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Der Israelit · 1892-05-02 · Heft 35 (2.5.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 35 (2.5.1892)
Date
1892-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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650 hinweist, ein Gott der Schamlosigkeit, dem durch wilde Orgien, durch scheulose Hervorkehrung des Viehischen gehuldigt wurde. Daher der Prophetenruf: „nwzb nin nys ^>j?2 1x2, sie kamen zu Baal Peor und weihetcn sich der Schande!" Durch Berleitun;' zum Peor-Cult suchten darum die Midjaniter Israel zu bekämpfen. Sie wußten, daß sie nur dadurch den Fall und das Verderben herbeiführen könnten für ein Volk, dessen Gott, in schneidendem Gegensätze zu dem ihrigen, gerade darin seine Charakteristik hat, daß er no: wi» ist, daß ihm nichts verhaßter und widerwärtiger ist als Zucht- und Sittenlosigkeit. „Diese ihre Ränke", sagt Gott, „setzen die Midjaniter noch fort gegen euch", und indem Er Israel gegen dieselben zu den Waffen ruft, fordert Er es auf, sich zu wappnen gegen alle Verlockungen des Sinnemcizes, gegen alle jene Versuchungen, mit denen midjanitische Sinnenlust die jüdische Gesittung gefährdete. Der Kampf Israels gegen Midjan bedeutete die Bekämpfung jener Feindseligkeit, welche seine Gottestreue, welche seine Keuschheit und Sittenreinheit, diese jüdische Nationaltugend, bedrohte, und das sieggekrönte Schwert Gideons, des israelitischen Mannes, vor welchem der Mldjauiter erschrickt, das war nmjw ^L, das war das Gott geweihte Gerstenbrod des Omer, das war die Heiligung von ^2x2 nero, die Heiligung des „thierischeu Sinnengenusses", welche Israel als Huldigungsgabe seiner Gesittung und Menschenwürde in das Heiligthum seines Gottes brachte. Dieses sich „wälzende" Gerstenbrod, welches das „Zelt" Midjans zu Boden wirft, will sagen, daß, wenn midjanitische, heidnische Sinnenlust zum Peor-Cult lockt, wo die entartete, verthierte Menschheit, aller Menschenwürde bar, sich „wälzt" im Schlamme des Sinnentaumels, daß daun Israel in der Weihe und Heiligung seines Gerstenbrodes die heilsgeschichtliche Mission zu übernehmen hatte, der Völkerwelt zu zeigen, wie man diesen Angriff aus Gesittung und Menschenwürde siegreich Zurückschlagen könne, es über den Haufen zu werfen, das „Zelt" midjanitischer Orgien, das midjanitische Zeltgcmach ungezügelter, in thierischeu Sinnengenuß sich ergehender Wollust und Ucppigkeit. Um aber das Mehl des Omeropfers würdig und geeignet zu machen, daß es als gottgefällige Huldigungsgabe auf den Altar niedergelegt werde, bedurfte cs einer sehr sorgfältigen Behandlung der Gerste, aus welcher dasselbe genommen werden sollte. Unmittelbar nach der Ernte, lehrt die Mischna, wurde die Gerste in den Tempelhof gebracht, “jynn’ Nbv H2 iniN puniin vn mr^pm nrjpa. Hier wurde zunächst der Drusch vorgenommen. Aber es geschah dies nur mit Rohrstäben und jungen Reisern, damit die zarten Körner nicht zerdrückt werden. -nxn N,Tff '12 apuo '\“i maxi 212X^> lnunj 1722 uVny. Darauf wurden die Körner in ein poröses, über das Feuer gehaltenes Rohr gethan, so daß das Feuer ordentlich auf dieselben einwirken konnte. 12 rüitOD nnm mijn imnow. Dann wurden die Körner ausgebreitet im Tempelhof, damit Luftzug darüber wehe. niDru hw d’ttd irronj Hierauf wurden sie in einer Graupenmühle gemahlen hbj vbvz nsuo mn» znop ubd wsnm3). Und schließlich kam das Mehl in 13 Siebe, um eine besondere Feinheit desselben zu erzielen. Welch lehrreiches Stück bietet sich uns in dieser Darstellung dar, so mir nur auf ihre sinnbildliche Bedeutsamkeit achten, so wir nur die allegorische Sprache verstehen, in der sie uns über die Aufgabe belehren will, welche jüdische Eltern an ihren Kindern zu lösen haben! (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. D e u t s ch l o n d. Berlin, 17. April, lieber einen Seder-Abend in der Israelitischen Volksküche erfahren wir folgende Einzelheiten: Schon mehrere Tage vorher war die Anstalt für den allgemeinen Besuch geschlossen. Mit großer Freudigkeit hatten sich die Ehrendamen mit der Vorsteherin vereint, um die umfassenden Vorbereitungen zu dem schönen Feste ausznführen. Es waren zunächst gegen 130 Einladungskarten ausgcgeben; doch als der Leiter der Anstalt, Herr Hermann Abraham, hörte, daß sich im städtischen Obdach auch eine Anzahl jüdischer Familien befände, so war er dorthin geeilt, um auch diese Unglücklichen zur Theilnahme einzuladen, so daß die Zahl der Eingeladenen aus 160 Personen stieg. Der große Speisesaal der Anstalt war auf's prächtigste geschmückt und erleuchtet. An den eigentlichen Seder- Tisch, welcher für die Ehrendamen, den Leiter der Anstalt, dessen Gattin, sowie einige Ehrengäste reservirt war, reihten sich lange Tafeln für die Besucher. Für je zwei derselben war eine Flasche Wein bestimmt, ferner fanden sich auf jedem Platz die üblichen Ostergerichte, ungesäuertes Brod, Bitterkraut und „Charoses". Nachdem der Gottesdienst in der Shnagoge der Heiderentergasse beendet war, strömten die Gäste herein. Es war die Einrichtung getroffen, daß die älteren Personen bevorzugte Plätze oben erhielten. Gegen H'U Uhr konnte Herr Abraham, welcher den ^edcr abhielt, mit dem Segensspruch über den Wein beginnen. Zn würdevoller Weise nach althergebrachter Sitte wurden die Satzungen der Seder ausgesührt und alsdann das reichliche, aus mehreren Gängen bestehende 'Mahl verabreicht. Dankbare und fröhliche Stimmung bemächtigte sich aller Gemüther, und wohl selten ist mit so freudig bewegtem Herzen, wie hier, von der ganzen Versammlung das Tischgebet gesprochen worden. Ebenso wurden die Lobgesänge und Lieder des zweiten Theiles der Hagada in gehobenster Stimmung znm Vortrag gebracht. Als 3) Menach. <>f> a.

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