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Der Israelit · 1892-05-02 · Heft 35 (2.5.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 35 (2.5.1892)
Date
1892-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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656 tet, hatte ihm doch Rosa selbst verrathen, daß der Pflegevater sich in der Hauptstadt befand. Durch einen seiner Leute ließ Iwan nun den alten Mann wissen, daß Fürst Gutesow ebenfalls anwesend sei, um zur Befreiung Afkas und zum Sturze des Czarengünstlings thätig zu sein. Er ließ ihm zugleich eine Stunde mittheilen, zu welcher er am besten den Fürsten zu sprechen vermöchte. Zugleich wußte es Iwan sehr geschickt einzurichten, daß einige Leute, auf denen der Verdacht der Unzuverlässigkeit ruhte, zu gleicher Zeit in die Wohnung des jungen Fürsten bestellt wurden und zwar gab man jedem Einzelnen solche Gründe von hoher, persönlicher Wichtigkeit an, daß sie alle rechtzeitig kamen. Daneben bestellte Iwan mehrere seiner gut bezahlten Werkzeuge, Menschen, die nichts mehr zu verlieren hatten und denen der Czarengünstling seinen vollen und unbedingten Schutz zuschwur, wenn sie seinen Wünschen gemäß handelten. Diese Leute hatten den Auftrag, bei ihrer Verhaftung auszusagen, daß sie Teilnehmer an der großen Verschwörung des Fürsten Gutesow seien, und daß die Dynamitpatronen die Bestimmung haben sollten, zum Morde der kaiserlichen Familie verwandt zu werden. Iwan hatte mit diesen Leuten eine genaue Verabredung über ihre Pflichten und Rechte getroffen, sie Alle sollten gemeinsam von den Polizeiorganen der heiligen Schaar überfallen und verhaftet werden; dann war es Sache dieser Leute, eine genügende Anzahl von compromittirenden Dingen gegen den Fürsten Michail Wasiljewitsch Gutesow und den Juden Alexei Horwitz auszusagen, und sie durch diese Aussagen so sehr zu belasten, daß sie der ewigen Verbannung nach Sibirien oder sogar dem Tode nicht entgehen konnten. Einem dieser Leute wurde auch von Iwan ein genauer Plan des kaiserlichen Palastes eingehändigt, den der Czarengünstling aus den Papieren der Hofkanzlei hatte stehlen lassen und der ebenfalls mit dem kaiserlichrussischen Stempel versehen war. Dieser Plan sollte von einem der Agenten dem Fürsten Michail kurz vor jenem verhängnißvollen Augenblicke in die Tasche geschoben werden, vordem die Verhaftung der angeblichen Verschwörer erfolgte. Hatten die Agenten ihre Sache recht gut gemacht, sich ordentlich mitverhaften lassen und dann ein entsprechendes Zeugniß gegen die Unschuldigen ausgesagt und beschworen, so sollte Jeder eine größere Summe Geldes, sowie einen Paß, der auf einen anderen Namen lautete, erhalten, man würde sie heimlich aus ihrem Gefängnisse entfliehen lassen, und aus den verkommenen, vielleicht früher von der Polizei verfolgten Leuten sollten dann reiche und glückliche Menschen werden; für eine solche Umwandlung konnte man schon etwas wagen, und es war kein einziger unter den Miethlingen Jwan's, der irgend welches Bedenken seiner Verhaftung entgegengesetzt hätte; wußten sie ja Alle sehr gut, daß Iwan mit eiserner Nothwendigkeit gezwungen sei, das ihnen gegebene Versprechen genauestens einzuhalten, da sie ja durch ihr Bekenntniß der Geheimnisse Jwan's denselben vollständig vernichten konnten. So war Alles sehr Wohl vorbereitet. Der Anstifter sowohl, als die Ausführer dieses großen Verbrechens wurden statt durch Treue und Glauben, durch das Geheimniß ihrer eigenen Schlechtigkeiten zusammengehalten. Auf Sonntag Abend um 7 Uhr hatte Iwan die Stunde bestimmt, in welcher man die große Verschwörung gegen das Leben des Czaren entdecken sollte; der Schlag konnte nicht fehlgehen, jede Einzelheit des ganzen Planes war voraus bedacht. Alexei kam etwa um 6 UHr am Sonntag Nachmittag in die Wohnung des Fürsten Gutesow. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit* erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Boge». Preis d«S Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland' 16 Reichs-Mark. Man abonnir-t gan;- stlhrig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel pt bestehen Sei E. F. KteinalKrr, Beipstg, Nohplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Namn. — Öesterreichische Danknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «Ad Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. <Vauprviatt,: iienenoev Arukel: Au;udl>che Ethik und Baoagoglk. Eine Veirachiung über bie Symbolik des Omer-Opters. Bon Rabbiner Alexander Fischer in Karlsburg (Siebenbürgen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Kiel. Königsdorff-Jastrzemb. Karlsruhe. — Spanien. — Frankreich: Paris. — Amerika: Aus Buenos-Aires. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Auf der semitischen Wetterwarte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Dessau. Dresden. Rogasen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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