Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 31-32 (21.4.1892)
- Date
- 1892-04-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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607 Igel einen schweren Verlust erlitten. Dr. Igel war nicht blos ein großer Gelehrter, ein hervorragender Theologe, sondern auch ein edler Mensch. Im Jahre 1849 wurde er zum Docenten für semitische Sprache an der Lemberger k. k. Universität ernannt und zur Ertheilung des daselbst zum ersten Male eingeführten Religionsunterrichtes an den Mittelschulen berufen. Durch seinen „syrischen Wegweiser" hat er sich einen glänzenden Namen als Schriftsteller erworben. Im Jahre 1855 wurde er zum Kreisrabbiner nach Czernowitz berufen, und nach Lostrennung der Bukowina von Galizien zum Landesrabbiner von Czernowitz ernannt. Trotz der ausgebreiteten Berufsthätigkeit war er auch schriftstellerisch thätig und machten seine Beiträge in deutschen und hebräischen Zeitschriften und seine ausgezeichnete, deutsche Uebersetzung der Moraltheologie von Professor S. D. Luzatto Aufsehen. Seit einer Reihe von Jahren war Dr. Igel Mitglied des Czernowitzer k. k. Schulrathes, ebenso der Prüfungscommission für Lehramtscaudidaten. Für sein patriotisches und gemeinnütziges Wirken wurde er von Sr. Majestät mit dem goldenen Verdienftkreuz ausgezeichnet. Das Leichenbegängniß fand unter zahlreicher Theilnahme der Gesammtbevölkerung statt. Landespräsident Graf Pace, Landeshauptmann Baron Wassilko, Erzbischof Dr. Sylvester Morarin-Andriewicz, der römisch-katholische Ehrendomherr Pfarrer Tobiaszek, das evangelische Presbyterium, zahlreiche Geistlichkeit, der Bürgermeister v. Kochanowski, die gesammte Schuljugend des Staatsobergymnasiums, der Oberrealschule und der Volksschulen mit den Lehrkörpern, die Vukowinar Reichsabgeordneten, der Gemeinderath und zahlreiche Korporationen geleiteten den Sarg in den Tempel, wo der Lemberger Landesrabbiner Dr. Caro sprach. Einige Schritte vor dem offenen Grabe sprachen in längerer Rede die Rabbiner Knnstadt und Vursztyn. Rußland. Petersburg, 2. April. Das von Baron Hirsch bestellte Comitö zur Begünstigung und Förderung der Auswanderung der russischen Juden hat an die Regierung soeben das Ansuchen um Genehmigung des Reglements gerichtet, unter welchem die Auswanderung sich vollziehen soll. Das Comite hofft, daß diese Genehmigung bald ertheilt werden und daß es seine Thätigkeit unverweilt werde beginnen können. Die Auswanderer sollen in zwei Kategorien eingetheilt werden: in solche, welche noch über einige Mittel verfügen, so daß das Comite sich darauf beschränken kann, die Auswanderung derselben zu leiten und sie in Argentinien mit Grundparzellen zu betheilen, und in solche, welche aller Mittel entblößt sind und denen auch die Kosten der Ueberfahrt im Betrage von fünfhundert Rubel per Kopf bezahlt werden müssen. Da indessen die in Argentinien zu gründenden Kolonien noch nicht vollständig organisirt sind, wird das Comittz bestrebt sein, die Zahl der Auswanderer in diesem Jahre noch so viel als möglich zu beschränken, und die Agenten desselben bemühen sich schon jetzt, durch entsprechende Rathschläge und Aufklärungen die Auswanderungslust der Juden zu zügeln ' und die Auswanderung zu einer langsamen und allmählichen zu gestalten. Diese Bemühungen werden durch die Thatsache unterstützt, daß bic deutsche Regierung in jüngster Zeit die Auswanderung durch Abschließen der Grenze erschwert hat, mit der Begründung, daß die in den deutschen Hafen ankernden Schiffe den Transport der Auswanderer nach Nordamerika verweigern, daß mau dieselben dort nicht ausschiffen lasse und daß ein solcher Zuwachs der einheimischen Bevölkerung den wirthschaftlichen Interessen des deutschen Volkes höchst abträglich wäre. Das erwähnte Counts wird daher die Auswanderung der Juden nach Südamerika derart organisiren, daß dieselbe in Gruppen zu je hundert Mann vor sich geht. P a l ä st i n a. Jerusalem, im Adar. Aus Persien sind innerhalb eines sehr kurzem Zeitraumes mehr als 300 Juden eingewandert, die, obgleich Handwerker, keine Arbeit finden konnten und welche, um ihr Leben zu fristen, von Haus zu Haus bettelten. In Folge dieses wurden sie von der Polizei verhaftet. — Erst durch die Bemühung des Oberrabbinats der Sephardimgemeinde beim Pascha, wurden sie freigelassen unter der Bedingung, daß sie nach und nach fortgeschickt werden. Zur Aufbringung der nöthigen Reisekosten bildete sich ein (Sontite aus den Herren Louis Ungar, Dr. Wallach, Dr. Feuchtwan g e r, E. Cohen und A. A d e l ma nn, welches gemeinschaftlich mit zwei Vorstandsmitgliedern der Sephardim- und Aschkenasim- Gemeinden eine Versammlung veranstaltete und beschloß, die Hilfe der edlen Wohlthäter des Auslanc.es für diesen so dringenden Fall in Anspruch zu nehmen; bis jetzt sind von verschiedenen Stellen 6500 Francs zu diesem Zweck angewiesen worden. In der von Herrn A d c l m a n n gegründeten Suppenanstalt kostet die Mahlzeit nicht, wie berichtet wurde, 15 Pfg.. sondern nur 5 Pfg.; alten, schwachen oder verschämten Armen wird sogar täglich je eine Portion Speise ins Haus geschickt. Es ist überflüssig die Freunde Zions an diese überaus wohlthätig wirkende Anstalt zu erinnern; aber ich halte mich verpflichtet mitzutheilen , daß dieselbe aus