Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1892)
- Date
- 1892-04-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIII. Jahrgang. Beilage ju M 27 des „Israelit". Leitender Artikel. UereK Schiray. Fortgesetzt von Liepman Philip Pr ins. (Der Lobgesang der Quellen.) Frankfurt a. M., 23. März. XXII. .^2 'I'Z/Q ^>2 D'^ro Dnffl : DHÖ'N Die Quellen sprechen (sagen uns).- „Und Sänger wie Tänzer, all' meine Quellen sind in Dir." Diese Lobpreisung, welche den Quellen zugesprochen wird, ist so räthselhaft, daß einer der Commentatoren der rrw ’pns sogar die Bemerkung macht, der Verfasser dieser Lobpreisungen hätte den angeführten Psalmvers den Quellen nur deßhalb in den Mund gelegt, weil in ihm das Wort "wj/ö„ vorkömmt, daß sonst aber diesem Ausspruche eine jede innere oder tiefere Bedeutung abgehe und völlig zu fehlen scheint. Selbst im Zusammenhänge mit dem 87. Psalm, dessen Schluß diese Worte der Quellenlobpreisung bilden, bietet er nicht unerhebliche Schwierigkeiten, ja man möchte bei der ersten Erwägung fast sagen, daß jedweder geistige Zusammenhang mit den Gedankenreihen der vorausgehenden Verse vermißt wird und die Gedankenverbindung ganz eigenthümlich, ja fremdartig erscheint. Und noch schwieriger erscheinen diese Worte im Midrasch, wie sie im mybx m p© (Cap. 42) Anwendung finden. Es wird daselbst erzählt: Es war der Vorabend jenes denkwürdigen Sabbats des 6. Siwan. Am Fuße des Sinaiberges standen Männer und Frauen, Söhne und Töchter, Junge und Alte Israels, alle voller Erwartung, harrend des herannahenden Tages, an welchem Gott 7i"2 sich seinem Volke offenbaren und demselben sein Feuergesetz verkünden würde. Die Männer hatten bereits das göttliche Gebot vernommen ntcw hx iBun hx, „nahet Euch nicht den Frauen" und ihm entsprechend hatten sich die Männer an der einen, die Frauen an der andern Seite des Berges vereint geschaart. Da rief Gott n n den rwo und sprach zu ihm: „Gehe hin zu dem Volke bxiw roaV uro app' roaV iöwi na, sage es dem Hause Jakobs und verkünde es den Söhnen Israels" D’iwn ^xapjr nnb "icxn na. Sage es „erst" den Frauen, daß ich bereit bin, Israel die Thora zu übergeben, dieselbe ihm zur Hut anzuvertrauen, und frage sie, ob sie bereit sind, die gewissenhafte Pflege und pünktliche Wahrung zu übernehmen. Erst dann, wenn die Frauen zugestimmt, verkündige es roicoxn )bx bxiw ’jaS den Männern bw oarir rotw Dnpi inx roakn nnw», denn dies ist die Weise der Männer, daß sie gewöhnlich der Ansicht und Meinung der Frauen folgen und fährt der enno fort: no*xi, so heißt es auch o’t6ina cmn ■p \ryo bjf Sänger, wie Tänzer, all' meine Quellen sind in Dir. Welche Bedeutung, fragen wir, hat hier dieses now? Wieso enthält dieser Vers eine Begründung für das im tcnno Mitgetheilte y Wir wollen nun versuchen, den innern Zusammenhang und die geistige Verbindung des Verses mit dem ganzen Psalm zu erläutern, die Meinung des x"i 'ps zu ergründen und hoffen dadurch die Lobpreisung, welche der Verfasser des rro pns die Quellen verkünden läßt, unserm Verständniffe näherzubringen. Das Auge des königlichen Sängers blickt in die fernste Zukunft. Er sieht das Volk, dessen Herrscher er ist, aus seinem Lande verbannt, verjagt und über dem ganzen Erdenrund zerstreut. Unmenschliche Gewalt und gefühllose Rohheit hatte die kräftigen Gestalten von Judäa's Männer geschwächt, entkräftet, ja gebrochen. Die Edelsten der Edlen wurden zurückgesetzt, verfolgt, gepeinigt, preisgegeben der Willkür roher und sittenloser Menschen. Aber so sehr auch der Rücken unter der schweren Bürde und dem hart drückenden Joche der Arbeit, welche man ihnen schonungslos auferlegte, sich krümmte, so sehr auch die Hände aufschwollen unter den unsäglichen ungewohnten Mühen, zu denen sie ohne jedes Erbarmen gezwungen und gedrängt wurden, ihr Auge leuchtete hell und klar, denn aus demselben strahlte das Licht einer göttlichen Seele, aus ihm strahlte mit mächtigem Glanze hervor unerschütterliches Vertrauen zu Gott, erhebend und aufrichtend das gebeugte Gemüth, tröstend und ermunternd das verwundete Herz, mit lieblichem Zurufe dem gedrückten Geiste verkündend: „Nicht immer wird Israel geknechtet werden unter der Macht seiner Bedränger und Widersacher; bald, bald nahet die Stunde seiner Erlösung und Befreiung." — Und immer deutlicher tritt die Gestaltung der fernen Zeiten vor das dichterische Auge des holden Liedersängers und in der düstern frucht- und freudeleeren Wüste, in welcher das Gebiet seines Volkes sich ihm darstellt, erblickt er freundliche Oasen. Unter dem Scepter milder Herrscher, welche mit gerechtem Sinn das Wohl aller ihrer Unterthanen zu fördern bestrebt sind, erfreuen sich die