Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1892)
- Date
- 1892-04-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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534 zerstreuten Kinder seines Volkes des allgemeinen Wohlwollens der Bevölkerung, in deren Mitte sie wohnen, erfreuen sich einer gerechten Würdigung ihres Fleißes und Strebens, erfreuen sich der Ruhe und des Friedens. — Aber das Glück, das ihnen zu Theil ward, die Ruhe und der Frieden, den sie genießen, ließ sie den Spender alles Guten, den gütigen Lenker ihres Geschickes vergessen, und all' das Schöne und Gute, das ihnen blühte und reifte, wähnten sie sich selbst geschaffen und bereitet zu haben, erachteten sie als ein Produkt ihrer eigenen Kraft, ihrer eigenen Macht. — Tief trübe wird da des Dichters Blick. So erhebend und erquickend auf ihn in der dunklen Nacht des Exils der leuchtende Strahl der göttlichen Vorsehung wirkt, so tief betrübt es ihn, daß wo das Licht der Gesittung und Bildung, der Humanität und Civilisation dämmert, der Geist geknechtet wird von der ihn umstrickenden Macht der Verführung. Daß unser Psalm diese Gefühle und Empfindungen ausdrückt, entnehmen wir den Worten des wo -inw amo, mir denen er denselben einleitet. Es heißt dort: "iDNff ini 'di yrs njw '“i ani» pn pnL' "ion '»jy »no nanu >6 rnyio '»jy aman .D^iyn 'rbtihw \on myio »no D»aio D’teryoo '»jy Trntf „Die Gedanken dieses Psalmes finden ihren Wiederklang in den Worten des Propheten Jesaja: Du Gebeugte, Sturmbewegte, Nichtgetröftete. Wann bin eich gebeugt, wenn ich arm bin an guten Thaten und gottgefälligen Werken, wann bin ich sturmbewegt, wenn ich in der Welt hcrumgetrieben und gejagt werde von einem Ende zum andern/' mp Sehr bedeutungsvoll widmet der Dichter seinen Sang den Korachiden. Wenn bitterer Kummer und bange Sorge an unserem Lebensbaume nagen, wenn unmenschliche Rohheit und gefühllose Gewalt uns schwer bedrücken, das Toben und Stürmen von Räubern und Mördern gegen uns, unser Leben bedrohend, sich erhebt und wir uns ängstigen, in die Außenwelt zu treten, von der berechtigten Furcht erfüllt, zermalmt und zerdrückt zu werden von der Macht unserer gewaltigen Dränger, da ist es selbstverständlich, daß wir den einzigen Quell des Muthcs und der Ausdauer im innersten Familienkreis suchen, an der Seite der liebenden Gattin, im Hinblicke auf die geliebten Kinder, mit denen uns Gott n"a begnadigt hat. Da ist es begreiflich, daß wir lauschen den Erzählungen aus dem geschichtlichen Leben unserer Nation, zurückblicken auf die mannigfaltigen trüben Ereignisse, welche uu r die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes zu berichten weiß, daß wir erhebenden Trost und beruhigende Hoffnung suchen in den Berichten unseres heiligen Gotteswortes über unsere großen Stammväter, welche aus ihren Gängen durchs Leben so vielfache Anfechtungen zu überwinden hatten, und selbst den spätesten Nachkommen als leuchtende Muster und ermnthigendes Beispiel erglänzen, daß nur die innige Treue, gewissenhafte Hingebung und das unerschütterliche Festhalten an Gott n"a und sein heiliges Gesetz sie geschützt und geschirmt, die Feuerprobe von Ur Kasdim, nach der Tradition, Abraham nicht schwanken ließ in seiner Gott erkennenden Ueberzengunq, der Philister Neid an Jsaac spurlos und unbeachtet vorüberging und auch Jakob unbeweglich standhaft blicb in seinem Vertrauen auf Gott nna, zu dessen Dienste er sein ganzes Haus, alle seine Kinder zu erziehen bestrebt war, obwohl er von keinerlei Betrübniß und Kummer verschont blieb in seinem an wandelbarem Geschicke reichen Leben. Wir wundern uns nicht, daß belebende Hoffnung uns die Brust schwellt, selbst wenn Umstände und Verhältnisse uns mit Tod und Untergang drohen; wir wundern uns nicht, daß, wenn an unserem trüben Horizonte jeder wärmende Strahl von Lebensfreude und Dascinsheiterkeit von düstern Wolken schweren Mißgeschickes verlöscht und verdunkelt wird, wir Licht und Wärme, Freude und Wonne, Lebensgenuß und Heiterkeit in den immer leuchtenden Sinaiworten und an der stets freudespendenden Ausübung der göttlichen Gebote und Gesetze finden, daß wir von dem Untergange des stolzen Egyptens und dem Dahinschwinden des gotleslästernden Babylonierreiches erzählen am -patN »jnvop ^aai und uns Rahab's und Babels erinnernd von unseren Züchtigern und Peinigern der Jetztzeit sprechen.*) — Aber ist es denkbar, daß wenn die liebevolle Hand der göttlichen Vorsehung über uns sich schützend und schirmend ausbreitet, wenn wir Seiner göttlichen Macht und Milde, Hilfe und Ruhe, Glück und Frieden verdanken, wenn das über uns verhängte Exil uns brachte in die Mitte einer erleuchteten, menschlich fühlenden und gebildeten Bevölkerung, welche in Gott das die Welt und deren Geschick leitende Wesen, in Ihm die höchste Macht anerkennen, und wohlwollend und menschenfreundlich auch uns des Lebens Aufgaben und des Daseins Beruf in ihrer Mitte erfüllen lassen; daß wir dann Gottes und seiner Gesetze vergessen, unsere Meisterschaft in der Nichtbeachtung und Uebertretnng des uns geoffenbarten göttlichen Willens suchen, daß wir jenen Mitbürgern, deren Stolz Einfachheit, Sittlichkeit und Ehrlichkeit bildet, zeigen, wie wir rn abweisend das Joch der min und mso damit prahlen, daß wir jedes Gottesgesetz und so- *) Sil-be Buber nnyn zu »jnvoy moi am "imsp emo c’L^rD-) p'cc tjn pin cm yin pp irrix pppEn rvoio /vDNi p'cnnoi ('io 'n