu seinem großen Leidwesen berichten, daß die Schritte, die er bisher in Petersburg unternommen, ohne jeden Erfolg gewesen seien, Michail dagegen konnte von manchem geglückten Unternehmen Mittheilung machen und war erfüllt von der sicheren Hoffnung, binnen kurzer Zeit den einst geleisteten Schwur gelöst und die Befreiung seines Freundes und die Vereinigung des liebenden Paares erreicht zu haben. „Ich habe meinen ganzen Plan schriftlich ausgearbeitet und es kann hier gewiß nicht am Gelingen fehlen," sagte Fürst Michail, „doch ehe ich

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