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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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schwächter Kraft erhalten hat bis auf den heutigen Tag? Jahrhunderte lang hat man unsere Väter gedrückt und gepeinigt und ihnen das Leben verbittert; man verschränkte ihnen in unerhörter Weise die Mittel sich zu ernähren, man nahm ihnen in einigen Ländern sogar das natürlichste Recht des Menschen, das Recht der Famtliengründung, härter als Pharao D'-on bv nVn ->u aber, wie es in der Peßach-Erzählung heißt p im* ujp ipkdi pn©' pi nznv je mehr sie cs drückten, um so mehr erstarkte es, um so mehr breitete es sich aus. Man schloß unsere Väter ab von allen Schulen und von jedem höheren Berufe, aber als man am Ende des vorigen Jahrhunderts die Ghetto-Mauern öffnete und meinte, ein schlaffes, geistig zurückgekommenes Volk werde daraus hervortreten, da zeigte es sich, daß Israel geistig frisch und regsam geblieben war; und trotz der Kürze der Zeit, die verstrichen ist, seitdem unser Volk theilnehmen darf an dem Wettbewerbe im Kreise der Nationen, gibt es fast kein Gebiet, auf dem man, trotz Neid und Bosheit, nicht jüdische Namen mit Achtung und Auszeichnung nennen muß. Diesen Trost ruft unser Vers uns zu, ntp DTnnn p nrro trruw n ni»i» no upbrb. „Schwer ist die Rose zu pflücken, denn es stechen die Dornen den, der sie berühren will und ist sie auch selbst wehrlos, ein Schutzwall umgibt sie rings." So hat der Allmächtige mit seinem Beistand uns geschirmt, und Unheil traf einen Jeden, der seine Hand ausstreckte gegen Juda's erwählten Namen. Und sie alle, die Pharao, die Haman, die Antiochus, welche meinten, die njttnty so leicht brechen zu können, mußten erfahren, daß eine höhere Macht über uns waltete, deren gerechtes Strafgericht noch alle unsere grausamen Feinde ereilt hat. Darum erfüllt uns mit dankbarem Hochgefühl am Peßachfest der Gedanke, daß von jener ersten „Nacht der Bewahrung" bis zu jeder Sedernacht wie ein rother Faden durch unsere Geschichte sich der wunderbare Schutz des Allmächtigen hindurchzieht und so wir mit dankbarem Aufblick zum Lenker unserer Geschicke das trostreiche Wort uns wiederholen können: bx uoy. Mit uns ist Gott. III. Doch woher, so fragen wir uns, stammt das Vorurtheil, mit dem man aller Orten uns entgegentritt, welches ist der äußere Anlaß, der uns zu dem bestgehaßten Volk der Welt gemacht hat? Auch darauf gibt uns unser Vers die Antwort: niow p pDj "p o’atpyn p rroj 1* hjbw na D*?iyn. „Wie die Rose sich abhebt unter den übrigen Gewächsen, so ist Israel kenntlich unter den Völkern." Wie wahr ist dieses alte Wort. Ja, daß wir unsere besonderen Gesetze beobachten und von ihnen nicht lassen wollen, daß wir, obgleich mitten unter den Völkern lebend, uns absondern von ihnen in Speis und Trank, in Ehe und Verbindung, daß wir nicht theilnehmen an ihrem Mahle, nicht ruhen an ihren Ruhetagen, nicht feiern an ihren Festtagen, kurz daß wir unsere Besonderheit uns bewahren, das hat zu allen Zeiten Vorurtheil und Mißtrauen gegen uns erweckt und zu der Feindschaft gegen uns den Grund gelegt. Da gibt es nun aber, so könnte Mancher denken, und so hat leichtfertig Mancher gedacht, ein einfaches Mittel, aller Verhetzungen ledig zu werden. Wir brauchen nur unsere besonderen Gesetze aufzugeben, die Sitten der anderen Völker anzunehmen, und statt des Hasses wird überall Liebe uns begegnen. Doch nein, das wäre ein gefährlicher Trugschluß. Die neueste Zeit hat uns gelehrt, daß das Vorurtheil gegen uns zu tief in den Gemüthern wurzelt, daß man den Juden selbst da herauszufinden weiß, wo er sein Judenthum zu verleugnen trachtet, daß die Uebertretung der göttlichen Gebote, ja selbst die schmählichste Fahnenflucht kein Schutzmittel ist gegen die Verfolgung, und daß man selbst im Lager unserer Feinde mehr Achtung Dem entgegenbringt, der als Jude sich offen bekennt und treu als Jude lebt. Und dann, selbst wenn wir dadurch allem Haß und allem Druck ein Ziel setzen könnten, wäre nicht die Verleugnung unserer Religion ein zu hoher Preis? So haben unsere Väter nicht gedacht, die lieber starben, als daß sie von ihrem Glauben ließen, die lieber alle Bitterkeit erduldeten, mit der man sie überschüttete, als daß sie das Treugelübde brachen, das die Ahnen am Fuße des Sinai geschworen. Und wir sollten, unglecch unseren Vorfahren, feige das theure Gut preisqeben, für welches sie gekämpft und gerungen; für das sie zu leiden, für das sie zu sterben wußten? Hören wir nur die Mahnung unseres Verses: mn aax *6n n^oa nr« n njtn» no □’3*B D’BryDI müD JON pö3 P'X p „Wie die Rose nur durch ihren Duft werthvoll ist, so beruht Israels Bedeutung nur in der Erfüllung der Gottesgebote." Nicht große Maler. Bildhauer und Dichter hat das Judenthum hervorgebracht, gleich Griechenland, und nicht eine Reihe großer Feldherrn und Staatsmänner gleich Rom, sondern das ist unser Vorzug, daß wir die Wahrheit verkütldet haben auf Erden, als noch Finsterniß die Nationen bed"ckte, daß wir auch heute noch gegen Aberglauben und Unglauben kämpfen für die reinsten Lehren, für die Lchren unseres Gottes. Mögen immerhin die Dornen der Rose versprechen, daß sie sie nicht mehr stechen wollen, wenn sie nur ihren Duft aufgebe, der Duft ist und bleibt das Schönste und Herrlichste an der Rose, und wenn wir den

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