Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 33 (25.4.1892)
- Date
- 1892-04-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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624 Wresche«, 17. April. Zu den Städten unserer Provinz, in welchen alle Bürger in Frieden und Eintracht Zusammenleben, gehört auch die Kreisstadt Schrimm. Daselbst anttirt seit vielen Jahren Herr Neufeld als Hauptlehrer an der israel. Schule. Wiewohl die Stadt mehrere Lehrer, darunter zwei jüdische aufzuweisen hat, ist doch Herrn Neufeld, obwohl Jude, der Unterricht au der Unteroffizierschule vom Regimeute aus übertragen worden. Unlängst hat das dortige Offizierkorps Herrn Hauptlehrer Neufeld das Bildnis; Sr. Majestät unseres Kaisers zum Geschenke überreicht uud hierbei den Dank höheren Orts für den ersprießlichen Unterrricht zu erkennen gegeben. H. Wolfs. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 2. April. Zum neuntenmale wurde heute über die traurige Affaire in der Gewerbe- Vorbereitungsschule zu Währing verhandelt, wobei der israel. Schlosserlehrling Simon Färber durch einen Messerstich des Schuhmacherlehrltngs Heinrich Engelmüller unter judenfeindlichen Schmähungen desselben ein Auge eingebüßt hatte. Wiederholt war der Act zwischen dem Bezirksgerichte Währing und dem Appellsenate des Landesgerichtes unter mehrfachen Vertagungen umhergewandert. Eine Untersuchung gegen Engelmüller wegen schwerer körperlicher Verletzung war wieder eingestellt worden, weil der Stich mit dem Federmesser des Beschuldigten während einer Rauferei zwischen beiden Burschen geführt wurde und auch ohne Absicht erfolgt sein konnte. Das Bezirksgericht Währing hatte jedoch Engelmüller zweimal auch von der Uebertretung der fahrlässigen schweren Beschädigung freigesprochen, indem es nur einen unglücklichen Zufall als die Ursache des Geschehnisses annahm. Der Apellsenat unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Dr. Granichstädten erledigte heute endgilttg den Straffall, indem er über Heinrich Engelmüller eine vierzehntägige Arreststrafe aussprach, da dessen eigene Darstellung den Thatbestand der Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit begründete. Budapest. Die Budapester orthodoxe israel. Gemeinde hatte durch ihr Executivcomttö ein Gesuch an den commandirenden General Fürsten Lobkowitz gerichtet, in welchem derselbe gebeten wird, den Soldaten israelitischer Confession die Theilnahme an der Osterfeier zu ermöglichen. Der Corpscommandant hatte diesem Ansuchen willfahrt und angeordnet, daß die israel. Soldaten während der jüdischen Ostern außerhalb der Kaserne essen dürfen und an den vier Hauptfeiertagen vom Dienste befreit bleiben. Die Pester israel. Gemeinde veranstaltete am Vorabende der Osterfeiertage ein rituelles Abendessen, zu welchem die jüdischen Soldaten als Gäste geladen wurden. Italien. Rom. Am 5. April ist Jsacco Pesaro Maurogöuato, im 70. Lebensjahre gestorben. Sein Patriotismus, sein Charakter, sein großes Talent auf financkellem Gebiete wurde allgemein anerkannt und hochgeschätzt. Im Jahre 1848 wirkte er mit Daniel Manin, dem Präsidenten der Venetianischen Republik zusammen als Finanzminister. Im italienischen Parlament wurde er zwei Mal zum Vice- Präsidenten gewählt. Das Ministerium der Finanzen schlug er aus, weil er es noch nicht an der Zeit hielt, daß ein Jude in Italien Minister werde. Rußland. Wie Gladstone hat sich nun auch der nach ihm bedeutendste Führer der englischen Liberalen Sir William Harcourt über die Judenverfolgungen in Rußland ausgesprochen. Die neueste Nummer von „Darkest Russia“ veröffentlicht nämlich folgendes Schreiben Harcourts an ein Mitglied des Londoner russisch-jüdischen Comitos: So wie Gladstone kann auch ich nicht umhin, mein tiefstes Bedauern und meine Vcrurtheilung über die Behandlung der Juden in Rußland auszudrücken. Wir in England können gar nicht verstehen, aus welchen Gründen man daselbst eine Nation verfolgt, welche überall durch ihren Fleiß, ihre Intelligenz und ihr musterhaftes Benehmen sich auszeichnet. Wir haben in England eine lange Erfahrung bezüglich eines Volksstammes, der gegenwärtig alle Bürgerrechte in vollem Maße genießt, und man darf getrost behaupten, daß kein Theil der Bevölkerung sich würdiger der Rechte zeigt, welche sie jetzt besitzen. Dieses Vorurtheil gegen die Juden (welches zu meinem Bedauern nicht blos in Rußland, sondern auch anderwärts vorherrscht) wird vollständig widerlegt durch unsere Erfahrung, die wir von ihnen in allen Klassen unserer Gesellschaft besitzen, wo wir sie als gute Freunde, gute Mitbürger und gute Unterthanen erkennen und die Beschränkungen und Grausamkeiten, denen die Juden ausgesetzt sind, erscheinen uns nicht blos als ein soziales Verbrechen, sondern auch als ein politischer Fehler. Briefkasten der Redaetion. 8. L. in v. Aufnahme soll gelegentlich erfolgen. Wochen - Kalender. Mittwoch, 27. April, 30. Nissan. rT'Yl '8 UV. Donnerstag, 28. April, 1. Jjar. iV'TI '3 Dl’. Freitag, 29 April, 2. Jjar. Sabbat-Anfang 6 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 30. Apiil, 3. Jjar. ‘2 's s"rDD ,insoi jn?n Sabbat-Ausgang 8 Uhr 05 Min. (Mainzer Uhr.) Der Neumond ist Mittwoch Nacht 38ia/ie Min. nach 12 Uhr.