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Der Israelit · 1892-05-02 · Heft 35 (2.5.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 35 (2.5.1892)
Date
1892-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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652 wohl finden, daß thatsächlich Deutschland zu sehr verjudet ist — um in einem freien Lande den Vernichtungskampf gegen die semitische Race fortsetzen!" So urtheilt der antisemitische Rechtsanwalt Dr. Stein — der jetzt noch einen „praktischen berechtigten Antisemitismus" kennt — über den Rektor Ahlwardt aus einer offenbar sehr, genauen Kenntniß der Person desselben. Unser und unserer Leser Urtheil über den Mann war längst fertig; abzuwarten bleibt, ob sich auch jetzt noch Leute finden werden, die diesen intimen Bundesgenossen der „Kreuzzeitung" und des Herrn Stöcker weiterer Lorbeerkränze für würdig erachten. Breslau, 14. April. Judenhetze betreibt in Glogau ein Blättchen, dessen Begründer und Protector der conservative Landtagsabgeordnete für Glogau-Lüben, Freiherr von Buddenbrock, ist. Aus dem Umstand beispielsweise, daß ein Fabrikarbeiter jüdischen Glaubens vor dem Schwurgericht wegen Straßenraubs steht, findet das Blättchen Veranlassung zu einem allgemeinen Ausfall gegen die Juden. Solche Anklagen gehörten im christlichen Leben zu den großen Seltenheiten. — Was würden die Conservativen sagen, wenn man den Raubmord, welchen der christliche Handlungsreisende Wetzel an dem jüdischen Kaufmann Hirschfeld in Spandau vollführte, dem Christenthum zur Last legen wollte. Kiel, 19. April. Der Bericht der israelitischen Religionsschule zu Kiel über das Schuljahr 1891/92 liegt soeben vor. Die Schule wurde am 3. Mai 1891 von Dr. M. Stern ins Leben gerufen und hat, Dank der Unterstützung seitens der städtischen Schulinspection, des israelitischen Gemeindevorstandes und der Eltern der Kinder sich derart entwickelt, daß der Vorstand mit froher Zuversicht in die Zukunft blickt. Während in früheren Jahren nur ein gelegentlicher Unterricht für acht bis zehn Kinder stattfand, wurde die neu organisirte Schule im Berichtsjahre von 64 Kindern — 38 Knaben und 26 Mädchen — besucht. Ein einheitlicher Unterrichtsplan konnte nur für die zum ersten Male einen Religionsunterricht genießenden Kinder der letzten Klasse III zu Grunde gelegt werden, in den übrigen Klassen II und I wurde in erster Reihe dahin gestrebt, die Wissenslücken auszufüllen und die für das Leben nothwendigsten Religionskenntnisse zu erschließen. Der Besuch war ein guter und die Aufmerksamkeit war eine gleiche, da der Unterricht sich nicht nur auf den Vortrag des materiellen Wissensschatzes beschränkte, sondern auch auf die Erwärmung und Begeisterung des Gemüths hinzielte. Um die Verbindung zwischen Schul- und Gotteshaus herzustellen, fand im Sommersemester allsabbatlich ein Jugend-Gottesdienst statt, an welchem sämmtliche Kinder regelmäßig theilnehmen. Das Lehrer-Kollegium bestand aus Dr. M. Stern, den Kantoren A. Tandesar und M. Masur und den Damen Frl. D. Hirsch und Goldstern. Die letztere sowie Herr Kantor Tandesar schieden im Sommer vorigen Jahres aus, Herr Kantor Masur trat am 3. Februar d. I. dafür ein. Dem Berichte ist eine Abhandlung von Dr. Stern „Aus der Vergangenheit der israelitischen Gemeinde zu Kiel" nach den Akten des königl. Staatsarchivs zu Schleswig und des Stadtarchivs zu Kiel beigefügt. Körrigsdorff-Jastrzemb. Die in unserem altbewährten Soolbade im Jahre 1890 gegründete Israel. Kinderheilstätte soll nunmehr am 15. Mqi d. I. zum dritten Mal eröffnet werden. Die Anstalt, die auf dem festen Grunde erbarmungsvoller Menschenliebe errichtet ist, nimmt nn'ttellose Kinder ganz unentgeltlich auf, gewährt aber auch mehr oder weniger bemittelten Kindern gegen ein geringes, je nach den Verhältnissen bemessenes Entgelt, das aber die Selbstkosten nicht überschreiten darf, freundliche Aufnahme. So bewährt sich das Institut nicht nur an mittellosen Kindern zum Segen, sondern erweist auch solchen Familien eine große Wohlthat, die nicht in der Lage sind, ihr krankes Kind für eigene Rechnung unter kostspieliger Begleitung nach einem Soolbade zu senden, die aber gern und mit Freuden bereit sind, einer gut eingerichteten Anstalt, die dem Kinde die gastlichen Pforten öffnet, eine mäßige Entschädigung zu zahlen. Das gemeinnützige humane Werk, das durch milde Beiträge erhalten wird, darf auf die thatkräftige Förderung und Unterstützung edler Menschenfreunde, die Mitgefühl für arme leidende Kinder haben, hoffen. Jede Zuwendung wird mit herzlichstem Dank entgegengenommen. Nähere Ausrnnft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz, zu ertheilen gern bereit. Karlsruhe. Der großherzogliche Oberrath der Israeliten verordnete die feierliche Begehung des Regierungsjubelfestes Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs für Samstag, den 30. April, in dem vormittägigen Gottesdienste unter Absingen von Psalmen, Predigt und einem besonders verfaßten gehaltreichen Gebete. Die Synagogen sollen festlich dekorirt, die drei aus dem Schrein zu hebenden Thorarollen mit dem größten Schmucke, wie solches nur an den höchsten Feiertagen üblich ist, versehen sein. Spanien. In dem „jndenreinen Spanien" wüthct einem Artikel der offiziösen „Epoca" zu Madrid zufolge, der Wucher so stark, wie in keinem anderen Lande Europas. Frankreich. Paris, 20. April. An allem Unheil, an dem Frankreich bisher gelitten, ist Niemand schuld, als — die Juden. So steht in der „Istdre karole", die heute zuin ersten Mal auf dem Boulevard ausgerufen worden, zu lesen. In einem mehr als drei

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