Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1892)
- Date
- 1892-04-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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636 er irgend etwas auf Rosa Bezügliches fände, durch das er seinen Herrn erfreuen könnte, und siehe da, bei den geraubten Sachen befand sich ein Photographie-Album, welches ein in jüngster Zeit aufgenommenes Bild des jungen Mädchens enthielt. Seinen Bericht zusammen mit dem Bilde schickte Kolascheff an Iwan, damit Jener seine Maßregeln zu treffen wisse. Iwan selbst aber befand sich in Petersburg, wo seine Angelegenheiten noch weit schlimmer standen, als er erwartet hatte. XVI. Fürst Michail Wasiljewitsch hatte, seiner Art entsprechend, Alles, was er gegen den Ezarengünstling unternehmen wollte, auf das Genaueste überlegt und seinen Plan in allen Einzelheiten schriftlich ausgearbeitet; er hatte sich Empfehlungen an viele bedeutende, einflußreiche Staatsmänner zu verschaffen gewußt, namentlich aber wendete er sich an einen Mann, von dem er wußte, daß er ein erbitterter Feind Jwan's sei, obgleich derselbe sich genöthkgt fand, dem Czarengünstling stets freundlich zu begegnen und auf Befehl des Kaisers die jugendlichen und unreifen Pläne Jwan's zu begünstigen. Dieser Mann war der Geheimrath Bluwo, der technische Leiter des politischen Polizeidepartements, der früheren III. Abtheilung. Es war begreiflich, daß die offizielle Staatspolizei die neue aristokratische Mitbewerberin in dem politischen Sicherheitsdienst mit sehr mißgünstigen Augen ansah. Der Geheimrath war ein ernsthafter, von der Verantwortlichkeit seiner Stellung erfüllter Mann, und auf den ersten Blick erkannte der erfahrene Beamte, daß es sich bei der heiligen Schaar nur um einen widersinnigen, für Einheit und Organisation seiner Verwaltung gefährlichen Augeublickseinfall eines anspruchsvollen Müßiggängers handelte. Indessen bei dem Ansehen, das der Czarengünstling genoß, blieb Nichts anders übrig, als vorläufig abzuwarten und ^.ute Miene zum bösen Spiel zu machen. Der Geheimrath war ein viel zu gewiegter Politiker, als daß er gegen den vornehmen Sport sogleich Front gemacht hätte, er verschloß seinen Aerger sorgfältig in die Tiefen seines Herzens, und gab sich den Anschein, als ob er auf das Eifrigste die Sache der jungen Leute fördere, tatsächlich aber ließ! er sorgfältig die Mitglieder der heiligen Schaar beobachten; er hatte schon ein recht schwer wiegendes Material gegen dieselbe gesammelt und wartete auf den günstigen Augenblick, um die gehaßten Nebenbuhler zu stürzen. Ruhig ertrug er den Uebermuth der jungen Leute, obgleich er jetzt schon gegen dieselben hätte austreten können, er wollte ausharren, bis er sie mit einem Schlage vernichten konnte. Die Heiligen rühmten sich, wichtige Entdeckungen gemacht zu haben, die den amtlichen Spähern unbegreiflicher Weise vollständig entgangen waren, und sie benutzten diese Gelegenheit, viel Häßliches, Schlechtes und Beschämendes dem pflichteifrigen Geheimrath und seinen Untergebenen nachzusagen. Der Geheimrath vertheidigte sich nicht, sondern wartete ab. Zu diesem Manne nun begab sich Michail und schilderte ihm ausführlich alle Vorgänge, die sich in der Heimath abgespielt hatten und der Beamte nahm Alles zu Protokoll und ließ es von dem Fürsten unterschreiben. Die Angaben Michails stimmten ganz genau mit dem, was der Polizeichef durch seine eigenen Kundschafter in Erfahrung gebracht hatte. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. PreiL der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljähttg. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Sen Buchhandel J* bestehen bei <f. f. 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Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Eine Schule. Von O—p M—o. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen, sowie die sechste Lieserung der Erzählung „Die Familie y Aguillar" von Dr. Lehmann