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Der Israelit · 1892-05-05 · Heft 36 (5.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 36 (5.5.1892)
Date
1892-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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669 letzteres er in Folge einer Augenoperation niederlegen mußte. — Eine Reihe von Jahren leitete er die Synagogenchor-Gesänge mit großem Eifer; ja sogar noch am 8. Peßachtage waltete er dieses Amtes, welches nun an diesem Tage seinen Abschluß gefunden, denn am Nachmittage des 8. Peßachfestes sollte eine höhere Hand in ungeahnter Weise die fröhlichste Laune im Familienkreise unterbrechen. Der Dahingeschiedene verstand es durch sein biederes, herzliches Wesen, sein freundschaftliches Entgegenkommen, die Liebe und Verehrung Aller, durch gewissenhafte Pflichterfüllung das unbegrenzte Vertrauen eines Jeden zu erwerben, welcher einmal mit ihm in Berührung kam. Er war wirklich ein tüchtiger, von sprühendem Geist und Humor erfüllter Mann; sein Umgang war köstlich und erquickend. Als Beweis all' dieser Vorzüge gelte der imposante Leichenzug, welchem sich nicht nur sämmtliche israelitische hiesige, sowie auch auswärtige Mitglieder, ja sogar viele christliche Mitbürger, namentlich aus Beamtenkreisen, in welchen der Verblichene äußerst beliebt gewesen, anschlossen. Herr Lehrer Mannheimer hielt in sehr gut gewählten, treffenden Worten die Leichenrede, welche auf alle Anwesenden einen tief ergreifenden Eindruck machte. Die ungezählten Beileidsbeweise, selbst aus weiter Ferne, legen für die vorzüglichen Eigenschaften des theueren Heimgegangenen beredtes Zeugniß ab. O Vater sende Deinen himmlischen Trost als lindernden Balsam in die Herzen seiner Rückgelassenen und mögen die Freuden der Glückseligkeit im Jenseits die Seele des Verblichenen empfangen und bei ihr bleiben für immerdar! Siegfried Stein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Von hochachtbarer Seite wurde dem dahier erscheinenden „Freien Blatt" das nachfolgende, bisher nicht zur Veröffentlichung gelangte Document zur Verfügung gestellt: „Wir von Gottes gnaden und dem Apostolischen Stuhle ernannter Erzbischof von Lemberg, Cajetan Ignatz Kozdura von Kitkikizi, Sr. A. K. K. Majestät wirklicher Rath. Auf die im Namen der hebräischen Gemeinde von Lemberg durch Hirsch Etinger, Gabriel Patzel und Joel Blumenfeld gemachte Anfrage, „ob wirklich die Meynung, daß die Juden zur Zeit ihrer Feyertage, Christenblutes bedürftig wären, gegründet oder ungegründet seye", geben wir hierauf zur Antwort, „daß zwar vormals und zum Theil auch itzt unter dem gemeinen Volke allgemein diese Meynung statt gefunden, daß Wir aber keineswegs einen Grund, in den Kirchen-Entscheidungen, oder jenen der Päpste, zur Bestätigung einer derley Meynung vorfinden. Johann Hoffmann, Sr. k. k. Apost. Majestät Rath und General Viear bey der Metropolite. L. 8. (Erzbischöfl. Siegel von Lemberg.) Aus dem Metrop eoneiet: zu Lemberg d. 6ten May 1801. Johann Ambros, Kanzler. Viäit Kreisamt, und wird bestätigt, daß dieses Zeugniß vom hiesigen Cath. Metropolitan Con~ sistorio wirklich ausgefertigt worden fiye. Lemberg d. 12ten Mai 1801. Joseph Edler v. Lindemann, Kreis Secretair. L. 8. (Kreis-Amts-Siegel von Lemberg. A tergo: Auf Befehl übersetzt durch L. 8. Ernst Freiherrn v. Seiller, attache ä l’Agence imp. roy. a Yassi. K. K. Agenzie K. bestättigt, daß diese Urkunde eine treue oopie des Original Aktenstückes sey." Lemberg. In den Mittelfeiertagen fand hier im Tempel auf Veranlassung und unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. Caro ein militärischer Feldgottesdienst statt, an welchem sämmtliche hier garnisonirenden Israeliten unter Führung ihrer militärischen Vorgesetzten Well nahmen. Mehr als 600 Mann waren in Paradekleidung erschienen und folgten sowohl der Andacht als auch der Herz- und gemütherhebenden Predigt mit ungetheilter Aufmerksamkeit. Der Humanität des k. und k. Corpscommando war es zu verdanken, daß die jüdischen Soldaten an den ersten Feiertagen von dem gerade damals stattgefundenen Garnisons-Uebungs-Marsch befreit waren. — Auch in dem Männerstrafhause fand ein feierlicher Festgottesdienst statt, welchen die Herren Oberbeamten durch ihre Anwesenheit, der Herr Rabbiner durch eine Predigt und Herr Oberkantor Halpern mit dem Tempelchor durch Gesang verherrlichten. Rußland. Petersburg. Im vergangenen Januar wurde der Vollzug eines wichtigen, die Juden betreffenden Gesetzes durch den Minister-Rath auf unbestimmte Zeit hinaus verschoben, weil die Regierung zur Zeit wichtigere Dinge zu thun habe, als sich mit Juden herumzuschlagen. Aber die Verfolgung der Juden ist ein so einträgliches Geschäft, daß die russischen Beamten durchaus nicht geneigt sind, dasselbe in so schlechten Zeiten, wie die gegenwärtigen, auszugeben. Folgende wohlverbürgten, cha-

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