Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1892)
- Date
- 1892-04-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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634 berichte pro 1889 hatte sie diese Teudenzlügen als solche bezeichnet. Der Geistliche und derzeitige Rektor der .Krakauer Universität, der bekannte Reichsraths-Abgeordnete Dr. Chotkowski, hat, wie aus dem Gebetbüchlein zu ersehen ist, dem fürftbischöflichen Konsistorium empfohlen, dasselbe mit dem „Imprimatur“ zu versehen, weil er es als Censor durchgelesen und darin nichts gefunden hätte, was der Lehre der heiligen römischen Kirche zuwiderliefe. Wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, Se. Eminenz Cardinal Dunajewski werde, sobald er von dem wahren Sachverhalte Kenntniß erlangt, wohl finden, daß die Verbreitung von Tendenzlügen in einem Gebetbuche mit der Lehre und dem Ansehen der römischen Kirche nicht vcreinbarlich sei, und die Weiterverbreitung untersagen." > Vermischtes. Frankfurt a. M. Die von Herrn Rabbiner Brü l l hinterlassene Büchersammlung soll nach einem Anträge des Magistrates an die Stadtverordnetenversammlung zum Preise von rund 5000 Mark seitens der Stadt erworben und der Stadtbibliothek eingefügt werden. Der eigentliche Werth beträgt 10,000 Mk., doch sind 5500 Mk. bereits von der israelitischen Gemeinde und durch Privatbeiträge aufgebracht und der Stadt als Beisteuer zur Kaufsnmme zur Verfügung gestellt worden. Frankfurt, 18. April. Die Verwaltung der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden im Taunus berichtet, daß die Zahl der Pfleglinge sich im Jahre 1891 auf 150 vermehrt hat. Herr M. A. Wolfs liefert fortan alle in der Anstalt erforderlichen Weine und Spirituosen unentgeltlich. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf Mk. 6568, 'die Geschenke'auf Mk. 13,092, die Zinsen auf Mark 216. Diesen Einnahmen stehen Mark 19,736 Ausgaben gegenüber. Prag. Infolge eines Armeebefehls hat die dienstfreie Mannschaft in den Garnisonen allmonatlich einmal dem Gottesdienste beizuwohnen. Dieser Befehl erstreckt sich selbstverständlich auch auf die Mannschaft der isr. Confession und findet zu diesem Zwecke gleichfalls allmonatlich einmal ein Gottesdienst in der Meiselsynagoge statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Kisch jedesmal eine Predigt hält. Feuilleton. I>er Hünstking des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Ion. Lehmann, Dr. phil. (35. Fortsetzung.) Auch Rosa preßte ihr Antlitz an die Spalte, doch die Oeffnung war viel zu klein, um ein menschliches Haupt hindurchzulassen. „Lebst Du? Bist Du gesund an Leib und Seele, hast Du die furchtbaren Leiden der Gefangenschaft zu überdauern vermocht? O, sprich, mein Afka, o sprich, laß' mich Deine traute Stimme hören." „Ich lebe, ich athme, ich denke nur an Dich. Wo weiltest Du? Wie bist Du der Gewalt jenes grausamen Mannes entronnen? Hast Du noch Schweres von ihm zu erdulden gehabt? Und wo sind unsere Eltern, sind sie mit Dir gekommen?" „Unser Vater lebt und ist gesund, beruhige Dich, mein Afka." Schaudernd dachte Rosa daran, daß der Sohn von dem in einer Entseruung von nur einigen hundert Schritten von seinem Kerker ftattgehabten Morde der Mutter noch Nichts erfahren hatte. „Ich küsse die Mauer, die das Glück hat, Dein holdes Gesicht zu berühren", rief Afka wiederum. „O, Ihr gefühllosen Steine, wie seid Ihr beneidenswerth, an die meine Rosa ihr geliebtes Antlitz lehnt." „Verzweifle nicht, Afka, sei getrost und ruhig; auch unsrer wird sich Gott erbarmen, ganz nahe schon steht die Rettung bevor." „Auf Ihn vertraue ich, und das war es, was mich aufrecht erhalten hat in diesem furchtbaren Elend", entgegnete er. „O, sage mir doch, wo befinden sich meine Eltern?" fuhr er bittend fort, „warum sind sie nicht mit Dir gekommen? Du schweigst? O, Rosa, lasse meine Seele nicht in Angst verkommen. Muß ich denn das Schlimmste, das Allerschlimmste befürchten, Gott verhüte es." „Ich sagte Dir schon, der Vater lebt und ist wohlauf, mein guter, geliebter Afka!" entgegnete Rosa in liebevollem Tone. „Erzähle Du mir lieber —" Aber Jakow unterbrach sie. „Und meine Mutter, unser Mütterchen? Wo ist sie? O, mein Gott, mein Gott, Rosa, Geliebte, so rede doch! Du tödtest mich durch Angst und Qual." „Schreit nicht so laut!" schrie ein Gefängnißwärter in die Zelle hinein, „hier ist lautes Sprechen verboten. Ganz still, oder ich lasse sofort das Fräulein hinwegschaffen." Die Fürstin Lydia, die sich in der Begleitung Rosa's befand, hatte sich mit dem Gefängnißdirector zusammen hinwegbegeben, um die Liebesergüsse der Brautleute, die so lauge getrennt waren, nicht zu stören; sogar der Soldat, der auf dem"Gefängnißgang patrouilliren mußte, hielt sich entfernt, nur ein Gefängnißwärter, ein Mensch mit rothem, borstigem Haar, verblieb in der Nähe Rosa's. Vergebens versuchte es das junge Mädchen, den Mann durch einen Auftrag an den Gefängnißdirector hinwegzubringen, vergebens bot sie ihm Geld an, er erklärte, es sei sein Posten, den er nicht verlassen