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Der Israelit · 1892-04-07 · Heft 28 (7.4.1892) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 28 (7.4.1892)
Date
1892-04-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
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559 haben, Pharaos Sinn zu verhärten und in ihm den Glauben zu erwecken, das Leben selbst sei für den Gott der Hebräer so unerreichbar, daß er der Ankündigung des Sterbens der Erstgeborenen keinen Glauben schenkte. Es mußte Pharao scheinen, als ob Gottes Macht dreimal immer wieder von neuem ansetze, um den Vernichtungsschlag gegen das Leben selbst zu führen, dreimal aber immer wieder machtlos zurückweiche und von neuem beginne. Deßhalb setzte er allen diesen offenkundigen Wunderzeichen seinen unbeugsamen Sinn entgegen. — Auf diese Dreitheilung der Plagen dürste auch Rabbi Jehuda verwiesen haben, wenn er sie 2"^ ,tny ,-pjn gliedert. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten and Korrespondenzen. Deutschland. Ans Oberhessen, 29. März. Auf einer Tournee, theils um Versammlungen abzuhalten, theils um Lokale für solche zu suchen, nahm Schreiber dieses in der letzten Woche die Gelegenheit wahr, Land und Leute in den Kreisen Friedberg und Büdingen zu studiren, dabei siel mir in erster Linie ans, daß die Einwohner dort, meistentheils freisinnig, nur dann in größerer Anzahl dem Antisemitismus huldigten, wenn die maßgebenden Persönlichkeiten, der Bürgermeister oder der Pfa rr e r des betreffenden Ortes, selbst Antisemiten waren. So verweigerte'.mir ein Wirth in Glauberg das Lokal deßhalb, weil der Pfarrer suche, ihm die Konzession zu entziehen. Nach meiner Entgegnung, daß er hierzu gar nicht befugt sei, begab ich mich selbst zu dem Herrn Pfarrer, welcher nach Ueberreichung meiner Karte und Bekanntgabe des Zwecks meines Besuches folgendes von sich gab: „Hier in Glauberg haben Sie damit kein Glück; wir kennen die „Judenschutztruppe" zu genau; versuchen Sie Ihr Heil in den Städten, aber uns lassen Sie in Ruhe. Wissen Sie, wir haben hier einen Bauernverein gegründet und da schließen wir uns eng aneinander, um den Uebergriffen des Judenthums entgegenzutreten." Aus meine Erwiederung, daß der Verein durchaus nicht beabsichtige, das Judenthum an sich in den Himmel zu heben, sondern vielmehr, um etwaigen Uebergriffen Einzelner zu begegnen, ein Rechtsschutzbureau gegründet habe, welches jedem Geschädigten unentgeltlich Rath und Hilfe schaffen und nach meiner Bemerkung: „Uebrigens glaube ich, Herr Pfarrer, daß das erste und höchste Gebot eines Christen das ist: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst!" — nahm mich der Nächstenliebe predigende Herr Pfarrer, indem er mir meine Karte zurückgab, liebevoll an der Schulter und sagte, indem er mich nach der Thüre schob: „So, jetzt gehen Sie wieder da hin, wo Sie hergekommen sind; Sie brauchen mir nicht zu sagen, was ich als Christ zu thun habe!" Als ich mich meinem Hauptbestimmungsort, M elbach näherte, kam mir ein Schreiben des Herrn Kayser an die Vertrauensmänner der antisemitischen Volkspartei in die Hand, worin dieselben aufgefordert wurden, Alles aufzubieten, um in der am Sonntag, den 27. März, von dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus veranstalteten Versammlung durch eine imposante Majorität den Sieg davonzutragen. Weiter heißt es, daß Herr Dr. Böckel selbst erscheinen werde und telegraphisch eine andere Versammlung abgesagt habe. Dr. Böckel erschien zwar nicht und die antisemitischen Spitzreiter machten einen Metzgerritt gen Friedberg; aber der Zweck heiligt das Mittel: Auf die Mittheilung, daß ihr Hetzapostel — wollte sagen ihr Tribun — selbst komme, hatten sie sich in solch großer Anzahl aus allen benachbarten Orten eingefunden und schon bald zwei Stunden vorher, daß von einem wirklichen Besuch der Andersgesinnten gar nicht die Rede sein konnte.' Die Versammlung selbst verlief mit Hilfe des un—parteiischen Vorsitzenden trotz der eindringlichen Worte des Einberufers derselben, Herrn Finkbeiner- Frankfurt, Jeden sprechen zu lassen, und die Gegensätze kennen zu lernen, in der bekannten tobt* schreierischcn Weise, und die beiden Haupthelden, Herr Hirschel, Agent in Frankfurt, der aus purer Liebe zur „guten" Sache den Architekten an den Nagel gehängt hat, sowie der Schriftsetzer Werner thaten ihr Möglichstes, die Hoheit ihrer Gesinnungen zu bekunden. Ein Christ. Berlin. Am Sonntag den 27. März trafen hier die von dem Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes einberufenen Vertreter der israelitischen Gemeinden Deutschlands zu einer Berathung zusammen. Nachdem der Vorsitzende des „Ausschusses", Herr Geheimrath Kristeller die Versammlung begrüßt hatte, erfolgte die Constituirung und wurde auf Vorschlag des Herrn Prof. Lazarus, Herr Justizrath Josefsthal, Nürnberg, zum ersten, Rechtsanwalt Herr Emil Lehmann, Dresden, zum zweiten und Rechtsanwalt Benfey, Hannover, zum dritten Vorsitzenden gewählt. Geheimrath Kristeller erstattet hierauf Bericht über die Angelegenheiten des Bundes, insbesondere über die Kaffenverwaltung. Die Berathung über Punkte VII und IX der Tagesordnung, Begründung eines Fonds für Religionsunterricht und Antrag der israelitischen Gemeinde Alsheim betreffend Unterstützung armer Gemeinden werden mit Genehmigung des Aus-

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