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Der Israelit · 1892-04-21 · Heft 31-32 (21.4.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 31-32 (21.4.1892)
Date
1892-04-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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594 teln der Lüge und Verdächtigung habe die Opposition im niederösterreichischen Landtage gegriffen, indem sie öffentlich verkündete, daß 90 Procent der vom Schulverein angestellten Lehrer Juden seien und daß eine größere Anzahl Judenschulen vom Vereine subventionirt werde. An den Schulen des Deutschen Schulvereins wirkt kein einziger jüdischer Lehrer, da dies nach dem Schulgesetze nicht zulässig ist, und in den letzten Jahren ereignete es sich nicht ein einzigesmal, daß eine jüdische Schule eine Subvention erhielt; es trat eben der Fall nicht ein, daß an den Verein ein diesbezügliches Gesuch gerichtet wurde. Es sei zu bedauern, daß Deutsche in so ernster Zeit ihr Hauptvergnügen darin finden, daß sie den Kampf im eigenen Lager fördern; Einer will nationaler gesinnt sein, als der Andere, Nörgelei und Scheelsucht machen das so dringend nothwendige gemeinsame Arbeiten im Dienste der nationalen Idee unmöglich und hemmen so den Fortschritt. Auf dem Gebiete seiner eigentlichen Thätigkeit, in Böhmen, wo die nationalen Gegensätze immer schärfer werden, habe der Schulverein einen harten Kampf zu bestehen. Position um Position mache man ihm streitig, immer weiter dringe die Slavisirung vor, urdeutsche Gegenden werden von derselben ernstlich bedroht; um so dringender ergeht der Mahnruf an alle Deutschen, den Deutschen Schulverein kräftigst zu unterstützen und den Maulwurfsarbeiten derer, die durch ihre Sonderbestrebungen die ärgsten Feinde des Deutschthums sind, entschiedenst entgegenzutreten. M a r o c c o. In Nr. 11 des „Export", Organ des Centralvereins für Handelsgeographie, ist ein Vortrag des Herrn Dr. Jannasch über „Marokko" und die marokkanische Frage, abgedruckt, in dem folgende Stelle über die Juden vorkommt: „Die Juden sind vorzugsweise in den Städten in den Ghettos konzentrirt. Sie finden sich aber auch in den kleinen Ortschaften, auf dem Lande und selbst in den Oasen der nordwestafrikanischen Steppenländer. Sie vertreten in Marokko auch die Interessen des internationalen Handels und ihre Verbindungen erstrecken sich ebenso wohl bis nach London, Paris, Hamburg, Marseille, Genua wie nach Timbuktn, und zweifellos werden durch ihre Handelsverbindungen in Marokko vielfältig europäische Ideen und Anschauungen eingeschmuggelt. Uebrigens geben die armen marokkanischen Juden auch die tüchtigsten Handwerker ab. Sie sind ebenso gut Schmiede, wie auch Tischler, und ihre Holzarbeiten sind jedenfalls denen ihrer anderen Konkurrenten überlegen. Ebenso sind sie in der Lederindustrie vertreten. Es läßt sich nicht leugnen, daß die im marokkanischen Gewerbe auftretende Neigung zur kunstgewerblichen Technik vorzugsweise durch das jüdische Element vertreten wird. ES mögen in Summa in Marokko und den südlichen Nebenländern etwa 120,000 Juden existiren." Das klingt denn doch etwas anders als die so häufig wiederkehrende Behauptung der antisemitischen Schreihälse, daß die Juden „arbeitsscheues Gesindel" seien, welches nur vom Wucher und Schacher lebe. Dort, wo ihnen die Verhältnisse die Antheilnahme an den gesellschaftlichen Arbeiten gestatten, haben sie von jeher auf den von ihnen kultivirten Gebieten Bedeutendes geleistet. vermischtes. E. Die israel. Gemeinde zu Heusenstamm hat durch den am 6. erfolgten Hintritt des Herrn Hirsch R o l lm a n n einen schmerzlichen Verlust erlitten. Derselbe bekleidete viele Jahre hindurch das Amt des ersten Vorstandes in der Gemeinde mit Gewissenhaftigkeit und Treue. Bei seiner Beerdigung, an der sich sehr viele Nichtjuden und der Großh. Bürgermeister betheiligte, mußte wegen des py ecnn von einer Trauerrede abgesehen werden. Feuilleton. Der Hünffling des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Ion. Lehmann, vr. Ml. (34. Fortsetzung.) Lydia sagte ihrem Vater, daß sie sich durch die jüngsten Erlebnisse in einem nervösen, leidenden Zustande befände, und daß sie deßhalb sich von den gesellschaftlichen Freuden der Stadt auf einige Wochen zurückziehen werde. Sie begab sich auf die Villa, in der Rosa weilte, und der einzige Zweck ihres Aufenthaltes auf diesem Schlosse war. mit Rosa zu überlegen, auf welche Weise es möglich sein würde, den nun schon so lange eingekerkerten jungen Mann zu befreien. Es war nun schon länger als eine Woche, daß Rosa auf dem Landgute des Gouverneurs weilte; hatte sie auch durch ihr stilles, bescheidenes Wesen, das so himmelweit entfernt war von allen Künsten der Koketterie und des absichtlichen Gefallenwollens, die Gunst der Fürstin Lydia und des Gouverneurs sich in vollem Maße erworben und so ihre eigene Lage sehr verbessert, so war doch der Zustand ihres Gemüthes so sehr von düsterem, verzweiflungsvollen Grame umschleiert, daß ihr das Leben schier zur Last wurde. Nur Eines hielt sie aufrecht in dem tiefen, furchtbaren Leid, das über ie gekommen war, und das war die Hoffnung, )ie Hoffnung aus bessere Tage, die Hoffnung, daß es ihr einst wieder vergönnt sein werde, mit denen, die sie liebte, vereint zu werden. Schon an dem Tage, der der blutigen Nacht der Judenmetzelei folgte, hatte sie erfahren, daß man ihr väterliches

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