Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 29-30 (11.4.1892)
- Date
- 1892-04-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXUI. Jahrgang. Erste Beil. u> M 29 & 30 des „Israelit". Leitender Artikel. Kagadav schel Mßach. «Elklärung der Gebete und Erzählungen für die Seder t'lbende.) Sechste Serie IX (Schluß.) Mainz, den 10. April, oniton ip^to idin nnx y:o noi« ’^jn »or »an .'Ol ->öh:p ni3D o’^on crn byi rnao ivy n'Yioa ttmpn K’snitf rüoi nao b'DW yjo "i;y^x 'an rrod yanx bv nrvn onsöa onson ^y «in ■jna .'Dl nCNJff n"apn x'anty naoi nao b^w po idin xa*py »an .Eai ncxjtr rnao trcn bw nrm D»nsoa v'nLvn by Rabbi Jose der Galiläer sagt, daß die Egypter in Egypten mit zehn, am Meere aber mit fünfzig Plagen geschlagen wnrden und bringt dafür Belege aus der Thora. — Rabbi Elieser lehrt, daß jede Plage in Egypten sich vierfach und nach Rabbi Akiba sich in fünffacher Weise geltend machte, und beide belegen diese Behauptung mit Stellen aus der heiligen Schrift. Wir haben diese Stelle in den bisherigen Aufsätzen bereits berührt und erklärt, und gehen hier auf die ihr zu Grund liegende Tendenz ein. Dieselbe zielt darauf hin, die großen Gotteswunder noch größer darzustellen, als sie dem gewöhnlichen Blick erscheinen. Während viele unserer zeitgenössischen Weisen ihren Sinn darauf richten, die uns berichteten wunderbaren Gottesthaten auf möglichst einfache, „n a t ü r l i ch e" Weise zu erklären, schlugen unsere alten Weisen den umgekehrten Weg ein, sie faßten das Wunder noch wunderbarer auf, als cs sich nach dem Bericht unserer heiligen Urkunden flieht. In unserem nüchternen Streben nach Natürlichkeit ist man dann leicht geneigt, die Bemerkungen unserer großen Weisen, als hyperbolisch und jedenfalls als nicht wörtlich genommen, aufzufassen. Demgegenüber möge zunächst doch einmal daran erinnert werden, welcher großen Selbsttäuschung sich die ganze Anschauung hingiebt, welcher „n a - lür lich," soviel als einfach und selbstverständlich ist. Wenn es erst gelungen wäre, alle Wunder auf natürliche Weise zu erklären, sind sie dann wirklich einfach und selbstverständlich? Ist denn die uns umgebende Natur in der That so einfach, jedem zugänglich, kurz das was man schlechthin natürlich nennt? Ist nicht jede ihrer Kräfte, Erscheinungen und Gesetze ein mit sieben Siegeln verschlossenes Räthsel für uns? Repräsentirt nicht jeder einzelne Wassertropfen ein Wunder, hinsichtlich seines Ursprungs, seiner Wirkung und seiner ganzen Zusammensetzung, dessen Hohe und Tiefe für alle Ehartumim unserer Zeit unfaßbar ist. Legt man aber diesen Wassertropfen gar unter ein Vergrößerungsglas und sieht die tausenden und abertausenden Lebewesen, die sich darin tummeln, von welchen jedes durch Bau, Ausstattung und Funktion ein unergründliches Wunder für sich daritellt, ist es dann übertrieben, wenn man den einen Wassertropfen ein hunderttausendfaches Wunder nennt? Jede Blume, mit jedem Blatt, mit jedem Zug ihres feinen Geäders, mit jeder ihrer Zellen, mit jedem Atom ihres Blüthenftaubs, umfaßt eine unaussprechliche Fülle von Wundern, die uns die noch größere Masse von Geheimnissen ahnen läßt, die sich unserer Wahrnehmung entziehen. So bestätigt Gottes Walten in der Natur und in der Geschichte die Wahrheit des Psalmwortes: nwyb na1? rr6“u nix^Bj, daß die größten Gotteswunder diejenigen sind, die er allein kennt, die ihrer unerreichbaren Tiefe wegen der menschlichen Kenntniß vollständig verschlossen bleiben. „Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist", und wir sollten uns nicht selber blos stellen, wenn wir alles Natürliche, selbstverständlich nennen? Deßhalb haben unsere Weisen sich nicht begnügt, die Wunder, mit welcher Gott seine Allmacht und liebende Fürsorge uns bewiesen, mit oberflächlichem, alltäglichen Blick zu betrachten. Sie haben diese Gottcswunder mit dem Auge geprüft, mit welchem der Forscher sonst bei einem Wunder der Natur verweilt und gefunden, daß hier wie dort, die größten Wunder d ejenigen sind, die eben nicht an der Oberfläche liegen. Es ist dies in einem doppelten Sinne wahr; jedes einzelne Wunder birgt in seinem Schooße eine Anzahl anderer, und andererseits in seinen Folgen und Eouscguenzen macht sich das eine Wunder nach den verschiedensten Seiten hin geltend.*) Greifen wir z. B. die erste Plage und den letzten Akt, das Blut und das Spalten des Schilfmeeres heraus. Das Umwandeln des Nils in Blut, war be- *) In der neuesten Ausgabe eines Berliner jüdischen Blattes werden die drei hier behandelten Aussprüche als „ein Rechcnscherz für vie Jugend ' bezeichnet, „der von leincin urtlieilssähigen Menschen ernst genommen wirr»." Weiter heißt ..man soll den Spaß der Hagadasager mitmachen, wenn er Einem gefällt und ilm stehen lassen, wenn er Einem nicht gefällt." Wahrlich ein tiefes Erfassen der Hagadapnicht! Red.