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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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566 mit dem Frohgefühl uns begnügen müssen, daß Gott, der Allmächtige, uns ausersehen hat, seine Wahrheit zu künden den Völkern und sein Licht zu verbreiten unter den Nationen. So wollen wir denn, da dies der Sinn des Verses nicht sein kann, seine Bedeutung zu erforschen, und was er uns lehrt, an der Hand unserer Weisen zu ergründen suchen, und wir werden finden, daß er in seinen wenigen Worten Israels Leid und Israels Trost, aber auch Israels Aufgabe uns vor Augen führt. I. Sinnreich erklären unsere Weisen im Midrasch unsern Vers: -Jim n».*ibü n rutcw na ms njih mnm *psy ’bVd nnw hdei nsv poa rrn D'mnn 73 piDD on^> p 700 N3v p sry« nypiy o*öbg» om« *b^3. R. Huna deutete den Vers so: „Wie die Rose, wenn der Sturmwind daherbraust, zur Seite gebeugt und von den Dornen zerstochen und verwundet wird, dann aber ihre Blüthe immer wieder emporkehrt dem Himmel zu, so hat auch Israel in allen Drangsalen sein Herz dem Vater im Himmel zugewandt." Nun wird es uns klar, das Bild unseres Verses, nun sehen wir deutlich, daß es nur Israels Stellung unter den Völkern schildern will, das Leid seiner Verfolgung, das Weh seiner Jahrtausende langen Bedrückung, da es wie das Wild von den Jägern umstellt, gehetzt, gescheucht und so oft tief und schmerzlich verwundet wurde. Das Peßachsest erzählt uns von der ersten Judenverfolgung. Wir sehen, wie man das Verdienst vergißt, das in schweren Tagen ein Fürst unseres Volkes sich um das Land erworben, wie er es vor dem drohenden Verderben errettet und mit den Schätzen der Nation bereichert hat. Wir sehen, wie man nach Vorwänden sucht, um Israel zu unterdrücken, wie man endlich den Vorwurf der Staatsgefährlichkeit und des Mangels an Patriotismus gegen unsere Väler erhebt, um sie zu Sklaven, zu Parias der Gesellschaft herabzuwürdigen. Und die Vorgänge, die in Egypten sich abgespielt, haben sich seither hundert- und tausendfach wiederholt. Giebt es doch kein Volk, das nicht das Blut unserer Väter vergossen hat, kein Land, das nicht ihr Elend und ihre Verfolgung sah. Und wie der Midrasch es andeutet, ob der Wind von Norden weht oder von Süden stürmt, stets stecken die Dornen die Rose. Welche gewaltige Erscheinung auch immer ins Leben trat, sie schien ihre Existenz verkünden zu wollen durch die Verfolgung unseres Volksstammes. Ob eine neue Religion sich Bahn brach oder ein gewaltiger Krieg die Fluren verödet, ob ein Erdbeben Angst und Schrecken verbreitet, oder die furchtbare Pest, die Geißel des Allmächtigen, die Länder verheerte, stets war es unser Volk, stets Juda's verfolgter Stamm, gegen den Haß und Zorn sich richteten und den man für das allgemeine Elend verantwortlich machte. Und ist es nicht heute noch so? Der Materialismus, jene Weltanschauung, die Gottes Walten im Leben der Menschheit leugnet und den Menschen des Adels seines Wesens entkleidet, gewinnt zusehends an Verbreitung. Es schwindet mit der Demuth vor Gott der Glaube an jede Autorität, die Ehrfurcht vor Gesetz, vor Thron und Herrscher, und wen macht man bet der Gegenströmung, die nicht ausbleibt, verantwortlich für die zunehmende Verderbniß der Sitten? Die Bekenner des Judenthums, die Söhne unseres Volkes; und wie man sie vor Jahrhunderten in zahlreichen Städten thörichter Weise beschuldigt hat, die Brunnen vergiftet zu haben, um ihre Mitmenschen zu vertilgen, so klagt man sie heute an, daß sie die Volksseele durch verderbliche Schriften, durch die Presse, die sie angeblich beherrschen, verderben. Und machen sich Schäden im geschäftlichen Leben bemerkbar, wird das Gold zu einem Götzen, dem der größte Theil der Menschheit dient, zu einem Moloch, der so viele Existenzen vernichtet, spricht man von einem Giftbaum, der das Leben der Nation bedroht, so denkt man sogleich an die Glieder unseres Stammes und Haß und Bosheit finden neue Nahrung. Wir sehen, ob der Wind von Norden weht oder von Süden, ob die Stürme von Osten oder von Westen daherbrausen, daß die Rose am dünnen Stengel erzittert, stets stechen die Dornen die Rose; — um Vorwände sind unsere Feinde nie verlegen, und können sie mit mittelalterlichen Vorstellungen nicht gegen uns ankämpfen, so legen sie die Ausschreitungen des Einzelnen der Gesammtheit zur Last, und leicht finden sie neue Schlagworte, die, unter die Menge geworfen, dem alten Brand des Hasses neue Nahrung geben. II. Da könnte man verzweifeln, wenn man sieht, wie als ein fast unausrottbares Uebel der ungerechte und unverdiente Haß gegen unser Volk sich forterbt von Geschlecht zu Geschlecht, wenn wir sehen, wie nur allzuwahr die Worte der Peßach-Hagadah sind: „In jedem Zeitalter sind sie gegen uns aufgestanden, um uns zu vernichten." Doch, so niederdrückend der Gedanke ist, verfolgt zu sein, so trostreich ist hinwiederum das Bewußtsein, welches die Hagadah in die Worte kleidet: „Aber der Ewige hat uns noch stets errettet aus ihrer Hand!" Ist es nicht wunderbar, ein Zeuguiß von Gottes Allmacht, der nichts unmöglich ist, daß sich das jüdische Volk, trotz aller Verfolgungen, in nnge-

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