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Der Israelit · 1892-04-07 · Heft 28 (7.4.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 28 (7.4.1892)
Date
1892-04-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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545 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmsta-t. Zn einer Deputation hessischer Schullehrer, welche vom Großherzog in Audienz empfangen' wurde, sprach derselbe folgende beherzigcnswerthen Worte. Er sagte, daß er die antisemitische Bewegung aufs Tiefste bedanrc und sie, gleich Kaiser Friedrich, als eine Schmach unseres Jahrhunderts betrachte. Soweit cs in seiner Macht liege, werde er in seinem Lande entschieden Front gegen diese verwerfliche Hetze machen. Das sind Worte, die unserem jungen Landesherr» die Sympathien aller wohlmeinenden und rechtlich denkenden Menschen sichern werden." (Uersfeld. Mittwoch verschied Herr Tistricts- Rabbiner Wormser?"m. Der Verstorbene hat gewünscht, daß die jüdischen Leitungen nur diese kurze Notiz bringen, ohne ein Wort des Nachrufs, wie auch jeder -ddh erbeten ist. Seine früheren Schüler hingegen niöchten einen "v>T J"n lernen. Bad.Hiffinden Ans das bei der Feier des 2.',jährigen Amtsjubilänms des Herrn Rabbiner Bamberger hier an Se. Kgl. Hoheit den Prinzregentcn abgesandte .Hnldignngstelegramm traf tclcgr. folgende Antwort ein. „Löwenthal, (5ultusvorstand. Sc. Kgl. Hoheit der Prinzregent lassen den Thcilnehmern an der zur Feier des 25jähr. Amtsjnbilänms des Herrn Distrikts-Rabbiners Bamberger tagenden Fcftvcrsammlnng für die dargebrachte Svation Allerhöchstihrcn huldvollsten Dank entbieten. >gez.» Freiherr v. Fol lern, Sberst, Fliigeladjutaut. Bad Kissingcn. Konnte ich den geehrten Lesern Ihres gesch. Blattes in voriger Nummer über die so schön gelungene Feier des 25jährigen Jubiläums unseres Herrn Rabbiner Bamberger berichten, so fühle ich mich leider heute gezwungen, Ihnen eine Trauerkundc zu bringen und zwar die Kunde von dem Tode des Mannes, der die genannte Festlichkeit hauptsächlich leitete. Es ist dies der hier allgemein in hoher Achtung gcstaudcuc Herr Lehrer Lazarus Ehrenreich. Am iD*; m hielt er die Ansprache au den Jubilar und am p"j 'ij schon mußten sich leider Redner hier einfinden, um dem theuren Todteu die letzten Worte nachzurufen. Am vergangenen Mittwoch wurde Ehrenreich auf offener Straße von einem Schlaganfalle betroffen, der ihm die Sprache und bald darauf auch das Bewußtsein raubte. Noch wenige Stunden hatte er zu kämpfen, bis seine reine Seele Abends gegen 7 Uhrsanft, wie die eines wahren p-m ins Jenseits einging. Daß dem theuren Verblichenen ein würdiger Platz im py ps gewiß ist, dürfen wir aus der allgemeinen Theilnahme, die diese Trauerkundc hervorrief sicher schließen, uc-n nn*.j cipcn nn üD-n nroj nnan nn&” ra. Wer so beliebt bei den Blitmenschen ist, wie es der Verstorbene war, darf bestimmt auf die Liebe des Schöpfers rechnen. Von der Stunde des Unfalls au gingen beständig jüdische wie christliche Mitbürger im Hanse des Herrn Ehrenreich aus und ein, um sich nach dem Befinden zu erkundigen oder sonst Liebesdienste dem treuen Freund und Berather zu erweisen. Herr Ehrenrich wirkte nämlich seit ca. 28 Jahren mit aufopfernder Bcrufstreue und mit unermüdlichem Fleiße als Lehrer und Eantor in hiesiger Gemeinde. Er beschränkte sein Wirken nicht auf die vertragsmäßig ihm obgelegeueu vielen Blühen und Anstrengungen, sondern alles, was in die Gebiete von onon nr’cai rmay min sich erstreckte, das alles zählte der leider so früh Dahingcschicdcne in seinen Wirkungskreis. So war er seit l6 Jahren in uneigennützigster Weise Vorstand der c-~Dn rvbm man In dieser Eigenschaft erwarb er sich einen unsterblichen Namen, der alle Mitglieder des Vereins zu weiterer Förderung anzueifern angethan ist. Hörte Herr Ehrenreich, daß ein Gemeindemitglicd Kinder in nicht religiösen Anstalten unterbringen wollte, so war er cs, der persönlich zu diesem Gemeindcmitglied ging, um ihm eine religiöse Anstalt von gleicher Güte zu empfehlen. Galt cs. mm zu ehren, so war der Verstorbene der erste, der sich dieses Verdienst zu erstreben suchte. Dies zeigte sich so deutlich, bei der letzten von ihm geleiteten Feierlichkeit, bei der es nur der Eifer für Thoraverehrung war, der ihm noch die Kräfte zu so würdigem Eintreten verlieh. So betrauern wir in dein Heimgegangenen einen tüchtigen Lehrer, ausgezeichneten Eantor und einen wahren Wohlthäter. Die allgemeine Verehrung zeigte sich besonders bei seinem Lcichenbegängniß, das sich noch viel imposanter gestaltet hätte, wären nicht durch nx» a-ij? viele von auswärts am .Kommen gehindert gewesen. Trotzdem sahen die Gemeiudemitglieder noch nie eine rm wie diese. Sämmtliche Kollegen der Real- und Volksschule erwiesen dem allseitig beliebten Toten iu corpore die letzte Ehre. Am Grabe widmete zuerst Herr Seminarlchrer Dr. T achau er-Würzbnrg in Vertretung des Herrn Rabbiner Bamberger hier dem Verstorbenen einen sehr warmen Nachruf, dcr allc Umstehenden zu Thränen rührte. Herr Rabbiner war nämlich wegen des übergroßen Schmerzes um den Heimgang feines lieben Freundes nicht imstande, dic Trauerrede zu halten. Sodann trat im Namen der jüdischen Kollegen Herr Lehrer Goldstcin-Maßbach hervor, um den Vcrlnst eines so berusstrcncn Lehrers zu beklagen, der durch alle seine Tugenden jedem ein Vorbild sein könne. Namens des isr. WohlthÜtigkeitsvereins sprach hieraus Herr Mich. Goldstein dem hochverdienten Vorstand Worte des Dankes und der Anerkennung aus. Zuletzt ließ es sich Herr Rabbmer Bamberger nicht nehmen, unter beständigem Schluchzen seinem ihm so jäh entrissenen Freund und Mitarbeiter den Abschiedsgrnß rnu'a ~p nachzurufcn. Im Aufträge des Bezirkslehrervereins legte Herr Lehrer K atzen b e r g e r einen Kranz am Grabe nieder. Außerdem stifteten Kränze: Herr Bürgermeister Fuchs und Herr Hofrath Dr. Dietz. So suchte jeder, der den Verblichenen kannte, ihm noch eine letzte Ehre zu erweisen. Die Familie, die Gemeinde, sein großer Bekannten- und Freundeskreis haben einen Mann verloren, der ihnen nie wieder zu ersetzen ist. Möge es daher der Wille desjenigen fein, der die Thränen trocknet und den Tod ans der Welt schafft, daß die Familie Trost finde

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