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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXHI. Jahrgang. M 29 & 30. Der Israelit Ein Aenlrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann t:i Mainz. Montag, den 11. April 5852 (1892). Wir geben heute eine Doppelnummer, da wegen des hl. Peßachfestes die nächste Nummer (wiederum eine Doppelnummer) Mittwoch, den 20. April erscheint. Neueingetretcne Abonnenten erhalte» die bis jetzt erschienenen Kapitel der beiden Erzählungen: „Der Günstling des Czaren" u. „Die Familie y Agiriüar" aus Verlangen gratis und sranco nachgelicsert. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Die Dose unter Dornen. Eine Peßach-Betrachtung. Von Rabbiner JDr. A Eoh» in Basel. Wenn vom Lenzeshauch berührt, die Erde die Eisessesseln sprengt, mit denen der Winter sie umklammert hielt, wenn vom milden Zephir umschmeichelt, die Blumen ihre Kelche den warmen Strahlen der Sonne erschließen, wenn, wie nach einem langen Schlaf, die ganze Schöpfung zu frischer Kraft und zu neuer Thatenlust zu erwachen und ein Ruf des Entzückens die ganze Natur zu durchdringen scheint, von den sprießenden Grashalmen, die der Wind bewegt, bis zu den gefiederten Sängern in den Lüften, die hoch in die Wolken sich cmporschwingen, dem Schöpfer aller Dinge ihre Jubellteder singend, — dann stimmt auch Israel in den Weltenchor und preist den Allmächtigen, der vor Tausenden von Jahren die Ahnen herausgeführt hat aus der Knechtschaft zur Erlösung, so daß mit dem Frühling in der Natur zugleich auch der Frühling unseres Volkslebens begann. Mit dem Frühling und dem Freiheitsfeste stimmt so recht nach Form und Gehalt auch das Buch überein, das unsere Weisen zur Lektüre für die Peßach-Feier bestimmt haben, on’ffn yv, das Buch der Lieder. Nur eine oberflächliche Betrachtung dieses Buches kann zu dem Glauben führen, es sei eine profane Dichtung, die von Lenz und von Liebe, von Lust und Leid, von Wonne und Schmerz der Liebenden erfüllt sei. Eine eingehende Lektüre läßt uns erkennen. warum unsere Weisen dieses Buch unter die heiligen Bücher ausgenommen haben. Denn in Sulamith der liebenden Jungfrau, erkennen wir Israel, und der Geliebte, nach dem sie forscht mit suchender Seele, ist Gott, der Allmächtige und ihm bewahrt sie die Treue, ob auch die Wanderer sie verhöhnen und über sie spotten alle, die des Weges ziehen. Und endlich wird ihr Sehnen gestillt, Sulamith findet den Geliebten, Israel vereinigt sich mit seinem Gotte. Gott hat die Treue Sulamiths nur prüfen, die Festigkeit ihrer Liebe nur erproben wollen, und rühmend preist er die Eigenschaften, die sie zieren. In den Versen dieses Wechselgesanges nun finden wir den Satz: DTnnn ya njtnvs nuan ya *rvy-i p, „wie die Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern", d. h. so ist Israel unter den Völkern. Wie, so hören wir schon unsere Feinde sagen, klingt dieser Ausspruch nicht anmaßend, zeigt sich nicht in ihm der ganze Eigendünkel des Volkes, das sich das auserwählte nennt? Doch, daß solche Gedanken uns fernliegcn, wissen wir selbst am besten. Wir wissen, daß unsere Erwählung zu Trägern der Gotteslehre eine Thatsache ist, die nicht mit unfruchtbarem Stolz und thörichter Ueberhebung, sondern mit dem Bewußtsein unserer höheren Aufgabe, unserer heiligeren Pflicht uns erfüllen soll, daß unsere Erwählung keinen irdischen Glanz und keinen irdischen Reichthum uns erwerben sollte, sondern daß wir

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