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Der Israelit · 1892-04-07 · Heft 28 (7.4.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 28 (7.4.1892)
Date
1892-04-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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550 des von ihm nicht gemachten Gesetzes stehend betrachtet, der in einem verdorbenen sozialen Organismus, in dem sich Niemand um sein Elend kümmert, leidet und sich wenig daraus macht, wenn er einige Bürgerkinder, seine zukünftigen Herren umbringt, wahrend Tausende von Kindern des Volkes an Blutleere sterben, da doch für sie nicht einmal das nothwendige Linnen vorhanden ist, um sie bei ihrer Geburt darin einzuhüllen." Also weil die Herren Anarchisten zu schwachköpfig sind, Gesetze zu machen, weil des Lebens strenge Noth sie dazu »icht gelangen läßt, deßwegen ist die Geistesarbeit Anderer überflüssig, verliert dieselbe ihren Werth auch für sie! Dahin gelangt man mit solchen Ansichten und doch stellt man sich genau so unserem Gottesgesetze gegenüber, nimmt man denselben Standpunkt ein und — lehnt es ab. Als Beispiel wollen wir auf das gerade Nächstliegende Gebiet verweisen. Unsere Peßachvorschristen sind ganz eigenartige, und in ihrem Chomez-Verbote tief bedeutungsvoll. Mit großer Hingebung sucht man noch allenthalben diesen Vorschriften gerecht zu werden. Wir wollen ja dankbar sein für die große Erlösung und für die hohe Stellung, die uns Gott damals für alle Zeiten angewiesen und die sich bis auf den heutigen Tag als solche bewährt har. Denn freudig gestehen wir es uns innerlich, daß das jüdische Volk einen hohen sittlichen Werth und Beruf hat, auch wenn es so oft äußeren Anfeindungen ausgesetzt ist, die ihm das bestreiten wollen. Wir fühlen und wissen es, und finden in der vieltausendjährigen Geschichte unseres Volkes bestätigt, daß, wer einmal des Chomez Herr geworden, nimmermehr auf die Dauer in Finsterniß zurückfällt und dem Genüsse des Chomez nicht ganz verfallen kann. Aber wenn man heute, wo die Verhältnisse uns vielfach ablenken, um selbst zu lernen, zu verstehen, wo man angeblich gar keine Zeit mehr hat, sich damit zu befassen, nur daran zu denken, einfach behauptet, die vielfachen Vorschriften für Peßach seien überflüssig oder bedeutungslos und man läßt sie unbeachtet, man sieht in ihnen nur wunderliche, uralte Reminiscenzen — das i]t Chomez, der Geist der Auflehnung, der Gährungsstoff, der keine Berechtigung hat. Von berufenen Seiten wird in gewissenhaftester Weise Sorge dafür getragen, daß all unsere Lebensbedürfnisse, die sonst durch Chomez bereitet werden, für Peßach davon frei sind, um den gesetzlichen Bestimmungen genau nachzukommen. Aber wie viele gibt es, die sich sagen: Zucker bleibt Zucker, Gewürz ist Gewürz, Mazzoh istMazzoh, Wein ist Wein rc. und ohne Bedenken flQN genießen. Freilich nach gesucht hat man seit Wochen pirn, in Spalten und Ritzen und hat alles beseitigt und gereinigt, was nur mit Chomez in Berührung gekommen. Was will man mit diesem auflehnenden Geiste? Sieht man denn nicht diesen grellen Widerspruch? — Solche Redensarte n, solche sich widerprechende Handlungsweise, ist ech t e z C h o m e z; sie entspringen dem Gährungsstoffe in uns. Untersucht, prüft einmal, ob Eure Behauptungen wahr sind! Schlagt ein wissenschaftliches Werk nach über Zubereitung von Zucker! Leset die Berichte in den Tagesblättern über Nahrungsfälschung! Und wird nicht häufig Sprit und Zucker dem Wein beigemischt? Werden Gewürze nicht gefärbt und gefälscht, und selbst unter den Pfeffer werden Brodkügelchen gemengt. Die selbst wird oft mit Autzerachtlaffung der ersten und wichtigsten Vorschriften zubereitet! Und doch führt man solche Redensarten? Und wenn man heute darüber belehrt worden, macht man eS das nächste Jahr gerade wieder so?! Warum? Ja, wenn