Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1892)
- Date
- 1892-04-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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558 die durchaus nicht die freie Wahl und Entschließung Pharaos beeinträchtigen mußte. Den meisten Plagen ging eine Verwarnung voran, das mußte einen Pharao an der Allmacht Gottes zweifeln lassen, sowie überhaupt der Umstand, daß mehrere Plagen erforderlich waren, um den Pharaonischen Starrsinn zu beugen. Wenn Gott wirklich einen Schlag führen will, führen kann gegen Egypten und seinen König, warum diesen Schlag durch Vorherverkündigung abschwächen? Warum wiederholt Schläge und Plagen, wenn Gottes Allmacht wirlich mit einem Schlage ihren Zweck erreichen kann? Nicht die Plagen, sondern diese sie abschwächenden Momente waren es, welche den Sinn Pharaos verhärteten. Gott aber will an Egypten seine ganze Waltungsweise manifestiren, wie seine Liebe eben warnt und mahnt, bevor sie die von ihr zu Erziehenden der Vernichtung überantwortet. Daß sich Plage auf Plage häuft, um die in irrendem Trotz Befangenen auf den rechten Weg zu leiten, bevor er das letzte und äußerste Mittel anwendet, das alles war für einen Pharao unfaßbar und das sollte ihm eben gelehrt werden. Dieser Umstand verhärtete das Herz Pharaos. Ein einziger, sofortiger Veinichtungsschlag hätte wohl die Kraft Gottes bekundet, aber nicht die Liebe, die sein Name haucht, und die sich eben in der Nachsicht und Langmuth auch dem Trotzigen gegenüber bewährt. Eine Nachgiebigkeit Pharaos ohne gänzliche Vernichtung hätte wohl die Liebe Gottes, aber nicht seine alles bewältigende Kraft geoffenbart. Dies alles sagt im Aufträge Gottes Mosche der egyptischen Majestät ins Gesicht mit den Worten.- „Jetzt habe ich meine Hand ausgestreckt, und könnte dich und dein Volk schlagen durch Pest, daß du von der Erde hinweggerafft würdest. Jedoch um deffentwillen lasse ich dich weiter bestehen, um dir zu zeigen meine Kraft und damit mein Name verkündet werde auf der ganzen Erde." (II B. M., IX. 15. 16.) Diese unwiderstehliche Gottesmacht gepaart mit Nachsicht und Langmuth sind es, die jeder einzelnen der zehn Plagen und ihrem ganzen Ensemble ihr eigenartiges Gepräge verleihen, und sie als den selbst von den egyptischen Gelehrten erkannten, drohend und liebend erhobenen Gottesfinger erscheinen lassen. lieber die Zeitdauer jeder Plage und der ihr vorangehenden Warnung, machen sich in der Ueberlieferung zwei verschiedene Ansichten, die von Rabbi Jehuda und Rabbi Nechemija geltend. Nach der einen ist jeder Plage eine 24tägige Verwarnung vorangegangen, während die Plage selbst nur 7 Tage währte. Nach der andern hielt jede Plage 24 Tage an und ihre Verwarnung währte 7 Tage. In der Reihenfolge und Gruppirung der Plagen selbst bekundet sich in unverkennbarer Weise die oben angedeutete Rücksicht. Die erste Plage, das Verwandeln des Nilstronis in Blut, wenn sie auch mit wuchtigem Schlag die Lebensquelle des ganzen Landes traf, so machte sie sich räumlich doch fernab von den Personen geltend, denen sie zu Herzen gehen sollte. Man konnte ihrem unmittelbaren Anblick ausweichen und sie tgnoriren oder sich doch den Anschein geben, als ignorirte man sie. Der zweiten Plage, den Fröschen, konnte mau nicht aus dem Wege gehen. Sie suchten diejenigen auf, gegen welche sie gesandt waren, in den Städten, Häusern, Schlafgemächern, Ofen und Backtrögen und kamen an die einzelnen Egypter selber. In noch unmittelbarerer Nähe machte sich die dritte Plage, das llngeziefer, geltend, das direkt an dem Körper der Egypter haftete. — Dieses stufenweise immer näher und Näherrücken der Plagen, war im höchsten Grade geeignet, die davon Heimgesuchten zu schrecken und sie fürchten zu lassen, das Unglück werde weiter in dieser Weise immer nachhaltiger auf sie eindringen, bis es das Leben selber träfe. Eine Fortsetzung der Plagen in diesem Sinne, hätte wohl auf einen Erfolg zählen dürfen, da plötzlich ändert sich die ganze Sachlage. Mit der vierten Plage, welche die Thiere der Wildniß zum Gegenstand hat, war das Objekt des göttlichen Einschreitens wieder in die Ferne gerückt. Mit der fünften Plage der Pest unter den Hausthieren, kam sie wieder näher, und mit der sechsten Plage der Entzündung, erfaßte sie endlich den Körper der Egypter selber, viel intensiver als es bei der dritten Plage der Fall war. Nun mochten die Egypter wohl für ihr Leben selber zittern, aber die folgende siebente Plage des Hagels zeigte ihnen die Gefahr wieder wett entrückt. Sie machte sich nur im freien Felde geltend, und scheint innerhalb der bewohnten Städte viel weniger empfindlich gewesen zu sein, wie dies die folgenden Stellen beweisen: io mt£G -)»« io nw “ppo nx nnyi “Ti nnon *)ox* xin mao XLB' -\m nenam onxn nx onso px toa *ron -pi-niaTi nnby .'di rrwa “iffx io Wenn die dann folgende achte Plage der Heuschrecken ihrer Natur nach, sich allerdings auch mehr auf das Feld beschränkte, so warf sie doch in der wörtlichen Bedeutung des Wortes ihren Schatten in das Leben des ganzen Volkes, denn sie verfinsterten durch ihre Menge das Land. Aber die sich ihr dann anreihende Verfinsterung als neunte Plage war thatsächlich ein lebendiges Begrabensein für die unter ihr Schmachtenden. Dieser dreimal wiederholte Wechsel mochte viel dazu beigetrageu