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Der Israelit · 1892-04-25 · Heft 33 (25.4.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 33 (25.4.1892)
Date
1892-04-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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614 Zeitrritgsuachrichten ttttb Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Mit der neuen Ahlwardt'schen Broschüre, die den Titel: „Neue Enthüllungen — Judenflinten" führt, ist der „Nordd. Allg. Ztg" zufolge die Staatsanwaltschaft bereits befaßt. Das gerichtliche Verfahren gegen Ahlwardt schließt unseres Erachtens eine baldige Erklärung der Militärverwaltung nicht aus. Altona, 14. April. Die Einführung des neuerwählten Oberrabbiners Dr. R o s e n f e l d t wird sich voraussichtlich bis zum kommenden Wochenfest verzögern. Grund hierfür ist, daß die köuigl. Regierung die Wahl nicht bestätigen konnte, weil die Papiere des Oberrabbiners sämmtlich in ungarischer Sprache abgefaßt sind und einer Uebersetzung bedürfen, worüber längere Zeit hingcht. Für die Einführung des Oberrabbiners werden jetzt schon Veranstaltungen getroffen. Samter, 13. April. Heute Nachmittag fand in den Räumen der öffentlichen jüdischen Volksschule Hierselbst die Jahresprüfung der hiesigen mehrklassigen, unter Leitung des Rabb. Dr. Wreschuer stehenden Reltgionsschule statt. Das Kuratorium dieser Anstalt, bestehend aus den Herren Kaufmann G. Kauf, Moritz Holländer, M. Kollenscher, E. Posener und Bäckermeister L. Wagner war zu derselben vollzählig vertreten; außerdem eine große Anzahl von israelitischen Gemeindemitgliedern. Die Leistungen der Schüler waren durchweg recht befriedigend. Die Zahl der Letzteren beträgt gegenwärtig 110 und werden solche außer von dem Gemeinderabbiner von den beiden Lehrern der Volksschule unterrichtet. In Rüdesheim wurde dem isr. Religiouslehrer Salomon Rothschild, der beinahe 51 Jahre, wovon allein nahezu 46 Jahre in Rüdesheim, vorher in Münster und Weier bei Runkel, seines Amtes gewissenhaft waltete, von dem Kgl. Landrath Herrn Wagner das Königlich Preußische Allgemeine Ehrenzeichen mit der Zahl 50 für Verdienste um den Staat überreicht. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie: Wien. Die Anstellung eines zweiten Rabbiners und Predigers, welcher als Substitut dem Rabbiner Dr. Güdemann, besonders aber dem kränklichen Prediger Dr. Jelinek beigegeben werde, ist seitens des Cultusvorstandes nunmehr ernstlich ins Auge gefaßt worden. Der Vorstand hat den hier in jüdischen und christlichen Gelehrtenkretsen im besten Ansehen stehenden, als ausgezeichneten Redner bekannten jungen Gelehrten und einstigen Freqentanten des Hildesheimer'schen Rabbinerseminars, Herrn Dr. David Feuchtwang zu einer Probxpredigt berufen. Diese Probepredigl hat Herr Dr. Feuchtwang Samstag mp'i 'b im großen Leopoldstädter Tempel vor einer dichtgedrängten, andächtig lauschenden Zuhörerschaft, unter welcher sich der gesammte Vorstand der Cultusgemeiude und zahlreiche geladene Honoratioren fanden, unter großem Beifall abgehalten. Der Beifall, den der mit großem oratorischen Talente ausgestattete Redner bei allen seinen Hörern fand, war ein außerordentlicher, aber ein wohlverdienter. Nach Beendigung der mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Predigt, wurde Redner von dem gesummten Cultusvorstande beglückwünscht. Nachmittags 3 Uhr hielt Herr Dr. Feuchtwang wieder im selben Tempel anläßlich des Jugendgottesdienftes der Gymnasial- und Realschüler eine kurze, aber inhaltreiche Ansprache an die zahlreich versammelten Schüler, welchem auch Rabb. Dr. Güdemann, der Präses des Cultusgemeindevorstandes Ritter von Guttmann, Reichstagsabgeordncter Dr. Bloch und sämmtliche Religionslehrer beiwohnten. Wie wir von competentester Seite vernehmen, hat Herr Dr. Feuchtwang alle Aussicht, zweiter Rabbiner und Prediger der Wiener Gemeinde zu werden. H. L. Wien, im April. Bei der Berathung des neuen Armengesetzes kam es im niederösterretchischen Landtage zu einem antisemitischen Skandal. Der bekannte Antisemit Schneider beantragte nämlich: es sei von den israelitischen Cultusgemeindeu auf dem flachen Lande in Niederösterreich eine Million Gulden eiuzuheben als Beitragsleistung für den Landarmeufonds. (Stürmisches Gelächter links, in das auch Dr. Lueger mit einstimmt, und Rufe links: „Welche Gemeinden sollen das zahlen? Baden und Vöslau? Die haben alle zusammengcnommen nicht eine Million Gulden!" Anhaltende Bewegung im ganzen Hause.) Diesen Vorschlag einer Wiederbelebung der mittelalterlichen Judensteuer beantwortete ein sehr angesehener liberaler Abgeordneter, Dumba, mit der Bemerkung: „Ich möchte nur wünschen, daß alle Christen ihre Pflicht gegen die Armen so erfüllen und gegen die Wohlthätigkeit, wie es bei den Juden der Fall ist. Dann würde ich unserem Armengesetz eine glänzende Zukunft Vorhersagen. Wir Christen, ich wiederhole dies, können uns an den Juden in Bezug auf Wohlthätigkeit ein Beispiel nehmen." Bei der Abstimmung siel natürlich der kaum ernst zu nehmende Antrag Schneider durch, selbst der Antisemitenführer Lueger stimmte dagegen. Aber doch fand der Antrag 10 Stimmen, darunter auch die zweier Geistlichen. Der eine dieser letzteren, P. Schnabl, hatte sich schon bei einer anderen antisemitischen Episode durch eine im Munde eines katholischen

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