man kn die ppiOi p?n, in die Herzensfalten und Herzenswinkel der Menschen eindringen könnte! - Man soll es aber, soll dort mit dem reinen Lichte hineinleuchten und daraus die „ chomeztigen" Gedanken entfernen, um das BefcciungSseft in erster Linie für sich und mit seiner weiteren und erhöhten Bedeutung zu. feiern. Das wäre der schönste rar, wenn man endlich sich vornähme, das C ho mez in sich zur Ruhe kommen zu lassen, sich beherrschen zu lernen und dem Gesetze statt des Widerstandes etwas mehr Gehorsam entgegen zu bringen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Elberfeld, 31. März. Zn der Generalversammlung des „Mendelssohn Vereins" vom 0). Dezember v. I. brachte der Vorstand einen Antrag auf Erhöhung der Mitglieder beitrüge mit der Motivirung ein, daß ihm hierdurch die Mittel an die Hand gegeben würde, größere Werke jüdischer Schriftsteller anzuschaffen, auswärtige Redner auch für die Folge - kurz vorher hatte Herr Schrifsteller Dr. Adolf Kohut aus Berlin im Verein gesprochen — für Vorträge zu gewinnen jc. k. , welcher Antrag denn auch seitens der Mitglieder nach kurzer Debatte einstimmig zum Beschluß erhoben wurde. Unsere Vereins' bibliothek hat der Vorstand seitdem, um manches werthvolle Werk und durch verschiedene Zeitschriften bereichert, aber auswärtige Redner haben wir seitdem nicht mehr in unse' rem Vereine gehört. Trotzdem kann und wird kein Mitglied den Vorstand dieserhalb moniren. Denn der Vorstand ging damals von der Annahme aus, daß es nicht möglich sei, alle Vortragsabende durch Vorträge von Mitgliedern aus zufüllen. Der Vorstand erkennt es gewiß mit Freuden an, daß er sich in feinen Voraussetzungen geirrt hat. Wir haben im vergangenen Winter von Mitgliedern des Vereins eine ganze Reihe von Vorträgen und zwar — zum Lobe der Vortragenden sei es gesagt — von sehr guten Vorträgen gehört. ES würde viel zu weit führen, wallte ich die gehaltenen Vorträge hier der Reihe nach aufzählen. So hat auch gestern Abend wieder ein Vercinsmitglied, Herr Robert Selig man n, durch seinen in jeder Hinsicht vortrefflichen Vortrag über „Zeitbilder" - worüber ich gelegentlich an dieser Stelle ausführlich berichten werde — die Mitglieder zu großem Danke verpflichtet und sich um die Hebung de§ Vereins verdient gemacht. Wenn nun auch, wie schon gesagt, die Mitglieder mit den gehörten Vorträgen mehr wie zufrieden waren, so beabsichtigt der Vorstand trotzdem, um innerhalb der Gemeinde das Interesse für den Verein noch mehr zu wecken und zu beleben, in der kommenden Saison auch hin und wieder auswärtige Redner zu berufen. — Rach Schluß des Vortrages und der an denselben sich knüpfenden sehr lebhaften Discussion, ernannte der Vorstand den Herrn Redacteur I. Mannsbacher, der demnächst zu unserem lebhaften Bedauern unsere Stadt und Gemeinde verlassen und nach Berlin übersiedeln wird, in Anerkennung seiner großen Verdienste, die er sich um den Verein erworben, zum Ehrenmitgliede. Auch der Ehren - Vorsitzende, Herr Dr. Auerbach, widmete sdem Scheidenden anerkennende Worte und begleitete ihn im Namen des Vereins mit den besten Wünschen für sein ferneres Wohlergehen. Herr Redacteur Mannsbacher, sichtlich tief gerührt durch die ihm zu Theil gewordene Auszeichnung, dankte in bewegten Worten und versprach, auch in der Ferne unserem Verein allezeit ein freundliches Andenken zu bewahren. Der Unterzeichnete kann es sich nicht versagen, auch seinerseits dem Herrn Redacteur Mannsbacher, der durch sein reiches Wissen und durch sein in jeder Beziehung menschenfreundliches Wirken hier recht viel Anerkennung gefunden und sich sehr viele Freunde erworben, an dieser Stelle als Abschiedsgruß die Worte zugerufen: “xm "jriNi; "ICE” 'n Gott behüte Deinen Ausgang und Deinen Eingang! W e tz st e i n.

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