Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1892)
- Date
- 1892-04-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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528 aus die Vertrauensseligkeit der Landleute, denen es doch auch kein Geheimniß bleibt , daß seine weltbeglückende (?!) Mission nichts weiter als Geschäfts-Reklame ist. S. W. Kissingen. Wie in Ihrem gesch. Blatte eine Korrespondenz ans Mainz erwähnte, beging der Rabbinatsbezirk Kissingen am p\3 m das Fest des 25jährigen Jubiläums unseres sehr verehrten Hrn. Distrikts-Rabbiners Bamberger dahier. Gewiß wird cs weitere Kreise interessiren, wenn ich Ihnen in Kürze über den Verlaus dieser Feier, die in Wahrheit eine minn tto war, berichte: Früh 9 Uhr fand in der festlich belenchteteil und reichlich mit Blumen geschmückten Synagoge Gottesdienst statt, an den sich die Gesammtgemeinde Kissingen, sowie die Gemeinden des Distrikts betheiligten. Da von offizieller Einladung auf Wunsch des mit großer Bescheidenheit gezierten Jubilars Umgang genommen wurde, so waren weder Behörden noch Berufsgenossen erschienen. Nachdem Herr Rabbiner L. M. Bamberger '"i in Begleitung der Cultusverwaltungsmitglieder die Synagoge betrat, sang der Chor »an ■pa, woraus dann verschiedene Psalmen rezitirt wurden. Hernach bestieg Herr Lehrer Ehrenreich die Kanzel, um in einer allgemein mit größtem Beifall anfgcnommenen Ansprache an den Jubilar, dessen Vorzüge als Rabbiner, Gemeindeangehörigen und Vorsteher der verschiedensten Vereine zu schildern. In derselben hob Herr Ehrenreich vor allem hervor, daß er sich so kurz als möglich fassen wolle, da er dadurch dem Wunsche des Gefeierten am ehesten entsprechen würde. Trotzdem entwarf Herr Ehrenreich ein so prächtiges Bild von dem Leben und Wirken des hochgeehrten Herrn Rabbiners, daß alle Zu. Hörer durch diese Worte mit Begeisterung für den Jubilar erfüllt wurden. Nach dieser Ansprache wurden wieder einige Psalmen thcils vom Chor gesungen. theils rezitilt, worauf dann Herr Rabbiner Bamberger v,j selbst die Kanzel bestieg, um mit gewohnter Meisterschaft zu schildern, in welcher Weise ein Rabbiner zu jetziger Zeit seines Amtes zu walten habe. Er bemerkte, daß er nur dann diese Feier für eine berechtigte halte, wenn sein Wille für That gerechnet würde, denn sein Wille wäre stet? gewesen, den an ihn gestellten Anforderungen niöglichft nachzukommen. Seinem Wirken entiprtchend aber wäre die Feier eine viel zu erhabene. Mit Dank gegen Gott begann er seine Rede und mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein niöge, stets ein wahrer yrty pr sein zu können, schloß er seine allen zu Herzen gehende Rede. Mit Rezitirung einiger Psalmen und dem Schlußchorale '^n erreichte die synagogale Feier ihr Ende. Sodann begaben sich die Fefttheilnehmer ins Hotel Ehrenrekch, wo die Ueberreichung der Festesgaben in feierlichster Weise, gewürzt mit schönen Ansprachen, stattfand: Der Kultusvorstand übergab außer dem Distriktsehrengeschenke einen Wilnaer Talmud neuester Ausgabe; Herr Lehrer G o l d ft e i n-Maßbach namens der Lehrer des Distrikts eine silberne Esrog- Schale; Herr Lehrer Ehren reich, als Vorstand der m rron namens derselben und des Fraueuvereins ein silbernes Tas und die Schuljugend eine silberne Jad hiezu. Aus alle Ansprachen antwortete Herr Rabbiner ’*a sehr sinnig, ans dem vergangenen Wocheuabschnitte schöpfend. Bei dem darauffolgenden Frühschoppen brachte der geehrte Jubilar den ersten Toast auf den Landessürsten, den Wahrer der religiösen Duldung aus, der allseitig mit freudiger Herzlichkeit Zustimmung fand. Auf allgemeinen Wunsch wurde sodann auch ein Hnldigungstelegramm an Se. Kgl. Hoheit den Prinzregenten v. Bayern abgesandt, worauf im Laufe des Nachmittags noch ein allerhöchstes Danktelegramm einlief. Erst Rachmittags 2 Uhr trennten sich die Fefttheilnehmer, alle mit dem Wunsche: Der Allvater möge den Jubilar bis ins höchste Alter in gleicher Rüstigkeit und Thatkraft seiner werthen Familie und seinem Rabbinate zum Wohlc der Gemeinden und zum Heile der ganzen Menschheit erhalten T' pi jdn. Einen recht würdigen Abschluß fand die Feier in der Anregung des Herrn Schmal-Unsleben, daß eine „M. L. Bamberger'sche Stiftung" gegründet werden möge. Herr Schmal ging mit einer namhaften Summe beispielgebend voran und fand auch viele Nachahmer, so daß diese Stiftung jetzt schon ganz entsprechend foudirt ist. Wollen auch andere diesen folgen! Zn erwähnen ist noch, daß auf eine Zeitungsnotiz hin viele Behörden und Privatpersonen theils persönlich, theils schriftlich gratulirten, ein Beweis dafür, daß unser Herr Rabbiner sich der allgemeinsten Achtung erfreut. Niöge der Jubilar auch das 50jährige Amtsjnbiläum bei gleicher Kraft und Frische erleben! jen. W. O e st e r r. -11 n gar. Monarchi e. Wien, 30. März. Im Gemeinderath haben heute die Antisemiten wieder einmal einen besonders heftigen Skandal provizirt. Gelegentlich der Verhandlung über eine Subvention von 600 Gulden für den Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs sagte der Antisemit Lueger, die Juden seien wegen ihres provozircnden Beuehnrens an dem Rückgang des Wiener Fremdenverkehrs schuld. Ebenso sprach Antisemit Hawranek gegen die Subventiorl. Als der Fortschrittler und Schriftsteller Friedjung sagte, nicht die Juden, sondern die Antisemiten seien un-