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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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575 arm ausziehen sollte — waren doch alle die im Sklavendienst dahingegangenen Geschlechter völlig außer Stande gewesen, das Geringste für sich zu erwerben, und der erste Grundstein zum Wohlstand seines Volkes sollte durch die Anerkennung seiner sittlichen Größe abfeiten seiner bish rigen Verächter erworben und geweiht sein. Daher dieses: w. Dabei drängte die Zeit. Zwölf Stunden waren nur noch bis zum anderen Mittag. Daher: oyn »jäo w “üi, rede ihnen zu, bewege sie zu diesem Schritte. Während daher Moses vor Pharao stand, und in dem Augenblick, in welchem Pharao Moses mit dem Tode bedrohte, bereitete sich das Volk schon zum Auszuge vor und feierten er und sie draußen den größten moralischen Sieg über ihre Herren und Dränger, die mit dieser anerkennungsvollen Freigebigkeit eine, wenn auch immerhin kleine Sühne der Vergangenheit zu zollen sich bewogen fühlen mochten. Aus dieser Erfüllung lernt sich die hohe, moralische Bedeutung der Verheißung: ^13 anaia inst p nr&n. Wir fügen dieser Auffassung (Hirsches Pent. zur Stelle) noch folgende Erwägung an. — In dem vorigen Capitel haben wir bereits darauf hingewiesen, wie der Aufenthalt in Egypten den Zweck halte, Gottes Allmacht und sein sichtbares Eingreifen in die Geschichte der Menschen auch der außcrjüdischen Welt zum Bewußtsein zu bringen. Indem Israel Egypten diente, hatte es thatsächlich Gott und seiner Anerkennung auf Erden gedient; gerade in seiner Knechtsgestalt erscheint er als der Gottesdiener par excellence. Dem in die Freiheit gesandten Knechte gegenüber ist der bisherige Herr verpflichtet, denselben nicht leer ziehen zu lassen, sondern ihn reichlich auszustatten. H p'jyn p3yn. „Ausstatten, ausstatten sollst Du ihn mit Deinem Kleinvieh, Deiner Scheuer und Deiner Kelter, womit Dich Gott, Dein Gott gesegnet hat, sollst Du ihm geben. Erinnere Dich, daß Du im Lande Mizrajim Sklave gewesen bist, als Gott, Dein Gott, Dich erlöste, darum verpflichte ich Dich heute dazu." (V. B. M., 15, 14, 15.) Zu den Worten: rrn -oy »d rnan bemerkt Rascht im Namen des Sifre: „Erinnere Dich, daß Du im Lande Mizrajim Sklave gewesen bist, und auch ich habe Dich damals wiederholt ausgestattet durch die Beute Egyptens und durch die Beute am Meere, so statte auch Du ihn wiederholt aus." — Durch diese materielle Ausstattung hat Gott Israel als seine Diener anerkannt, als es unter der Sklaverei Egyptens seufzte; sie verdient deßhalb besonders betont zu werden. Was liegt aber in dieser ganzen Auffassung für ein mächtiger Sporn auch in widrigen, Juden und Judenthum ungünstigen Zeitverhältnisseu, treu zur Sache Gottes zu stehen. In der Verkennung und Zurücksetzung, die wir ertragen, leiden wir für Gottes Sache. Welche Opfer und Einbuße an materiellen, zeitlichen Vortheilen auch dieses treue Festhalten uns auferlegen möge, Gottes Allmacht hat es in der Geschichte des Auszugs aus Egypten bewiesen, daß er auch hierfür Ersatz schafft, wenn erst die Stunde unserer Freiheit geschlagen hat. Und daß diese Stunde einst kommen wird, dafür bürgt uns jeder Peßach. In welchen äußeren gedrückten, verkümmerten Verhältnissen wir uns auch zum Seder niedersetzen mögen, jeder Tag bringt uns der Erlösung und Freiheit näher und in allen jüdischen Häusern und Herzen kleidet sich dieses Bewußtsein an den Sederabenden in die Worte: (*.pnn 'ja nN3n ri3&6 nay wwn Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 4. April. Der deutsche Antisemitismus zeigt seinen anarchistischen Charakter immer unverhüllter. In dem Flugblatt 19, welches aus der „Antisemitischen Korrespondenz", dem amtlichen Organ der Deutschsozialen, abgedruckt ist, findet sich ein Artikel, in welchem als radikales Mittel zur Lösung der Judenfrage „die Konfiskation des jüdischen Vermögens, die Mediatisirung der Juden" empfohlen wird. Wmn dem hinzugefügt wird „ohne Plünderung, Mord und Todtschlag, in aller Gemüthsruhe auf gesetzlichem Wege", so klingt das wie der reine Hohn, und an der Thatsache, daß die Partei durch ihr Treiben der Revolution Vorschub leistet, wird dadurch nichts geändert. Zudem beweisen die neuesten Vorgänge in Paris, daß auch thatsächlich die beiden herzensverwandten Parteien, Antisemiten und Anarchisten, schon miteinander Fühlung gewonnen haben. Berlin, 7. April. Ueber die Juden-Auswanderung wird aus St. Petersburg geschrieben: Das von Baron Hirsch bestellte Comit« zur Begünstigung und Förderung der Emigration der russischen Juden hat an die Regierung soeben das Ansuchen um Genehmigung des Reglements gerichtet, unter welchem die Auswanderung sich vollziehen soll. Das (Somtte hofft, daß diese Genehmigung bald ertheilt werden und daß es sodann seine Thätigkeit unverweilt wird beginnen können. Die Auswanderer sollen in zwei Kategorien eingetheilt werden; in solche, welche noch über einige Mittel verfügen, so daß das Comit« sich darauf beschränken kann, die *) Wir schließen hiermit die VI. Serie unserer Betrachtungen über die Hagadah schel Peßach für dieses Jahr, um sie mit Gottes Hilfe im nächsten Jahre fortzusetzen.

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