Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1892)
- Date
- 1892-04-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIH. Jahrgang. Zweite Beilage M M 28 ües „Israelit". Leitender Artikel. Kagadafi schet Ueßach. t^rttäliing der Gebete und Grzühlungeil für die Sedcr?lbeiide.) Sech st e Serie VIII Mainz, den r>. April. Die zehn Plagen. Mit zehn Aussprüchen hat Gott die ganze Welt ins Dasein gerufen. Als der mächtigste Staat dieser Welt, ihren Schöpfer und sein Sittengesetz durch brutale Unterdrückung des Gottesvolkes verleugnete, ließ der Vater der Menschheit die von ihm durch zehnfachen Ausspruch ins Dasein gerufene Natur ihr gewohntes, regelmäßiges Geleise wieder verlassen pftn ’oty idd iyo?, um die verlorene Kunde vom Dasein Gottes neu zu beleben. Das sind die zehn Plagen, mit welchen Egypten heimgesucht wurde. Die mit zehn Aussprüchen geschaffene, durch zehn Aussprüche wieder aus ihren Bahnen gewiesene Welt, ist durch die Erfüllung jener zehn Aussprüche nnam m»y in ihrem ganzen Bestände bedingt, welche das Gesetz Gottes an sein Volk in mic6 enthalten. „Wäre dieser mein Gottesbund nicht Tag und Nacht, ich hätte die Gesetze von Himmel und Erde nicht geschaffen," lautet daher das Prophetenwort. Wo das göttliche Sittengesetz mit Füßen getreten wird, empört sich Himmel und Erde, Luft und Wasser, lehnt sich das ganze Universum gegen diese Verletzung auf, um Gott als Herrn und Meister der Natur und der Menschheit zu verkünden. Das Wecken des entschwundenen Gottesbewußtseins auf der ganzen Erde war somit Zweck und Ziel des thränenreichen Schicksals Israels in Egypten, wie es schon Jahrhunderte vorher dem Stammvater in nächtlicher Gotteserscheinung mit den Worten enthüllt wurde: „Wissen sollst du, daß Fremde deine Nach- „kommen sein werden, in einem Lande, das „ihnen nicht gehört, man wird sie zu Knechten „machen, und man wird sie quälen vierhundert „Jahre, aber auch das Volk, dem sie Knechte „sein werden, richte ich, und nachher werden „sie mit großer Errungenschaft hinausgehen." (I B. M. Eap. 15 V. 13.) Vergegenwärtigt man sich, daß Abrahams ganzes Leben in der einen Sehnsucht aufging, das Bewußtsein von Gott in immer weitere Kreise zu tragen, daß diese Sehnsucht allein in ihm den Wunsch nach einer reichen Nachkommenschaft weckte, welche das geistige Vätererbe immer mehr und mehr zum Gemeingut der ganzen Menschheit machen konnte, daß endlich dies allein der Sinn des Segens ist, den Abraham und seine Nachkommenschaft allen Familien der Erde bringen sollte, so dürfte auch das seinen Nachkommen auf fremden Boden werdende Geschick in anderem Lichte erscheinen. Dann hat vielleicht Abraham nie eine trostreichere Zusicherung erhalten, als die in den Worten jnn jat *]jnt n\-p o niedergelegte. Abraham empfindet es schmerzlich, daß er allein die Gottessache auf Erden vertritt, daß ihm nur ein Knecht, aber nicht sein eigen Fleisch und Blut dabei zur Seite stehe, daß er die Kinder, die ihm Gott verheißen, noch nicht besitzt, und daß sie ihm vielleicht zu einer Zeit erst gewährt werden, in der er sie nicht mehr als Gottesherolde erziehen kann, und Gott versichert dem Ahn des israelitischen Volkes, daß es ihm noch so voll und ganz gelingen werde, seinen Geist seinen Nachkommen zu vererben, daß man sie als Fremde behandeln wird, weil sie seine Nachkommen, die treuen Fortträger seiner Gesinnung sein werden. Ein Knecht wird nicht der Erbe, der Erbe wird ein Knecht sein, und so theuer wird ihm das abrahamitische Vatererbe sein, daß er eine vier-hundertjährige Tyrannei dem Preisgcben dieses Erbthums vorzieht. Dieser Triumpf, der von Abraham gelehrten, an seinem Volk aber sich so offenkundig vor aller Welt Augen bewährenden Macht des Gottesgedankens ist die reiche Errungenschaft, welche die aus der Knechtschaft Ziehenden mit hinaus in die Freiheit nehmen werden. (In dem Commentar rtopm aran wird darauf hingewiesen, wie schon der Ausdruck b'ni tcnsn darauf hindeute, daß es sich hier um eine ideale Errungenschaft handle. Wo von reichem, materiellen Besitz die Rede ist, pflegt m rcm die stehende Bezeichnung zu sein.) Handelte es sich somit darum durch die über Egypten verhängten Plagen das Dasein Gottes und sein Eingreifen in die Natur wie in die Geschicke der Menschheit über allen Zweifel für alle Zeit festzustellen, so erscheint vieles sonst Näthselhafte in völlig klarem Lichte. Zunächst erscheint von dieser Seite betrachtet, die Frage hinfällig, wie Gott das Herz Pharaos verhärten und ihn dann doch wegen dieser Verhärtung zur Rechenschaft ziehen konnte. Dieser verstärkte Sinn Pharaos und seines Volkes war erforderlich, um jenes Ziel erstreben und erreichen zu können, aber diese, obwohl von Gott unmittelbar veranlaßte Verstockung vollzog sich in einer Weise,