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Der Israelit · 1892-04-25 · Heft 33 (25.4.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 33 (25.4.1892)
Date
1892-04-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. M gz Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthurn. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 2S. April S6SL (1892). Leitender Artikel. Zur CltlnnenittQ'on Dr. Ketzmann Vst. Von Rabbiner Vr.'Sänger. Immer wieder, wenn der Monat p\j zur Neige geht und jener Abschnitt der heiligen Schrift uns ins Gedächtniß^gerufen wird: ,pnn hu ntra issn □yn öd ^>yi rnpx »anpa 10*6 'n nan nttw »in pnN dti tidn, „Moscheh sprach zu Aharon: Das ist's, was der Ewige geredet, also: an den mir Nahen will ich geheiligt werden und vor dem ganzen Volke will ich verherrlicht werden. Da schwieg Aharon", tritt an die Leser des „Israelit" die schmerzliche Erinnerung an den Hingang des Gründers und Leiters dieses Blattes, an z^vny^ -n n"io y'sfl heran. Tausende und Abertausende haben ihn ja persönlich gekannt mit seiner gewinnenden Liebenswürdigkeit. Viele Tausende schauten ja zu ihm auf, als den stets bereiten Helfer in der Noth, als den bewährten Rathgcber. Und unser ganzes Volk erblickte in ihm den tüchtigen, muthigen Anwalt seineräußeren und inneren Angelegenheiten, den Verfechter seines Glaubens, um den sich Alles schaarte. Die Erinnerung an Dr. Lehmann soll aber nicht den Schmerz um diesen Verlust auf's Neue wachrütteln, sondern belebend auf uns wirken. Als Aharonlzu dem großen Verluste, den er durch^den Tod seiner zwei Söhne erlitten, die gerade im Eifer, ihrem Gotte zu dienen, abberufen wurden, schwieg und seinem großen Schmerze Einhalt gebot, da, so erklären unsere Weisen, habe Gott ihn dafür belohnt, nnan ivy nrp’njE', das Wort Gottes erging an ihn speziell, denn so heißt es: ->dn^ prw 'n -ot’, „Gott redete zu Ahron wie folgt", daßZer und seine Kinder belehren sollen die Kinder Israel über alle Satzungen, weichender Ewige zu ihnen^durch Moscheh geredet. Der „Israelit" hat sich nicht fort und fort in Schmerzenslauten ergangen über den herben Verlust seines Leiters, sondern sofort die der schreibkundigen Hand desselben entfallene Feder aufgegriffen, um gleich dem bisherigen bewährten Führer und Leiter die alten Wege zu wandeln, der Mittelpunkt der jüdischen Interessen zu bleiben, anzuspornen, zu ermuntern, zu belehren und zu helfen. Als Lohn für diese sofort aufgenommene und weiter geführte hohe Aufgabe darf der „Israelit" freudig auf das hohe Interesse blicken, das ihm allseitig cntgegengebracht wird. Um dieses Interesse wach zu halten, um im Sinne und Geiste von Dr. Lehmann ^"ä? zu handeln, möchten wir besonders die Lehrer und Führer unseres Volkes aufrufcil, mitzuwirken, zusammenzustehen und mitzuhelfen, auch ferner das Volk aufzuklären. — Wenn heute auch scheinbar weniger Kampf nöthig ist, weil wir in dem Festhalten an unserem Gottesgesetze nicht mehr in früherer Weise gehindert sind, so ist aber die Gleichgiltigkeit, die unserem Glauben so vielfach entgegengebracht wird, die allgemeine Mißachtung des jüdischen Gesetzes, das Sichhinwegsetzen über die wichtigsten Gebote der nun eine so große, wie kaum zu den Zeiten der ersten Reform. Das religiöse Gefühl der Neuzeit, und nicht nur bei den Juden in den Städten, sondern in gleichem Maaße bei den Juden auf dem Lande, ist derart geschwunden, daß es den wahrhaften Jehudi tief betrüben muß. Wir dürfen nicht ruhen und rasten; beleben, erwecken und belehren durch Wort und That, im engeren und weiteren Kreise, das ist eine heilige Aufgabe heute für Alle, deren Herz warm schlägt für ihren Glauben. Es ist traurig und beschämend genug, daß nichtjüdische Männer auf diesen offenkundigen Verfall des jüdischen Glaubens Hinweisen, llm so mehr ist cs Pflicht, gegen diese Schäden aufzutreten, Mittel und Wege unermüdlich zu suchen, wie dem abzuhelfen ist. Möge die Erinnerung an den für seinen Väterglauben so feurig eiugetretenen Begründer dieses Blattes, nach dieser Richtung ganz besonders aneifern. Das wäre der schönste Lohn und würde des schönsten Lohnes sicher sein.

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