Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 31-32 (21.4.1892)
- Date
- 1892-04-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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593 in Höhe von Mk. 1,1V verursacht, völlig in der Luft schwebt. Doch was thut das? Der Leser des Böckel'schen Leibblattes ist ein dummer Kerl, der den Kniff nicht merkt. Er hat auch keine Ahnung davon, daß gemeinnützige Institute wie Post,'Telegraphen u. s. w. bezüglich ihrer Wirksamkeit lediglich nach fiskalischen Gesichtspunkten beurtheilt werden dürfen. Er erfährt, daß die Postverwaltung bent nichtsnutzigen Juden Mosse jährlich 324,000 Mk. schenke und ballt vor Entrüstung seine biedere germanische Faust. Mehr verlangt man nicht. Das Hetzen ist eben die Hauptsache. Hannover, 11. April. Der „Wes. Ztg. wird von hier geschrieben: Die Redaktion der antisemitischen „Hann. Post" wird seit kurzer Zeit und zwar nachdem Herr Hans Leuß wegen Differenzen mit dem Verleger über die Form der Behandlung der letzten viel besprochenen Kaiserrede ausgetreten ist, nominell von einem Herrn G. Wiechmann, thatsächlich aber von einer ganz anderen Persönlichkeit geführt und zwar ist dies Herr M. de Jonge, dessen Prozeß s. Z. die Spalten der Zeitungen füllte. Der Ton der „Hann. Post" ist seit diesem Redaktionswechsel noch erheblich giftiger und antisemitischer geworden. Weilburg, 12. April. Das Kriegsgericht des 11. Korps zu Kassel verurtheilte den Premierlieutenant von Rantzau, der den Kaufmann D. Dreyfus in einem hiesigen Gasthof durch eine antisemitische Aeußerung beleidigt hatte, zu einer Geldstrafe von fünf Mark und sprach dem Verletzten Publikationsbefugniß des Urtheils zu. Aus Baden, 12. April. Die „Badische Landpoft" knüpft an ihre in Nr. 79 vom 2. April gegebene Mittheilung über den Selbstmord des Landraths Wagner in Schwanheim (Eberbach) den Commentar, daß W. Einer unter Mehreren sei, die in letzter Zeit finanziell sehr heruntergekommen seien; daran sollen nach dem genannten Blatte die „sich von dem Marke des deutschen Bauernstandes nährenden jüdischen Schmarotzer" schuld sein. Vom „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" eingezogene sorgfältige Erkundigungen haben ergeben, daß die Veranlassung zu dem Selbstmorde des W. einestheils in einer Bürgschaftsleistung über 1500 Mark bei einer der dortigen Darlehenskassen, anderntheils in der bis zu einer Höhe von 4000 Mark angeschwollenen Schuldenlast des Unglücklichen zu suchen ist. Die tiefer gelegenen Ursachen des finanziellen Zurückkommens sind aber keineswegs auf wucherische Ausbeutung Seitens der Juden, die der Antisemitismus so gern zum Sündenbock für Alles machen möchte, sondern lediglich auf Leichtsinn und schlechte Wirtschaftsführung Seitens des W. zurückzuführen. Auch der aus diesen Folgen sich entwickelnde Unfriede in der Familie ist nicht ohne Antheil an dem Unglück. Mit welchem Rechte bei dieser Sachlage den Juden auch noch die Verantwortung für die Charakterschwächen anderer Leute aufgebürdet werden, das dürfen wir wohl getrost dem gesunden Urtheile der Verständigen überlassen. Halle. Der „Deutsch-soziale Verein" in Halle, der seine Hauptaufgabe in der konfessionellen Verhetzung erblickt, sandte kürzlich an die konservative „Halle'sche Zeitung" und an den „Generalanzeiger für Halle", sowie ferner an die „Saale-Zeitnng" Annoncen, durch welche die deutschen Eltern aufgefordert wurden, Konfirmationskleider n. s. w. doch nicht bei Juden, sondern ausschließlich bei christlichen Geschäftsleuten zu kaufen. Der „Generalanzeiger" schickte die Annonce mit einer ausführlichen Begründung der Nichtanfnahme zurück, die „Saale-Zeitung" that dasselbe mit der lakonischen Randbemerkung, „zur Aufnahme nicht geeignet". Nur die „Halle'sche Ztg." hatte den „Muth", sogar an sehr hervorragender Stelle die Annonce zu bringen. Stolz ging der Kassenwart des Deutsch-sozialen Vereins einige Tage später nach der Expedition, um die Annonce zu bezahlen, aber o weh, wie ward ihm da, als er das bekümmerte Gesicht des stellvertretenden Annoncen- Redakteurs sah. Der Annoncenchefredakteur war krank gewesen und in seiner Unschuld hatte sein Vertreter die ihm vielleicht sympathische Annonce passiren lassen. Als dann im Laufe des Sonnabends der Annoncensammler zu den jüdischen Geschäftsleuten in Halle gekommen war, um die Aufträge für die kommende Woche zu holen, war er natürlich überall abgeblitzt. Der kranke Redakteur hatte nun vor Schreck seine Genesung beschleunigt, um am nächsten Sonnabend an hervorragender Stelle bei den Juden pater peccavi zu sagen. Jedenfalls bilden die Nummern der „Hall. Ztg." vom 21. bis 26. März eine so seltene Erscheinung, wie dieses konservative Blatt sie niemals geboten hat: eine ganze Woche ohne jüdische Inserate! Das machte sich im Kassenabschluß der ohnehin nicht mit Glücksgütern gesegneten Administration schmerzlich fühlbar. Den jüdischen Geschäftsleuten in Halle kann man zu diesem Akt der Selbsthülfc nur Glück wünschen. Derselbe verdient auch anderwärts nachgeahmt zu werden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 15. April. In der kürzlich unter dem Vorsitze des Obmannes Dr. Ger lZ'. abgehaltenen Versammlung der Frauen- und Männer-Ortsgruppe des Deutschen Schulvereins im drittens ezirke führte Reichsraths-Abgeordneter Professor K.raHs ander Hand von statistischen Daten aus, daß in der^letzten Zeit ein Niedergang der Schulvereins-Organisation zu konstatiren sei. Schuld hieran tragen die Zwistigkeiten unter den Deutschen, unter denen heute Jene das große Wort führen, welche abseits*'von der That nur durch Phrasen allein ihr nationales Bestreben zu bethätigen suchen. Mit'der7Frivolttät sondergleichen werde der Schulverein zum Gegenstände gehässiger Angriffe und ver leumderischer Beschuldigungen gemacht. Zu den verwerflichsten Mit-