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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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572 sich von dem Schlage zu erholen, den ihre Eitelkeit durch die plötzliche Entfernung Iwan Alexandrowttsch's erlitten hatte. An jenem Tage des Abschiedsbesuches glaubte sie, ihr Leid nicht überstehen zu können. Stunden vergingen, ehe sie sich so weit gefaßt hatte, daß ihre Thränen versiegten, Tage dauerte es, bis sie sich soweit zu beruhigen vermochte, daß sie Fremden gegenüber ein heiteres Antlitz zeigte. Es waren stille, bittere Tage der Selbstprüfung und der Einkehr in sich, die die vornehme, junge Dame zu durchkosten hatte; doch wie schmerzlich auch die Erfahrung, die sie gemacht, war, sie wurde ihr eine heilsame Lehre, eine Genesung bringende Arznei. Früher hatte Lydia geglaubt, daß sie den Czarengünftling leidenschaftlich liebe, doch sehr bald mußte sie sich in einer Seelenstimmung auffinden, in der sie weit mehr über die verlorene einflußreiche Stellung in Petersburg trauerte, als über den Verlust des jungen Mannes. Nach und nach begann sie einzusehen, daß mehr ihre Eitelkeit als ihr Herz durch Iwan gereizt worden war und sie wurde allmählich gelassener in ihrem Kummer. Das hinderte sie aber nicht, den Czarengünftling zu hassen, so glühend zu hassen, wie es ihrer slavischen, innerlich noch verwilderten, nur von der Cultur übertünchten Naturanlage entsprach. Sie sann und sann bei Tag und Nacht darüber nach, auf welche Weise ihr eine umfassende und gründliche Rache möglich sei, und obgleich sie nun glauben mußte, daß Jwaris's Gefühle für die junge Jüdin auch nicht so ernst gewesen seien, da er ja die Provinzialstadt verlassen, ohne auch nur Rosa noch ein einzigesmal gesehen zu haben, so beschloß sie doch die Verbindung des jungen Mädchens mit deren Bräutigam, soweit es nur immer ihr möglich sei, zu fördern, damit Iwan, wenn er je in die Provinzialstadt zurückkehren würde, Rosa als die Gattin eines arideren Mannes vorfände. Sie entwickelte diesen Plan ihrem Vater, doch jener hatte durch das Alter Ruhe und Gesetzheit erworben und war viel zu vorsichtig, als daß er irgend etwas unternommen hätte, was ihm Gefahren bringen konnte. „Wer sich über den Lauf der Ereignisse stellt und in das Räderwerk der Zeit mit seiner schwachen, menschlichen Hand eingreifen .uill, der wird zermalmt, mein Kind", entgegnete er auf Lyfia's Vorschläge; „er wendet seine Kraft nur auf, um sich selbst zu vernichten. Der wahrhaft kluge Mann steht abwartend neben dem Verlauf der Ereignisse, verwendet kein Auge von dem ewig dahinziehenden Flusse und wenn er die günstige Gelegenheit für sich gekommen sieht, dann fährt er rasch und mit seiner vollen Kraft zu, und dann reißt er für sich den Lorbeerkranz heraus aus der wild dahinstürmenden Fluth." Das war sehr reif gedacht, paßte aber durchaus nicht dem jugendlichen, vom Feuer der Leidenschaft durchwühlten Gemüthe der Fürstin Lydia. Und da der Vater erklärte, bei der augenblicklichen Lage der Dinge weder etwas gegen Iwan, noch zur Vereinigung des jüdischen Brautpaares unternehmen zu wollen, so beschloß Lydia, einstweilen auf eigene Faust zu handeln. Jakow sollte entfliehen, die Fürstin Lydia traute sich die Macht zu, dies bewerkstelligen zu können. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelis erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Boge». Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt gainjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Durch den Buchhandel -» drfirhe« bei E. $. Kteinackrr, Feipsig, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzcile oder deren Raum. — Öesterreichische Banknoten laut Cdurs. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt iHauptblatt): Leitender Artikel: Die Rose unter Dornen. Von Rabbiner Dr. Cohn in Basel. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Düsseldorf. — Rußland: Petersburg. — Egypten: Port Said. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Myslowitz. Dresden. Schwersenz. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Eine schwierige Stelle im Peßach-Machsor. — Vermischtes. Inhalt der beüetr. Beilage: Wann?! — Der Becher des Propheten Eliahu von H. Berger (Schluß). Inhalt der Extra-Beilage: Anzeige des Herrn I. Wiesen, Lehrer in Osterode am Harz, Schulbücher betreffend. Verantwortliche Redaclion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdrnckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen, sowie die fünfte Lieferung der Erzählung „Die Familie y Agnillar" von Dr. Lehmann *7"^.

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