Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1892)
- Date
- 1892-04-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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546 in der allgemeinen Theilnahine und das; der Gemeinde bald wieder möglichst würdigen Ersav werde und das; alle, die W Toten kannten, in seinen Wegen zu geben sich bestreben. Dann wird das Andenken des (Gerechten zum Segen sein, nzrnnr p’iy irr. \v. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag, 28. März. Die Tumultanteu, welche beute anläßlich der Komeusky-Feier lärmend die Straßen durchzogen, versuchten unter den Rufen: „Jetzt gehen wir gegen die Juden!" in die Josefstadt einzndringen. Die Polizei war aber rasch zur. Stelle, sperrte die Straßen ab und vertrieb die Erzedeuten. Feuilleton. Der Hünstting des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (32. Fortsetzung.) Als Alexander III. den Thron bestieg, hatte er in den nächsten Tagen und Wochen wenig Zeit sich um seinen Günstling zu bekümmern, denn die Arbeit der Nihilisten ließ ihn nicht zum ruhigen Athmen kommen und seine wenigen Freistunden verbrachte er in Gemeinschaft mit seinem Lehrer und Erzieher, dem jetzigen Obcrprokurator der Synode. Der ehrgeizige, junge Mann suchte nach einem Plane, wie er sich selbst eine hohe Wichtigkeit beilegen, und zugleich den Oberprokurator gewinnen könnte; sein in Ränken und feinen Plänen geübter Kopf fand hierzu ein Mittel ans, das die vornehme, junge Welt von ganz Rußland in die höchste Aufregung versetzen sollte. Es mußte anerkannt werden und war von dem Kaiser selbst oft genug wiederholt worden, daß die politische Geheimpolizei nicht genugsam im Stande war, Leben und Sicherheit der kaiserlichen Familie zu schützen und nicht verhindern konnte, daß immer wieder und wieder nihilistische Attentate begangen werden. „Man muß mit gleichen Waffen kämpfen, Majestät, nicht mit Gewalt gegen List, nicht mit Pflichtgefühl gegen Begeisterung, sondern es muß eine geheime Verbindung in's Leben gerufen werden, die mit ebenso solcher Selbstverleugnung und Leidenschaft bemüht ist, das Leben des Ezaren zu schützen, wie die Nihilisten cs gefährden," hatte damals Iwan in einer geheimen Unterredung zum Kaiser gesagt, nachdem er durch seine früheren Reden es bereits dahingebracht, daß der Kaiser den Wunsch nach einem solchen Geheimbund aussprach. Mit einem Schlage war Iwan der wichtigste Mann im Staate geworden, mit der ganzen Energie, die ihm eigen war, wenn ihn die Leidenschaft beseelte, widmete er sich nun der Organisation dieses conservativen Geheimbundes. Das war jene freiwillige Geheimpolizei, die die Blüthe des russischen Hochadels in ein Corps der heiligen Behme verwandelte inib die politische Polizeffpiouage zum Range eines vornehmen Sportes erhob. Wer nur irgendwie in Beziehung zum Petersburger Hofe stand, nahm an dem Bunde theil, wer nicht persönlich sich der Sache widmen konnte, der zeichnete große Summen zu diesem Zwecke, nachdem er vorher den Eid der unverletzlichen Geheimhaltung abgelegt; der Hofjägermeister Fürst D., Neffe und Erbe des im Jahre 1870 verstorbenen Gemahls der Prinzessin Mathilde Bouaparte, gab allein mehrere Millionen. Großfürst W. und Minister W. D. gehörten zu dem Bunde. Das war jene berühmte freiwillige Geheimpolizei, in der die Flamme ber Begeisterung ebenso hoch emporloderte, als sie schnell wieder erlosch. Das Stichwort war ausgegeben für den neuen Gehcimbund, der wohlklingende Name „Heilige Schaar" (swätaja drush) erfunden und die Sache urplötzlich in die Mode gekommen. Die „Heilige Schaar" war von Iwan schnell organisirt worden, und nach Berlin, London, Paris und Zürich gingen ihre vornehmen Agenten ab, die sich in jenen Städten als begeisterte Nihilisten ausgaben und sich in den Bund derselben aufnehmeu ließen. In der That waren einige Erfolge schnell zu verzeichnen und der Kaiser hatte allen Grund, seinem Günstling dankbar zu sein. Da verbreitete sich eines Tages das Gerücht, auch in jener altehrwürdigen Stadt, die der Schauplatz unserer Geschichte ist, verberge sich eine Scction des nihilistischen Geheimbnndes und wegen der Wichtigkeit dieser Sache war Iwan selbst in die Stadt abgegangen; eine Reihe von Geheimpolizisten und Beamten waren ihm zur Verfügung gestellt worden, um sein wohlthätiges Werk auszuführen und der Vorwand zu der Reise Iwans wurde so unschuldig als möglich gewählt; Iwan selbst ließ das Gerücht aussprengen, daß er nur in die Stadt gckommmen sei, nm sich mit der Tochter des Gouverneurs, der Fürstin Lydia Petrowna zu vermählen, weil der Kaiser eine Heirath zwischen seinem Günstling und der Tochter eines seiner treuesten und ergebensten Diener wünsche. In Wirklichkeit dachte Iwan keinen Augenblick daran, die Tochter jenes Mannes als seine Gattin heimzuführen, denn seine Pläne strebten viel höher, er hoffte durch irgend eine Heirath mit einer Prinzessin dem kaiserlichen Hause auch vor der Welt verwandt zu