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Der Israelit · 1892-04-28 · Heft 34 (28.4.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 34 (28.4.1892)
Date
1892-04-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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635 dürfe. Prüfend blickte Rosa in das Gesicht des Wärters, es schien ihr fast, als ob es jüdische Gesichtszüge aufwcise. Doch das mußte unbedingt eine Täuschung sein, da man zu heutiger Zeit wohl kaum einen Juden als Gefängnißwärter belassen würde. „Geliebter, die Zeit drängt und ist bald abgelaufen," fuhr Rosa in hebräischer Sprache fort, „ich bin nicht gekommen, um mit Dir zu kosen, obgleich sich meine Seele nach Dir sehnte, wie der Hirsch nach der Wasserquelle. Dinge von Wichtigkeit will ich Dir erzählen. Sei stark und fest und ob auch Deine Leiden sein werden wie Hunderte, Deine Freuden werden den Myriaden gleichkommen. Wie der Tag kommt und wie er geht, denken wir nur an Deine Rettung, und Fürstentöchter schürzen ihre Gewänder, um mitzuarbeiten an Deiner Befreiung. Wenige Tage noch und es wird gelingen. Halte Dich bereit! In einer Nacht, die nicht mehr ferne ist, werden wir kommen und erbrechen die Pforten Deines Kerkers, Dich hinauszuführen in das Land der Freiheit." „Dank, Dankl" flüsterte Afka, „von Dir, nur von Dir allein, meine Rosa, möchte ich meine Freiheit wieder erhalten." Der Gefängnißdirector kam und machte darauf aufmerksam, daß die Zeit, die der Gouverneur für die Unterredung Rosa's mit ihrem Bräutigam bestimmt hatte, längst abgelaufen sei. Als der Gefängnißdirector in die Nähe kam. ging der rothhaarige Wärter eiligst davon; es schien, als ob er cs vermeiden wollte, dem Leiter des Gefangeneninstitutes zu begegnen. Der Director drängte nochmals auf Beendigung der Unterredung. „Leb' wohl, leb' wohl! Gott schütze Dich!" sprach Rosa nun wieder in russischer Sprache. „O, daß ich noch erfahren könnte, wie es Dir erging", rief Jakow hinaus. „Wo befindet sich Dein Verfolger. Was hat Iwan Alexandrowitsch gegen Dich unternommen?" „Er hat die Stadt verlassen und wird, wie er sagte, in Jahren nicht mehr hierher zurückkehren. Alles ist gut, wir Alle sind in Sicherheit und nur Du allein schmachtest noch unter dem von Jenem heraufgeführten Elende. Set stark und fest. Lebe wohl, lebe wohl!" „Und mein Vaters Meine Mutter?" rief Jakow noch, doch schon hatten sich die Besucher entfernt. An dem Arme dcr Fürstin Lydia verließ Rosa das Gefängnißgebäude. Kaum hatte sie mit der Fürstin zusammen deren Wagen bestiegen, als die beiden jungen Mädchen sich in ein eifriges Gespräch vertieften; es galt nichts Geringeres, als die gewaltsame Befreiung des Eingekerkerten. Lydia hatte es vermocht, den Gefängnißdirector sich geneigt zu machen, besonders, da sie angab, daß ihr Vater zwar nicht zur Befreiung Jakow's thätig sein wolle, daß sich aber der Gefängnißdirector durch die Begünstigung der Pläne Lydia's an ihm einen starken Beschützer und mächtigen Gönner erwerben würde. Schon jetzt hätten sie die Befreiung des jungen Mannes ausgeführt, zu aller Vorsicht aber wollten sie noch warten, bis eine Nachricht über die Stellungnahme des Czaren gegen Iwan eingetroffen sei, denn Lydia hatte erfahren, daß die kaiserliche Ungnade drohend über dem Haupte des einst so sehr Begünstigten schwebe. Sobald irgend eine gute Nachricht aus Petersburg einlief, wollten sie, wenn nicht der Minister des Innern inzwischen selbst, auf das Gesuch des Gouverneurs hin, die Befreiung Afka's angeordnet hatte, den jungen Mann aus seinem Gefängniß entführen und mit einem rechtmäßigen Paß versorgt, über die Grenze bringen. Sollte indessen in einigen Wochen weder eine Nachricht der einen oder anderen Art eingelaufen sein, so wollten sie dennoch die Befreiung Jakow's vornehmen und sie bestimmten vorläufig den zwettnächsten der kommenden Sonntage hierzu. So sehr auch Rosa bat, die Befreiung sogleich oder doch in den nächsten Tagen auszuführen, Lydia ging nicht darauf ein, da sie sehr richtig bemerkte, man müsse nicht etwas gegen das Landesgesetz erstreben, was man vielleicht nur kurze Zeit später in Befolgung dieser Gesetze erhalten könne. Die Beiden ahnten nicht, daß Kolascheff, der Spion Jwan's, durch erkaufte Diener von dem beabsichtigten Besuche der beiden Damen im Gefängnisse Kundschaft erhalten, sie wußten nicht, daß jener Mann in der Tracht der Gefängnißwärter, der sich von Rosa nicht bewegen ließ, seinen Posten zu verlassen, gar kein Angestellter war, sondern sich erst kurz zuvor in das Gesangenenhaus geschlichen hatte, lediglich zu dem Zwecke, um die Unterredung Afka's und Rosa's zu belauschen. Kolascheff hatte vorausgesehen, daß ein Theil dieser Unterhaltung vielleicht in hebräischer Sprache erfolgen werde, und er hatte deßhalb zn seinem Werkzeuge einen getauften Juden ausersehen, ein verkommenes, oftmals wegen gemeiner Verbrechen bestraftes Subject; dieser nun verstand Alles und berichtete Alles an Kolascheff. Die jungen Damen waren noch nicht in das Schloß zurückgekommen, als der Spion Jwan's bereits damit beschäftigt war, einen Bericht an seinen Herrn abzufassen. — Auch hatte Kolascheff bei einem Bauer die Beute durchwühlt, die jener gelegentlich der Plünderung des Horwitzschen Hauses sich angeeignet; Kolascheff suchte, ob

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