Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 29-30 (11.4.1892)
- Date
- 1892-04-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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570 geringen Militärkontingent wider die 5000 Griechen Port Saids machtlos zu sein. Selbst bei dem Begräbniß des Erschlagenen mußten 20 Mann mit geladenem Gewehr zur Verhütung von Exzessen den Leichenkondukt bis zum Friedhöfe geleiten. Das sonst hier stationirte englische Kanonenboot ist wegen der zur Zeit stattfindenden Uebungen nicht am Orte. Nach berühmten Mustern entblödet ein hier in griechischer Sprache erscheinendes Schandblatt sich nicht, das schwellende Feuer niedergehaltener Raublust und Zerstörungswuth noch zu schüren und die Aermsten, unter Bedrohung mit dem Aeußersten, zum Fortzuge zu bewegen. Der ganze Haß gegen den konkurrirenden Nachbar zeigt sich, hier wenigstens jeder schönrednerischen Phrase und jedes scheinheiligen Mäntelchens enkleidet, in seiner nackten Größe. Als ob ein in Jahrzehnten erworbener Besitz in eben so viel Tagen realisirbar wäre! Unter diesen Umständen müßte man begründeter Weise dem vor der Thür stehenden Osterfest der Juden mit Besorgniß entgegensetzen, wenn nicht die Erwartung gerechtfertigt wäre, daß die eindringlichen Vorstellungen einflußreicher Personen in Kairo, das tolerante Egypten möge in Dingen der Menschlichkeit nicht auf das Niveau Rußlands hinabsinken, die Regierung zu geeigneten Gegenmaßregeln bewegen werden. Port Said ist eine äußerst lebhafte Hafenstadt; deutsche, österreichische, italienische, französische, englische, niederländische und russische Dampfschiffsgesellschaften und Konsulate haben hier ihren Sitz. Die Stadt hat 25000 Einwohner, darunter 0000 Europäer; das terroristische Element dieser letzteren sind die 5000 Griechen. _' > Vermischtes. -4- Heppenheim a. W. A.n 12. Adar starb dahier im Alter von 71 Jahren Herr Salomvn sHciu, ein wahrer, frommer Mann, die Zierde unserer Gemeinde und die Mroite unserer Synagoge. Friedliebend und wohlthälig war er bei allen Ortsangehörigcn, Faden wie Christen, sehr angesehen. An seinem Leichenbegängnisse betheiligten sich außer zahlreichen Glaubensgenossen ans Nah and Fern der Bürgermeister, der 01cmcinderath und der Turnverein. Herr Rabbiner Tr. Stein-Worms hielt die Trauerrede, in welcher die engenden des Verstorbenen gcbiihrend geschildert wurden. Fn Jischach bei Augsburg hat sich die freiwillige Feuerwehr, nachdem sie 20 volle Fahre bestanden hatte, ausgelöst, weil in leyter Feit zwischen Inden und Christen, Reibereien sich bemerkbar machten, die an Antisemitismus grenzten, n. a., weil Hauptmann, Rottenführer, Cassier n\ :c. Inden waren. Tie Israeliten gründeten eine neue Feuerwehr, die vielleicht einzig in ihrer Art, (besonders in Bayern» ist. Tas >lgl. Bezirks-Amt hat sie bereits genehmigt. Feuilleton. Der Hünstting des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (33. Fortsetzung.) „Nicht durch Rohheit und Gewalt," fuhr Iwan fort, „sondern durch das süße Band der Liebe, nicht gegen ihren Willen, sondern freiwillig wird sie mir folgen. Habe ich doch schon so Vieles vermocht, und sollte nicht das Herz eines von mir innig geliebten Weibes erringen können? Ihr vergeht. daß ich es bin, der wirbt und das versichere ich Euch, ich werde erobern, wenn ich es will. Eher will ich sterben, als ablassen von ihr, ich müßte mich ja vor mir selbst schämen, wenn ich in dieser Sache ein kraftloser Stümper wäre, der ohne Mark und Muth von dem einmal angestrebten Ziele obstände." „Und welche Aufgabe fällt mir hierbei zu, Euer Gnaden?" „Die leichteste, die Ihr Euch wünschen könnt, die Ihr aber unbedingt genau und zuverlässig vollführen müßt. Hier dieses Haus werde ich noch heute verlassen. Offiziell bin ich nach Petersburg zurückgekehrt, Ihr aber verschafft mir eine täuschend gearbeitete weiße Perrücke, einen weißen Bart, eine Höckernase von Wachs und mehrere Anzüge, wie sie sich für einen russischen Bauern aus dieser Provinz schicken. Dies Alles bringt Ihr in das Häuschen, das ich damals gemiethet habe, auch mögt Ihr den Miethvertrag für unbestimmte Zeit verlängern. Heute reise ich nach Petersburg und bin in kurzer Zeit wieder zurück. Während dieser Zeit habt Ihr mir dafür zu sorgen, daß Rosa Alexandrowna nicht aus dem Hause des Gouverneurs entkommt. Sollte jede andere Möglichkeit, ihre Flucht zu verhindern, ausgeschlossen sein, so gebe ich Euch Vollmacht, sie zu verhaften und werde noch heute einen entsprechenden Verhaftbefehl von dem Polizeimeister erwirken, den ich Euch zur eventuellen Benutzung übergebe. Aber, bört Ihr, nur im äußersten, dringendsten Nothfall. Habt Ihr dieses alles richtig verstanden, und vermögt Ihr es exact ans,zuführen?" „Euer Gnaden sollen mit mir zufrieden sein", entgegnete Kolaschcff mit Selbstbewußtsein. „So geht jetzt und thut, wie ich Euch geheißen!" Kolaschcff ging, und Iwan begann sofort mit Hilfe seines Kammerdieners Toilette zu machen, dann fuhr er in der Stadt bei allen Bekannten umher und gab seine Karte ab, worauf er einige Abschicdsworte verzeichnet hatte.