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Der Israelit · 1892-05-02 · Heft 35 (2.5.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 35 (2.5.1892)
Date
1892-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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654 bevölkert wurde, welche von Mosesville nach dem Städtchen Sunchales gewandert waren. Herr Löwenthal knüpfte Verhandlungen wegen Landkaufes an, ohne aber zunächst handelseinig werden zu können. Als nun plötzlich eine große Zahl neu einwandernder Juden eintraf, erstand er schnell in der Provinz Buenos Aires, Departement Neuve de Julio, eine Estancia, die nach dem Vornamen des Baron Hirsch Mauricio benannt wurde, auf der aber noch keine Häuser standen und auch nichts zur Aufnahme der Kolonisten vorbereitet war. Es mögen insgesammt bisher auf eigene Rechnung 800 Juden nach Argentinien eingewandert, 4000 von Baron Hirsch geschickt worden und 1000 aus Brasilien nach Argentinien gezogen sein. Viele wurden nach Europa zurückgesch'ckt. Zur Zeit mögen sich in Mosesville gegen 1500 und in Mauricio gegen 1800 jüdische Einwanderer befinden. Außerdem lagern, da man über weitere Landkäufe noch nicht handelseinig werden konnte, in einer Baracke zu Mar del Sud (bei dem großen argentinischen Seebade Mar del Plata) gegen 800 Juden. Neuerdings soll an zwei Stellen in Entre Rios Land angekauft worden sein. Auch ist in geringer Entfernung nördlich von Palacio eine neue Judenkolonie Namens Monigotes entstanden. Herr Löwenthal wurde inzwischen durch einen Herrn Roth ersetzt, Oberst van Vtnkeroy reiste fort und neuerdings hat auch der bei den Kolonisten sehr beliebte Engländer Cullen seinen Abschied genommen. Statt ihrer wurde Oberst Goldsmid erwartet. > vermischtes. Berlin. Am 22. März er. fand in den Räumen von Cassel's Hotel die Generalversammlung des „Esra", Verein zur Unterstützung Ackerbau treibender Juden in Palästina und Syrien, unter lebhafter Betheiligung seitens der von den Mitgliedern gewählten Delegirten statt. Dem interessanten Bericht, den der stellvertretende Vorsitzende Herr Silberstein erstattete, entnehmen wir, daß der Verein in der Berichtsperio'oe außerordentlich gewachsen ist. Die Mitgliederzahl stieg von ea. 000 am 1. Januar 1801, auf ca. 1800 am 22. März 1892 und entsprechend stieg auch die Leistungsfähigkeit des Vereins. Zweigvereine wurden in dieser Zeit neu gegründet in Breslau, Frankfurt a. Ai., Hamburg, Leipzig und anderen Orten. Auch die Berichte aus den jüdischen Dörfern in Palästina lauten befriedigend; einige derselben haben bereits die Anfangsschwierigkeiten überwunden und bedürfen keiner fremden Hilfe mehr, darunter befindet sich auch Jessud Hamaalo, die früher vom Verein „Esra" unterstützte Eolonie. Neuerdings wendet der „Esra" seine Mittel dem Dorfe Mischmar ha Jarden zu, dessen Bauern ehemalige Ackerknechte auf den Rothschild'schen jüdischen Dörfern sind. Es ist ihnen gelungen, sich in der kurzen Zeit von 1 Vs Jahren, seitdem sie auf eigenem Grund und Boden sind, schon ansehnliche Pflanzungen, besonders Weinberge, anzulcgeu und bedürfen sie nur noch verhältnißmäßig geringer Unterstützung. Ein Antrag des Central-Comites, dasselbe um eine Anzahl auswärtiger Beisitzer zu verstärken, um so den Mitgliedern außerhalb Berlins die Gelegenheit zu geben an der Verwaltung des Vereins theilzunehmen, wurde angenommen. Seit bereits vier Monaten erfreut sich der Verein eines eigenen Vertreters im heiligen Lande in der Person des langjährigen Vorstandsmitgliedes Hrn. Louis Unger, der sein Domicil nach Jerusalem verlegt hat und seine eifrige Thätigkeit für den „Esra" dort fortsetzt. Der Verein verwendete in diesem Jahre seine Mittel für die Eolonie Pethach-Tikwah, die 600 Mk. erhielt und für Mischmar Ha-Jarden, eine der Tagelöhner- Eolonien, welcher 2427 Mk. gegeben wurde. Ludwigshofen, (Pfalz), 20. April. Die Pfälzische Handels- und Gewerbekammer hat sich in ihrer gestrigen Sitzung für die Amtsperiode 1802/95 neu constituirt und gehören dersellben auch zwei unserer Glaubensgenossen an und zwar die Herren Kaufmann Samuel 9t e t t e r und Kaufmann Hugo W e i n g a r t aus Ludwigshafen. Die Rechnungsablage des israelitischen Asils in Hegenheun für die Jahre 1889/90 und 1890/91 weist in Einnahme 84,162 Fr. bezw. 66,211 Fr. und in Ausgabe 29,755 Fr. bezw. 25,406 Fr. auf. Osterode O.-Pr., 8. April. Angeregt durch eine Rede unseres Predigers Herrn Sturmann, hat sich hier ein jüdischer Leseverein gebildet. Zweck des Vereins soll sein: a) jüdisches Wissen unter seinen Mitgliedern zu verbreiten, insbesondere Kenntniß der jüdischen Geschichte und Literatur zu pflegen, d) Unterhaltung über Zeitfragen innerhalb des Judenthums mit Ausschluß aller Politik. Diesen Zweck will der Verein erreichen durch zu haltende Vorträge, Vorlesungen und Versammlungen, Halten von jüdischen Zeitschriften, Lesecirkel und Anlegen einer Bibliothek, zu welcher sofort der Anfang gemacht wurde. L. W. Connftodt, Ende April. Auf Veranlassung der Frau Veil Kahn dahier, hat sich hier ein Verein gebildet, dessen Mitglieder sich verpflichten, jeden Freitag mindestens 20 Pfg. in eine besondere Büchse zu legen zur Unterstützung unserer armen russischen Glaubensgenossen. Frau Veit Kahn hat soeben die erste Sendung im Betrage von Mark 201.60 an die Redactiou des „Israelit" abgesandt. Vielleicht findet dieses Beispiel auch in anderen Gemeinden Nachahmung. Wien. Nach dem Rechenschaftsbericht des Kranken- Unterstützungs-Vereins „Liwias Chen" pro 1891 wurde dem Verein die Bewilligung zur Unterhaltung eines öffentlichen Bethauses gewährt, das letztere sowie die Vereinskanzlei in ein neues Gebäude verlegt. Die Krankenpflege wurde von 11 Mitgliedern mit dem Betrage von fl. 59.15 in Anspruch genommen und hatte der Vereinsarzt intervenirt. An Schiwagelder wurden fl. 82.56, und an Minjangelder fl. 24.50 verausgabt. Von Darlehensgesuchen wurden 52 mit einem Gesammtbetrage von fl. 1045 bewilligt.

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