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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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568 besonderen Geboten, die Gott uns gegeben, entsagen würden, so würden wir damit auch aufgeben die Besonderheit unseres Wesens, die Eigenart unseres Seins; wir würden die Lebensaufgabe verleugnen, die der Allmächtige uns gesetzt hat. Wir können nur so sein, wie Gott uns geboten, oder nicht mehr sein. So wollen wir denn an unserem Freiheitsfeste, am Geburtsfefte unseres Volkes, uns aufs Neue befestigen in der Liebe zu dem heiligen Glauben der Väter; dann wird der Allmächtige sein Wort erfüllen v«n» t1 njuniso ms' -22 '’n8 «Ich werde wie der Thau für Israel sein, es wird blühen wie eine Rose und Wurzeln schlagen wie der Libanon." Zeitungsnachrichten nnd Correfpon-euzen. Deutschland. Frankfurt a. M, 5. April. Verheerend wie selten haben in diesem Jahre die Frühlingsstürme in den Alterskronen unsrer Gemeinde gehaust, gleichsam um uns zu gemahnen, daß wir noch fernab leben von jener Zeit des Menschheitsfrühlings, welche den Bann des Todes für immer bricht, welche alle Thränen trocknet, und die Verkennung unsres Volkes beendet. Aus der Verlustliste der jüngsten Wochen gedenken wir an dieser Stelle eines Schwesternpaares, und das um so eher, als das Wort unserer Weisen in diesen Tagen dem M un de Schweigen gebietet. — In der Nacht zum 3. Nissan schied Frau Wolf F u l d Wwe. im Alter von fast 70 Jahren ans dem Leben, nachdem sie wenige Jahre zuvor ein leichter Schlaganfall theilweise gelähmt. Bis zu jenem Momente war sie rüstig in Ausübung von npnsj und bv "ton neN; in Erfüllung der schweren Pflichten der Schwestervereintgung, der sie 23 Jahre angehörte, wurde sie niemals übertroffen. — Ihre älteste Schwester, die Wittwe des wegen seiner Frömmigkeit und thätigen Nächstenliebe weithin bekannten Maier Schwab, erlag wenige Tage darauf, am Abend des 6. Nissan, der Influenza, im Alter von 81 Jahren. Auch sie war bis zum letzten Augenblick geistig frisch und ertheilte noch kur; vor ihrem Tode ihren Töchtern Anweisungen betreff zu vcrtheilende 5>pi8-Gelder. Der „Frauenklppe" halte sie Jahrzehnte angehört, und war noch jüngst bei der mrap ihrer ältesten Genossin, der Frau Adelheid Kulp tz-w thätig. Die beiden nun Heimgegangenen Schwestern waren die letzten noch lebenden Kinder der Altfrankfurtcr O'vmo-Famille Buttwies. Wer die alte Frankfurter Judcngasse noch gekannt, weiß von dieser Familie, von ihrem offenen, gastfreundlichen Hanse, von ihrem unvergleichlichen ton riH'vr — trotz nicht allzureicher Mittel — zu erzählen. Der Geist der Eltern ging auf die Kinder über. Da war keine Kammer zu hoch und entlegen, wenn Frau Fuld dort eine von der Noth heimgesnchte Familie wußte, und wer zählt die Dürftigen, die täglich bei Frau Schwab eine offene, hilfsbereite Hand fanden, wer die nothleidcnden Familien, die ihr und ihrer zur Mithilfe anspornenden Menschenliebe nichts Geringeres als — ihre Existenz verdankten! Wahrlich, der Verlust solcher nvjp-ia q’bu entlockt uns mehr als irgend sonst den schmerzlichen Ausruf: j'rerwD p’8i jnam by ^2n. Wo, fragen wir, ist der Ersatz für solche Frauen, die, für sich selber anspruchslos, ein nur vom .-iiLv'Geist, getragenes Leben lebten, die keine andere Freude kannten, als eben die 51^2 bw nnvk? die in dem Streben für andere aufgingen, deren Lebensinhalt das bedeutsame Wort: *5ino«n ’nnot&’ bildete? — :_T '51822 8^ n^8 ^>22 Ht581 '51882 ^82 1518 218 das war schon zu König Salomos Zeiten eine Wahrheit; in bedeutend erhöhtem Maße ist es aber in unserer modernen Generation der Fall. Möchte doch das Beispiel solch hehrer Frauengcstalten wirken, aus daß jene echte, unverfälschte Frömmigkeit, jenes urwüchsige, altmodische nito non nicht aussterbe unter den Töchtern unseres Volkes, und 7’T *pn losm! Düsseldorf, 29. März. Aus dem alten israelitischen Kirchhofe, der in der Verlängerung der Rosenstraße mitten in der Stadt belegen ist, haben frevelhafte Menschen 25 alte Grabsteine und Denkmäler zum Theile umgerissen, zum Theile zerstört. Auf die Ermittelung der Thätcr ist von der Lynagogen-Gemeindc eine Belohnung von 100 M. ausgesebt worden. Rußland. Petersburg, 2. April. Zur Judensrage schreibt die „Wedomostt": „War der Anblick ganzer Heerschaaren hungriger Leute auf den Straßen der großen Städte Europas und Amerikas für unser moralisches und staatliches Prinzip besonders nützlich? Waren die ständigen Eomites für Sammlung von Spenden für die fliehenden Juden für unser moralisches und staatliches Prinzip besonders nützlich? Hierauf kann es leider nur eine Antwort geben. Das ist um so unangenehmer, als die von einigen Organen der Presse geleitete Judenhctze im Grunde unserem Volksgeist durchaus nicht entspricht, da unser Volk in Wirklichkeit sich durch weite Glaubenstoleranz, das richtigste Zeichen echter Religiosität, auszeichnet, und nur Frömmler und Scheinheilige könnten unserem Volk diese kostbare Gabe

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