Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 31-32 (21.4.1892)
- Date
- 1892-04-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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590 Tag gelegt hat, sich zum Abdruck eines so ausgesprochenen antisemitischen Programmes nicht verstanden haben, es fühlt sich auch nicht recht wohl dabei, denn cs bezeichnet die drei ersten Thesen als „zu weitgehend" und ärgert sich in seiner neuesten Nummer über ein kleines, in der Nähe von Köln erscheinendes jüdisches Blättchen, das in falscher Auffassung die Thesen als von der Redaction der „K. V." ausgehend angesehen hat. Wir glauben deßhalb keinen geeigneteren Zeitpunkt als den gegenwärtigen Moment zu finden, um die Leiter des Centrum's auf eine vor Kurzem erschienene Schrift, auf welche bereits in Nr. 102 des vorigen Jahrgangs von München aus hingewiesen wurde, aufmerksam zu machen. Vielleicht besinnt man sich auf sein besseres Ich und läßt ab von einer Hetze, die den Katholiken Deutschlands weder zur Ehre, noch zum Nutzen gereichen dürste. Es wird in dieser Schrift schlagend nachgewiesen, wie die Gehässigkeit gegen Juden und Judenthum mit den fundamentalen Lehren der katholischen Kirche in Widerspruch steht, und wie derjenige, der antisemitischen Tendenzen huldigt, keinen Anspruch darauf machen kann, als guter Katholik zu gelten. *) Der Verfasser steht auf streng kirchlichem Boden, in Folge dessen seine Voraussetzungen und Folgerungen in verschiedenen Punkten selbstredend nicht mit den unsrigen übereinstimmen. Um so nachhaltiger müssen jedoch seine Ausführungen gerade bei seinen Glaubensgenossen, an welche die Broschüre sich richtet, wirken. — Dieser speciffsch katholische Standpunkt wird in den ersten Kapiteln der Schrift eingehend präcisirt. Das Buch beginnt mit den Worten: „Es gibt ein Volk, dem alle Völker der „Erde zu großem Danke verpflichtet sind. Es „ist jenes Volk, dem unter allen Kulturvölkern „der Vergangenheit unbedingt der erste Platz „gebührt, es ist das Volk der Juden." Von der Reichhaltigkeit der 77 Seiten umfassenden Schrift kann man sich schon aus den Titeln der einzelnen Capitel ein Urtheil bilden: Judenverfolgungen, Veranlassung zu den Judenverfolgungen, Christenmorde und Verunehrung heiliger Hostien, Verhalten der Päpste und des Klerus gegen die Juden, Festhalten der Juden an ihrem Glauben und ihren Stammeseigenheiten, Judenwucher, der rituelle Mord, Dankbarkeit der Juden gegen die Päpste und den Klerus, der Talmud, der Talmud und die Auslegung der Thora in der Gegenwart und endlich der — Antisemitismus. *) Der Titel der Broschüre lautet: „Die Kirche und die Juden" von Tr. Friedrich Frank, Pfarrer und Landtagsabgeordneter in München. — Verlags-Anstalt vorm. I. G. Mans in Regensburg. Preis 1 Mark. Wir können uns nicht versagen, die Ausführungen des Verfassers über letztern Punkt hier wörtlich folgen zu lassen: Am 13. Juni 1886 ist in Kassel die „deutsche antisemitische Vereinigung" — gegründet worden, die sich allmählich über ganz Deutschland erstrecken soll. Sie will den Glauben der Juden nicht antasten, sie bezweckt vielmehr, den überhandnehmenden Einfluß der Judenschaft auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in gesetzlicher Weise zu bekämpfen. Sie betrachtet dabei die Juden als eine fremde Nation und fremde Raffe, welcher das Bürgerrecht in einem deutschen nationalen Staate nicht gebührt. Die Juden bilden — offen oder heimlich — eine Sondergemeinschaft, die für sich besondere Vortheile auf Kosten der übrigen Bevölkerung erstrebt — sie bilden einen Staat im Staate. — Als Mittel zur Erreichung ihres Zweckes betrachtet die deutsche antisemitische Vereinigung die Verbreitung von Aufklärungsschriften über die Gefährlichkeit des Judenvolkes, die Bekämpfung des auf Irreführung und Entsittlichung des Volkes hinarbeitenden jüdischen Zeitungswesens, die Unterstützung der wahrhaft deutsch gesinnten Presse, Schaffung von Auskunftsbureaux 2c. und Rcchtsschutzvereinen, Wahl antisemitischer Volksvertreter und gegenseitige Unterstützung der Mitglieder in allen erlaubten Dingen. Mitglied der Vereinigung kann jeder unbescholtene volljährige Deutsche werden, — ohne Unterschied der Konfession und der politischen Parteistellung. Die Namen der Mitglieder gelangen nicht an die Oeffentlichkeit. Was sagen wir zu diesen Zielen der deutschen antisemitischen Vereinigung und zu den Mitteln, mit denen sie ihre Ziele erreichen will? Vorerst hat es uns, wir müssen das offen gestehen, nicht sonderlich gefallen, daß man den deutschen Männern, um sie für den Beitritt zur Vereinigung zu gewinnen, das Versprechen macht, ihre Nameu sollten nicht zur Veröffentlichung gelangen. Ist das nicht eine lächerliche Furcht vor dem Häuflein Juden im deutschen Reiche, die sich in dieser Verheimlichung der Namen zu erkennen gibt? Ich fürchte mich niemals und vor niemand, meine Ueberzeugung, die ich mir auf dem Wege unbefangener Forschung gebildet habe, auch offen auszusprechen, und das verlange ich auch von jedem, der als Vereinsgenosse mit mir arbeiten und kämpfen will. „Man nennt die Juden einen Staat im Staate, eine fremde Nation, eine Sondergemeinschaft, der das Bürgerrecht in einen deutschen Nationalstaat nicht gebührt. Das sind Redensarten, die einem Katholiken allerlei Bedenken erwecken müssen. Wie oft haben wir gehört, daß man die Katholiken einen Staat im Staate nannte! Wie oft hat man