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Der Israelit · 1892-04-07 · Heft 28 (7.4.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 28 (7.4.1892)
Date
1892-04-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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547 werden. Die Rolle eines Liebhabers aber hatte er der Fürstin Lydia gegenüber mit so viel Geschick zu spielen vermocht, daß es keinem Menschen zweifelhaft war, seine Reise habe nur diesen einzigen Zweck gehabt. Wenige Tage schon, nachdem Iwan in die Provinzialstadt gekommen war, hatte es sich herausgestellt, daß jenes Gerücht von der Nihilistenthätigkeit unrichtig gewesen war, daß sich in der guten Stadt nichts Verdächtiges regte. Pflichtgemäß hätte Iwan nun nach Petersburg zurückkehren müssen, indessen hielt ihn einerseits die wahnsinnige Leidenschaft, die er für Rosa gefaßt, und der Durst nach Rache an ihrem Hause, m dem er beleidigt worden war, zurück, andererseits widerstrebte es ihm auch, ganz unverrichteter Sache und ohne irgend etwas entdeckt zu haben, zurückzukommen. Er verblieb in der Provinzialstadt und rechtfertigte sein Verbleiben dem Kaiser und dem conservativen Geheimbund gegenüber mit falschen Berichten, indem er augab, daß er der verbrecherischen Verschwörung bereits auf die Spur gekommen sei, sogar an einigen Geheimsitzungen Theil genommen habe und nur die Sache vollständig zur Reife kommen lassen wolle, bevor er die Theilnehmer verhaften ließe. Anfangs hatte man ihm dieses in Petersburg anstandlos geglaubt, als aber Woche auf Woche verging und man weder von ihm, noch von anderer Seite her etwas über die Thätigkeit der Nihilisten in jener Stadt hörte, da begann sich allmählich Zweifel über die Wahrhaftigkeit seiner Angaben zu bilden und seine Feinde, deren ein Günstling des Glückes ja stets viele besitzt, fingen an, erst ganz leise, doch immer mit größerer Keckheit, gegen ihn aus voller Kraft zu arbeiten. War es Iwan auch nicht vollständig gelungen, durch den vornehmen Geheimbund, der Verbreitung und Stärkung des griechisch-orthodoxen Glaubens ebenfalls zu seinen Aufgaben gestellt hatte, sich die Liebe des Oberprokurators der Synode zu erwerben, so wußte er doch, daß dieser mächtige Mann ihm bisher nicht abgeneigt war, sondern nur, seiner Natur nach, noch eine abwartende Stellung dem Günstling des Ezaren gegenüber einnahm. Wenn aber nun der Protopope, nach Petersburg zurückgekehrt, cs sich angelegen sein ließ, den Oberprokurator der Synode zu einem heftigen Feinde Jwan's umzustimmen, so konnte dies dem jungen Manne allerdings eine gefährliche Lage bringen und das Kartenhaus, das er über der angeblichen nihilistischen Verschwörung in der Provinzialstadt so mühsam aufgebaut hatte, mit einemmale zum Falle bringen. Kein Mensch auf der ganzen Welt war von Iwan so sehr zu fürchten als der aalglatte, vorsichtig, aber mit tödtlicher Sicherheit vorwärtsschreitende oberste Herr der russischen Kirche. Dies Alles zog nun in schneller Aufeinanderfolge vor Jwan's Geist vorüber und es wurde ihm klar und immer klarer, daß der Augenblick ihn mit unwiderstehlicher Gewalt zum Handeln drängte. Entweder er mußte die Liebe zu der Jüdin in seiner Brust ersticken und nach Petersburg zurückkehren oder er mußte seine frühere Taktik verfolgen und nun eine Verschwörung, obgleich sie nicht vorhanden war, entdecken. Plötzlich färbten sich die Züge des bleichen Jünglings mit schimmerndem Roth, ein unheimlicher Glanz schoß jäh ans seinen vorher so umflorten Blicken, seine niedergebeugte, erschlaffte Gestalt richtete sich siegreich und kampfesmuthig empor. „Du Eapaun, Du Popanz!" rief er in alter Lustigkeit aus, „willst mich vernichten, und gibst mir selbst den Weg zur Rettung! Ei, mein lieber Fürst Michail Wasiljewitsch aus dem Geschlecht der Gutesow, was könnte es Vortheilhafteres für mich geben, als Deine Beschwerde gegen mich, wodurch Du mich aus hiesiger Stadt entfernen willst? Du bist der Führer der von mir so lange gesuchten Nihilisten-Verschwörung, uiit Deinem Freunde, dem gelehrten Dr. Horwitz, zusammen, hast Du gewaltige Bosheiten ausgesonnen gegen das Leben des Ezaren und die bestehenden Ordnungen der Dinge, was. ich nun vereitlen muß; einige Tage nur verbringe ich nun in Petersburg, sie werden hinreichen Alles aufzuklären, den Ezaren und den Prokurator werde ich wiedergewinnen, alle meine Feinde aber zerschmettern. Ja, ich bin noch der Alte, der kluge, erfindungsreiche Mann, gegen den Niemand 'aufkommt, der alle seine Gegner zerschellt an den spitzen Felsen seines Verstandes. Gott sei gelobt und gedankt, Iwan Alexandrowitsch ist wieder zum Leben erwacht." In aufgeregter Freude sprang er von seinem Sitze empor, riß die Thüre auf und schrie hinaus, Kolascheff solle eintreten. Dieser Mann, der geduldig bislang gewartet hatte, konnte seinem Herrn ausführliche Nachricht über das geben, was Jener zu wissen wünschte. „Ich habe es ja immer gesagt, diese Juden sind wie die Katzen, wie man sie auch wirft, fallen sie auf die Füße", begann er seine Erzählung. „Ohne Umschweif und Vergleich," unterbrach ihn Iwan, „berichtet schnell und kurz, wie sich die schöne Rosa befindet und was sie zu thun vor hat." „Denkt Euch nur das Mädchen als Dienerin bei einer Herrin, die ihre Nebenbuhlerin ist, und sie glühend haßt. So heiß ihre Feindschaft gegen die Jüdin war, so eisig kalt war zuerst ihr Benehmen. Rosa weigerte sich anfangs von den

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