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Der Israelit · 1892-05-02 · Heft 35 (2.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 35 (2.5.1892)
Date
1892-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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653 Spalten langen Leitartikel setzt der Herausgeber Hr. Eduard Drumont den Zweck seiner Publikation auseinander. Die erste dieser drei Spalten ist ausschließlich Drumont selbst gewidmet. Wir werden in die Geheimnisse seines Ringens und Strebens eingeweiht: „Ein obscurer Unbekannter am Tage vorher, war der Autor der »Pranee juive« am folgenden Tage berühmt. Der Schriftsteller war, wie man dies von Byron gesagt hatte, mit einem Satze in den Ruhm hineingesprungen." Also schreibt Eduard Drumont mit rührender Bescheidenheit von Eduard Drumont. Nachdem er sich endlich von seiner Persönlichkeit getrennt, beschäftigt sich der Autor des Artikels mit Frankreich. Natürlich stehen da die Dinge so schleckt, wie sie nur überhaupt irgend stehen können. Die Parteien zersetzen sich und zerfallen. Nur Eines entwickelt sich und wächst empor: Die Judenfrage. „Sie ist überall, sie ist auf dem Grunde aller Discussionen, sie beschäftigt alle Geister, sie hat sich selbst den Journalen auserlegt, welche auf ein Bündel Checks geschworen hatten, niemals ein Wort davon zu ihren Lesern zu sagen." „Die allgemeine Anarchie," heißt es an einer andern Stelle, „in deren Mitte wir uns abquälen, das Verschwinden jedes moralischen Sinnes, die Auflösung aller sozialen Bande, die Abwesenheit aller Gerechtigkeit und allen Mitleids für die Armen, die Anbetung des Geldes allein :c. 2c.das sind die stets gleichen Caracteristica der Vorherrschaft des semitischen Geistes, welcher durch den Juden personificirt wird, über den arischen Geist, welcher im Christenthum seinen erhabensten Ausdruck gefunden hat." Die Juden entehren das Land, Rothschild bringt auf Befehl Deutschlands die russische Anleihe zum Scheitern; der Präfekt Jsaac erprobt in Fourmies das Lebel- Gewehr an Franzosen; Dreyfus schickt vergiftetes Getreide an die Russen, welche vor Hunger sterben und zuerst in Europa Frankreich ihre Sympathie bekundet haben. Aber das Strafgericht ist nahe. Die Libre Parole ist da. „Sie werden sehen, wie leicht es uns sein wird, uns unter Landsleuten zu verständigen, wenn wir uns dieser jüdischen Horde entledigt haben werden, die von Frankfurt, von Hamburg, von Köln gekommen ist, aller dieser Meyer, Strauß, Reinach, welche uns vergnüglich unter einander kämpfen lassen, um uns in der Verwirrung umso leichter ausrauben zu können. Sie werden sehen, wie rasch alle Zwietracht schwinden wird, wenn man das Wort der Jeanne d'Arc verstanden haben wird: „Das Blut von Frankreich soll Herr sein", wenn man unser Programm adoptirt haben wird, das sich in dem einen Wort resümirt: „Frankreich den Franzosen!" Diese Citationen werden genügen, um zu zeigen, daß die Libre Parole mit denselben Fanfaromaden debütirt, wie ihre Gesinnungsverwandten in Deutschland. In Deutschland ist über letztere der gesunde Sinn und das Gerechtigkeitsgefühl langsam Meister geworden; Frankreich wird sich in dieser Beziehung nicht von seinen deutschen Nachbarn beschämen lassen. Detail aye, der klerikale Boulangist, Baron de Ramel, der Antisemit von der Rechten und Lauer, der bekannte Geschäftsfreund des Herrn Constans, sprechen in dem Blatte natürlich ihre Sympathien mit demselben aus, deren es auch vollauf würdig ist. — Wer sich die Mühe genommen hat, die Bücher des Herrn Drumont zu lesen, wird darin die wüthendsten Ausfälle gegen die großen Magazine gefunden haben, welche als die Brutstätten der sozialen Pest hingestellt werden. Die erste Annonce nun auf der Jnseratenspalte der „Parole libre" ist — eine riesige Reclame für ein großes Kleidermagazin. Weitere Inserate verkünden den Ruhm von keineswegs makellosen finanziellen Journalen und schwindelhaften Heilmitteln, deren Erfinder und Verbreiter allerdings nicht jüdische Charlatans find. Amerika. Aus Buenos Aires, schreibt ein Mitarbeiter der „Kölnischen Zeitug", welcher die argentinischen „Juden-Kolonien" des Baron Hirsch besucht hat, daß Mosesville sich in hellem Aufruhr befunden habe, sodaß der zeitweilige Verwalter, ein rumänischer Jude, sich veranlaßt sah, die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Die Polizei soll schlimm gehaust und einige Juden verwundet oder getödtet haben. Schließlich scheinen die italienischen Nachbarn der Juden einen Polizisten gelyncht zu haben. Von Buenos Aires gelangt man in 16ftündiger Eisenbahnfahrt über Rosario hinaus zu einer Station Namens Palacios. Dort halten sich schon, ehe Baron Husch zu kolonisiren begann, gegen 800 Juden auf eigene Faust niedergelassen, und zwar auf dem Gebiete des argentinischen Grundbesitzers Dr. Palacios. Die Leute waren kostenfrei von der argentinischen Regierung dorthin befördert worden, waren dann aber in Noth qerathen und hatten die Unterstützung des Baron Hirsch in Anspruch genommen. Als nun im November 1890 eine Kommission des Barons Hirsch, bestehend aus den Herren Cullen (Engländer), Oberst van Vinkeroy (Vlamländer) und Löwenthal (Deutscher), in Argentinien eintraf, wurde zunächst die einen Theil des Gebietes von Palacios einnehmende Kolonie Mosesville noch weiter unterstützt und dann vor vier Monaten angekauft. Auf anderweitigem, in der Nähe angekauften Lande gründete man die Kolonie Aaronville, die mit unzufriedenen Juden

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