Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 31-32 (21.4.1892)
- Date
- 1892-04-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Mangel an Mitteln nur über rios erhalten werden kann, wenn ihr nicht von Auswärts genügende Spenden zukommen. Bezüglich der Mehlvertheilung des Mr. Scott Moncrief, welche in Nr. 6 des „Israelit" erwähnt ist, ist zu berichten, daß sehr viele hiesige Arme diese Unterstützung nicht annehmen, aus Befürchtung, daß möglicherweise Herr Moncrief der Abgesandte einer Missions Gesellschaft sein könnte. Jerusalem. Der zwölfte Rechenschaftsbericht des Central-Comites der „vereinigten Jsr. Aschkenasim Gemeinden in Jerusalem" Werst als Ausgaben 769,479 Piaster aus, denen eine Einnahme von 713,916 Piaster gegenüberstehen, schließt somit mit einem Deficit von 84,255 P. ab. Im Berichte ist an unsere bewährten Zionsfreunde nebst dem herzlichsten Dank die dringende Bitte gerichtet, auch im laufenden Jahre der Bedrängten des h. Landes liebend zu gedenken und sie mit reichlichen Gaben kräftig unterstützen zu wollen. Jerusalem, 10. April. Zu meiner Freude kann ich mittheilen, daß diese Woche die auf die Ufer des Meeres, welche Syrien umgeben, bisher streng gehaltene Quarantäne aufgehoben, und die Thore des heiligen Landes wieder eröffnet wurden. Nun sind die Lebensmittel, welche in Folge der Quarantäne sehr theuer waren und die Einwohner unserer Stadt, besonders unsere arme Brüder in Noth und Drangsal brachten, wieder billiger geworden. Mr. Scott Moncrieff hat diese Woche hier eine Suppenstation für arme Israeliten eröffnet. Zwei Fabriken, eine Cichorien- und eine Seifenfabrik wurden hier vorige Woche von Juden gegründet. Israel Cohen. -£* Vermischtes. Frankfurt a. M. Der Verwaltungsbericht in der Einladungsschrift zu der Samstag den 9. April 1892 stattgefundenen öffentlichen Prüfung der israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a. M. constatirt daß im abgelaufenen Jahre sich die Anstalten in erfreulicher Weise weiter entwickelt haben. Das Haus steht auf den Namen der „Israelitischen Religiousschule" und wird seiner Bestimmung gemäß alltäglich zum Unterricht und zum Studium in der Lehre des Judenthums benutzt. Die Aula dient außer zum Unterricht und zu den Prüfungen auch zur Abhaltung der Schülergottcsdienste. ' Die Anzahl der in der Religiousschule und im städtischen Gymnasium unterrichteten Schüler beträgt 291 (181 Schüler, 110 Schülerinnen.) Die mit der Religionsschule verbundene Vorbereitungsschule für den Rabbincrbcruf hat dieselbe Anzahl von Schülern gehabt, wie im vergangenen Jahr, darunter 4, die bereits das Abiturienten-Examcn gemacht hatten. Drei von ihnen gehören noch der Anstalt an, während einer in das Rabbinersemiuar des Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer in Berlin eingetreten ist. Auch die Vorlesungen der Herren Rabbiner Dr. Horovitz, Dr. Grünbaum, Jacob S. Posen und S. Unna am „Forschungshause" erfreuen sich andauernd eines guten Besuches. Baare Geschenke und Vermächtnisse gingen in Höhe von Mk. 4271 ein. Diesem Berichte geht eine interessante Abhandlung des Herrn Rabbiner Dr. Horoviu über die Frankfurter Schulen voran, in der die confessionellen Verhältnisse und der jüdische Rellgionsnnterricht in desselben eingehend besprochen werden. Berlin, 7. April. Wenn es dem Herrn Stöcker und seinen Genossen von der „Kreuzztg." auch noch nicht gelungen, einen rituellen Mord in Berlin zu entdecken, so zeitigte ihre Judenhetze doch schon recht hübsche Früchte. Eine Lokalkorrespondenz meldet: Bei dem schönen Wetter am Dienstag ging ein Herr mit seiner Gattin im Friedrichshain spazieren und wurde Zeuge folgenden recht bezeichnenden Vorfalls: Etwa fünf 12—13jährigc Buben warfen einen höchstens 19jährigen Knaben mit großer Vehemenz in den Sand. Dann sprangen sie hinzu und pufften den am Boden liegenden Knaben mit ihren Fäusten kräftig ins Genick. Eine Frau aus dem Volke drohte den kleinen Rowdies, diese ließen nun zwar von ihrem Opfer ab, sie riefen aber: „Ach, was schadet denn das! Es ist ja nur ein Judenjunge!" Diesmal hatten sie die Rechnung allerdings ohne den Wirth gemacht, der oben erwähnte Spaziergänger, weder Jude noch Judenknecht, sondern _ Vollblut - germane ist, hörte diese Worte und fuhr so energisch mit seinem Stocke darein, daß die kleine Bande den Rücken krümmend eiligst Reißaus nahm. Bornheiin (Rhein.) Bei einör zu Gunsten der russ. Juden abgehaltmen Kollekte zeichnete die durch ihre edle Gesinnung und ihr Wohlthun hochgeehrte Frau Baronin von Diergardt 200 Mk., ihr edler Sohn, Herr Freiherr von Diergardt 300 Mk. Möchten sich unsere Freunde mehren. — Die hiesige Gemeinde, welche ein schönes Gotteshaus besitzt, will in diesem Jahre zum Baue einer Schule schreiten. Büren in Westfalen. Unsere Synagoge erhielt dieser Tage eine neue Zierde durch die Schenkung eines prachtvoll'ausgestatteten nme, welches Frau Ettlinger aus Newyork, geb. Danuenheimcr aus Marburg, unserer Gemeinde schenkte. Dasselbe ist bei Hru. B. Grüuebaum, hebr. Buchhdl. Cassel, angefcrtigt worden. __A. A r o n st ein, Vorsteher. Bei der Lebensversicherungs und Ersparnis Bank in Stuttgart sind im Januar Versicherungs-Anträge über Mk. 3,541,360 gegen Mk. 1,845,000 im Januar 1891, also mehr Mk. 1,696,360 eingekommen. Im Februar wurde erzielt Anträge über Mk. '3,458,900 gegenüber Mk. 2,218,200 im Februar des Vorjahrs, also mehr Mk. 1,240,700. Jnsgesammt beträgt somit das Plus gegen das Vorjahr bis Ende Februar nahezu 3 Millionen Mark. Das Geschäft hat sich also im neuen Jahre sehr günstig weiter entwickelt. Dividende für 1892 nach Plan A II 40°/0 der lebenslänglichen und extra 20°/o der alternativen Zusatz-Prämie; nach Plan L 3«/g der Gesammtprämiensumme. Der Versicherungsnand beläuft sich derzeit auf rund 348 Millionen Mark.