Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 36 (5.5.1892)
- Date
- 1892-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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668 Commission wurde wiedergewählt, mit dem Recht noch zwei Mitglieder zu coopriren. Um lixl2 Uhr wurde die Versammlung geschloffen. Möge dem Verein, der nunmehr unter den besten Ausspicien begründet ist, eine recht erfolgreiche Wirksamkeit und ein reiches Emporblühen beschieden sein. Derselbe wird in den nächsten Tagen seine Thätigkeit aufnehmen, um in engem Anschluß an den gleiche Ziele verfolgenden Breslauer non* r>2o-Vereln, recht vielen jungen Leuten die Heilighaltung des rot? zu ermöglichen, sie als treue D’mn» zu erhalten. Eine Hauptbedingung dafür ist natürlich die ausgiebige Unterstützung seitens der Prinzipäle, welche jede Vacanz die sie zu besetzen haben, seien es Lehrlings- oder Commisstellen aller Art, dauernde oder Hilfsstellungen dem Verein anmelden, und wenn möglich das ihnen von dem Verein zugehende Material in erster Linie in Berücksichtigung ziehen sollten. Dann wird der Verrein die in ihn gesetzten Hoffnungen sicher erfüllen und dazu beitragen y’d"x pp D*ir6. Hamburg. Herr Dr. Isidor Hirsch, der Sohn des hies. beliebten Oberrabb. Hirsch, hat, wie bereits berichtet, dieser Tage das Rabbinatin der altehrwürdigen mährischen Gemeinde Boskowitz angetreten, wo früher der Sitz des mährischen Landesrabbinals gewesen. Herr Dr. Hirsch wurde festlich und feierlich von dem Vorstande und vielen Mitgliedern empfangen, und am Abend des Einzugs waren ihm zu Ehren die Häuser der israelitischen Bewohner der Stadt illuminirt. Die Antrittsrede in der Synagoge machte durch ihren Inhalt und oratorischen Schwung solches Aufsehen, daß sie auf allgemeinen Wunsch im Druck erschien, (Prag, Verlag von I. B. Brandeis), was den vielen Freunden des Dr. Hirsch zu erfahren angenehm sein dürfte. Weeze, 25. April. Gestern wurde unser Ort nochmals mit einer antisemitischen Versammlung beglückt!, worin Herr Dr. König aus Witten als Redner auftrat. Diesmal war die Parole: „Der Antisemitismus und seine Gegner." Herr Dr. König unterließ es selbstredend nicht, sattsam auf die bösen Juden zu schimpfen, fühlte sich indeß auch bewogen, das Feld der Persönlichkeit zu betreten. Einer seiner Gegner hatte es nämlich gewagt, die von ihm produzirten haarsträubenden Wuchergeschichten zu bezweifeln und hat ihn denn auch in dieser Hinsicht thatsächlich der Lüge und Verleumdung überführt. Wenn Herr Dr. König auch mit der zweifelhaftesten Satyre auftrat, so konnte er sich trotz aller möglichen Versuche doch von dieser Sache nicht rein waschen, namentlich nicht bei denjenigen Zuhörern, die mit dem Aktenmaterial bekannt waren. Auffallend ist es, daß der Herr Dr. König nach seinen eignen Angaben so oft im Stiche gelassen wird. In ein und derselben Wuchergeschichte erzählte er in früheren Versammlungen, daß der Bewucherte durch das Gericht von Haus und Hof vertrieben worden sei, gestern nun, daß der Bewucherte Haus und Hof habe verkaufen muffen, um den Juden zu befriedigen. Und wie verhielt sich schließlich die Sache! Der angeblich Bewucherte hat nach amtlich sestgestellten Ermittelungen niemals ein Eigenthum besessen, konnte also weder von Haus und Hof vertrieben werden, noch diese verkaufen. Der Besuch der Versammlung war bei 30 Pfg. Entree ein sehr schwacher. Zweibrücken, 26. April. Im vorigen Jahre wurde den „M. N. N." aus Fürth von einem räthselhaften Leichenfund im Schulhofe berichtet. In dem in einem Sack befindlichen Skelett wurden die sterblichen Ueberreste der seit 8 Jahren vermißten Mäklerin Levi, bezw. Varra, entdeckt. Vorgestern Abend kamen, wie den „R." weiter gemeldet wird, die fehlenden Knochen beim Ausräumen eines Kellers zum Vorschein und nachmittags wurde das Ehepaar, welches die fragliche Wohnung bis zum kritischen Zeitpunkt im Vorjahre innehatte und bei welchem die Vermißte viel verkehrte, verhaftet. Harburg (Bayern.) Einen entsetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde am 21. April d. I. erlitten. Herr Kaufmann Herrmann Hill er, eine wahre Perle unseres Städtchens, wurde uns nach kaum zweitägigem Krankenlager in Folge eines Gehirnschlages, durch einen schmerzlosen, sanften Tod, würdig eines Frommen, entrissen; — zu früh trotz des erreichten 72. Lebensjahres für seine Hinterbliebenen, denen er stets ein liebevoller, sorgsamer Gatte und Vater gewesen; zu früh für die israelitische Gemeinde, die wieder einen Mann beim Gottesdienste verloren, da er mit bewunderungswürdiger Pünktlichkeit als einer der ersten im Gotteshause erschien. Herr Hiller lernte in feinen Jugendjahren Musik und machte, gut talentirt, solch' vortreffliche Fortschritte, daß ihm eine hervorragende Anstellung angeboten wurde; er glaubte aber die Gesetze seines heiligen Glaubens, welche er, einem echt jüdischen Hause entstammend, stets vor sich gesehen, nicht mehr genru beobachten zu können und verzichtete daher lieber auf diesen Ehrenposten. Nun widmete er sich dem Handwerke der Posamenterie und es blühte bei seinem großen Fleiße ihm das Glück. Viele Jahre stand der Verblichene der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde in Rath und That zur Seite; er vollführte das Amt eines Armenpflegers und später eines Cultusvorstandes, welch'