Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 31-32 (21.4.1892)
- Date
- 1892-04-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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606 wohnlich längere Zeit vorher über die Hochzeitsbestimmung sich benehmen, wenn sie dieselben unfern ergebenen Vorschlag an's Herz legen würden. P. M. H. Wechsler. Anmerkung der Redaction. C?§ wäre wünschenswerth, wenir auch in den großen jüdischen Zentren wie Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg?c. sich Männer, gleich Herrn Wechsler, bereit finden ließen, die Besorgung von Palästinatelegrammen ans die genannte Weise zu übernehmen. Die Einrichtung würde für das Publicum alsdann eine bedeutend bequemere werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. GLetzerr, 8. April. Gegen die s. Z. von uns gemeldete Verurtheilung des antisemitischen Schriftführers Conrad Haub zu 2 Monaten Gefängniß seitens des Schöffengerichts in Butzbach hatte der Verurtheilte Berufung eingelegt. Die Sache kam heute vor der hiesigen Strafkammer nochmals zur Verhandlung und endete mit der Verurtheilung des Angeklagten zu 1 Monat Gefängniß. Haub hatte s. Z. einen Israeliten ohne jeden Anlaß angegriffen und mißhandelt. Romrod, 8. April. Vorige Woche haben die Nachbar-Gemeinden Obergleen und Kirtorf ihren Lehrer Herrn Kahn, einen ehrwürdigen Greis, zu Grabe getragen. Derselbe hat seine Berufsthätigkeit mit dem zwanzigsten Lebensjahre in den genannten Gemeinden begonnen und 70 Jahre daselbst gewirkt. Trauernd und tiefbewegt umstanden die Gemeindemitglieder beider Gemeinden, die alle seine Schüler waren, seinen Sarg, denn sein Verlust ist unersetzlich. Mit Ehrfurcht und tiefer Verehrung sprachen sie stets von ihrem Lehrer, und das mit vollem Recht; denn er hat sie zu ehrenhaften und gottesfürchtigen Jehudim herangebildet und mit tüchtigen Kenntnissen für ihren Lebensweg ausgerüstet. Der Verstorbene war ein und ein wahrhaft frommer Mann, er erfreute sich trotz seines hohen Alters — er war 90 Jahre alt — einer seltenen körperlichen Rüstigkeil und geistiger Frische, so daß er sich nie einer Brille bediente und sein Lehr- und Kantoramt bis vor einigen Monaten versehen konnte. L. Aber buch, Lehrer. Breslau, im April. Die Judenverfolgungen nehmen in Rußland ungehemmt ihren Fortgang. In Nowa Dewor wurden, wie der „Bdh." aus Petersburg geschrieben wird, 150 in einer Synagoge versammelte Juden von betrunkenen Soldaten überfallen, welche Thüren und Fenster einschlugen. Die Polizei erschien zur Herstellung der Ordnung und Aufnahme des Thatbestandes. Wiewohl ihr Bericht der Wahrheit entsprach, schenkte der General- Gouverneur Gnrko der Darstellung der Soldaten Glauben, welche Vorgaben von den Juden angegriffen worden zu sein, und ließ alle Juden, deren Namen notirt worden waren, nach Sibirien schicken; 80 derselben wurden durch 9 Wochen ins Gefängniß gesperrt und sodann ohne weiteres Verhör nach Sibirien deportirt. Eine Anzahl entzog sich der Gefangennahme durch die Flucht und Auswanderung. Hörde in Westfalen, 6. April. Auf Veranlassung der Regierung waren die Kinder der jüd. Eltern, 28 an der Zahl, aus der Komunalvolksschule ansgewiesen worden. Die Sache kam bekanntlich im Abgeordnetenhause zur Sprache, bei welcher Gelegenheit sich der Minister Herr von Zedlitz gegen die Verfügung der Regierung ausfprach. Diese Erklärung hat den Erfolg gehabt, daß ein Theil unserer Simultanschule gerettet ist; die israelitischen Kinder haben jetzt wieder ihren Einzug in die Volksschule gehalten. Aergerlich hierüber sind nur Wenige, die es nicht gerne sahen, daß der jüdische Lehrer ihre Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichte. O e st e r r. - ll n g a r. Monarchie: Linz, 4. April. Im Landtage begründete Ebenhoch einen Antrag auf Vermehrung der katholischen Vertreter im Landesschulrathe und Ausscheidung des israelitischen Vertretes. Der Statthalter sprach entschieden gegen eine Abänderung der Schulaufsicht; die katholische Kirche bedürfe keiner verstärkten Vertretung, und es gehe nicht an, der israelitischen Confefsion ihr gesetzliches Recht zu entziehen. Bischof Doppelbauer wendet sich gegen das Volksschulgesetz, das manches Unkirchliche und Unchristliche enthalte; die Kirche werde niemals die Omnipotenz des Staates in religiösen Sachen anerkennen. Strnad beantragt eine Resolution, in welcher die Regierung aufgefordert wird, die schon so oft vom Landtage geforderte Schulqesetz-Aenderung auszuführen, damit endlich bessere Schul - resultate erzielt werden. Edelbacher (Liberal) bezeichuete Strmads Klage über die Schule als eine Pauschal- und Spezialdenunciation. Die Schulaufsicht des Staates erstrecke sich nicht auf die Kirche, sondern auf den Religionsunterricht. Der Zweck des Antrags Ebenhoch sei die Herrschaft des Klerus über die Schule. Die Klerikalen wollen durch verstärkte katholische Vertretung im Wege der Landesgesetzgebung die konfessionelle Schule erreichen. Bahr sagt, es liege kein Anlaß zu Aenderung vor. Der Landtag nahm den Antrag wegen Aenderung der Zusammensetzung desLandesschulrathes im kathol. Sinne an. Die Linke betheiligte sich nicht an der Spezialdebatte und Abstimmung. Czernowitz Die hiesige isr. Cultusgemeinde hat durch das Hinscheiden des Landrabbiners Dr.