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Der Israelit · 1892-04-25 · Heft 33 (25.4.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 33 (25.4.1892)
Date
1892-04-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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623 die Sprache eines afrikanischen Negerstammes! Morgengebet, Tischgebet, Abend- und Nachtgebet in hcil'ger Sprache hören sie nicht, wie können sie diese Sprache, deren Erlernung ihnen nur Mühe verursacht, liebgewinnen, so liebgewinnen, daß sie ihnen zur Sprache des Herzens werde! Toroh ziwoh lonu mosche, moroschoh kehillas Jaakof. Die Thora und ihre heilige Sprache ist das Erbtheil der Gemeinde Jakobs. O, wie könnt ihr Euren Kindern dies Erbe vorenthalten, da von ihm Glück und Unglück, die ganze Zukunft unseres Volkes abhängt! Pfleget den Schatz, den uns unsere Väter in unserer heiligen Sprache in der Thora hinterließen, überliefert ihn treu und ungefälscht Euren Nachkommen, auf daß ein Geschlecht nach uns erstehe, gefestigt im Glauben der Väter, treu in der Beobachtung seiner Lehren und Gebote, ein Geschlecht, das freudig hochhält, zu schützen und zu vertheidigen weiß das alte Panier unseres Volkes, unsere heilige Thora, unsere heilige Sprache. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die „Volkszeitung" berichtet eine „asiatische" Entscheidung der russischen Heiligen Synode, lautend: Verheirathete Juden, welche zur griechisch-orthodoxen Kirche übergetreten sind, dürfen mit Genehmigung der Bischöfe neue Ehen eingehen, wenn ihre Frauen nicht gleichfalls die Taufe empfangen haben. Die „Volkszeitung" bezweifelt, ob sich Juden finden werden, die von dieser Erlaubniß Gebrauch machen. Leipzig. Zwei protestantische Theologen haben sich veranlaßt gesehen, zu der neuesten Erfindung des Herrn Aron Brimann mit der nachstehenden Erklärung Stellung zu nehmen: Am Abend des 16. März wurde in Leipzig als Beilage zu der „Neuen deutschen Zeitung" ein Flugblatt verbreitet, welches die schändliche und verleumderische Lüge, als erlaube die jüdische Religion ihren Bekennern den Mord von Christen und den Gebrauch ihres Blutes, aus eimr Talmudftelle erweisen will. Die mitgetheilte Stelle (Kethuboth 102 b) ist in der Uebersetzung fehlerhaft und böswillig entstellt wiedergegeben, die vorausgeschickte Auslegung aber und die aus der Stelle gezogenen Consequenzen, als handle es sich um Schlachten eines Menschen als Opferlamm, sind wahnwitzige Lügen, durch welche der Haß gegen die Juden geweckt werden soll. — Die Stelle lautet wörtlich übersetzt: „Wenn einer stirbt *) und hinterläßt einen kleinen Sohn seiner Mutter und es sagen die ') Richtiger: Wenn reiner (Jemand) gestorben ist. Erben des Vaters, er soll bei uns aufwachsen, aber die Mutter sagt, er soll bei mir aufwachsen, so soll man ihn bei seiner Mutter lassen und nicht bei einem, der ihn zu beerben berechtigt ist, denn es ist einmal vorgekommen, daß man (einen solchen) ermordete am Vorabend des Passah." **) Die Uebersetzung von rrn wyD mit „es trifft der Fall zu", „nach analogen Fällen geschehe es", ist barer Unsinn, nie und nirgend haben die Worte diesen Sinn, rvn heißt stets nur „ein Geschehniß trat ein, es geschah einmal" und bezeichnet den Beginn einer erzählenden Mittheilung. Das Wort urw bedeutet von Menschen gebraucht niemals die jüdisch-ritulle Schächtung, sondern bezeichnet einfach die grausame Tödtung, das Hinschlachten, das Kehlabschneiden des Menschen; der Gedanke an die rituelle Schächtung in dem Zusammenhang dieser Stelle ist hirnverbrannter Unsinn und schändliche Verleumdung. Die Quelle für diese Talmudstelle findet sich in der Erfurter Handschrift der Tosephta, im Jahre 1882 unter wärmster Befürwortung von Setten Professor Paul de Lagard's, von Dr. M. Zuckermandel herausgegeben, Seite 373 Zeile 22. Hier steht noch ausdrücklich „es geschah einmal einem, daß man ihn am Passahvorabende ermordete." In der angeführten Talmndstelle ist lediglich von Mord aus Habsucht die Rede. Die in dem Flugblatt citirten hebräischen Worte zeigen dieselbe fehlerhafte Punktation wie die Cita» tionen des berüchtigten Schwindlers Brimann, der unter dem Namen Dr. Justus den Judenspiegel schrieb und wie er dem Erstunterzeichneten persönlich eingestand, Prof. A. Rohling Beihilfe bei seinen antisemitischen Machwerken leistete. Das größte Hinderniß zu einem friedlichen und gedeihlichen religiösen Gedankenaustausch zwischen Christen und Juden ist die von blindem Raffenhaß dictirte Verbreitung solcher lügenhaften Gerüchte über die jüdische Religion, wodurch dem Wesen des Christenthums Hohn gesprochen wird; denn was ist das Christenthum anderes als die Botschaft von dem, in welchem sich die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes offenbarte, und welcher Weg Wahrheit und Leben ist. Am 19. März 1892. Pastor W. Fab er, Tschirma b. Greiz. Dr. I o h a n n e s M ü l l e r, Leipzig, Johannisg. 4. **) In älteren Talinndinanuscripten steht nicht: HDDn was (mit dem Artikel) nnhebräisch ist, sondern Ti ly was entweder "ttwin 2iy „am Abend des ersten Tages", oder vielleicht n""i 2"iy „am Vorabend des illenjahrsfestes";it lesen ist.

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